Bürgerentscheid in Aschau: „ Gemeinde darf sich nicht auf wenige große Firmen verlassen“

Bürgermeister Christian Weyrich
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Bürgermeister Christian Weyrich
  • Raphaela Lohmann
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Aschau – Die Anforderungen der Bürger steigen, die Einnahmen der Gemeinde sinken. Im Interview erklärt Bürgermeister Christian Weyrich (CSU), wieso die Gemeinde sich breiter aufstellen muss und deshalb ein Gewerbegebiet entwickeln will.

Warum braucht die Gemeinde Aschau neben einem Industriegebiet auch ein Gewerbegebiet?

Christian Weyrich: Schon vor der Corona-Krise hat es sich jetzt gezeigt, jetzt noch mehr: Die Gemeinde darf sich nicht auf wenige große Firmen verlassen, sondern muss sich breiter aufstellen. Die Gemeinde braucht mehr kleinere Firmen und ein größeres Portfolio an Arbeitsplätzen. Nur so bleibt die Gemeinde krisenfest und sichert sich Einnahmen aus Gewerbesteuern, die für Aschau wichtig sind. Wir haben uns eine Infrastruktur erarbeitet, die wir nur mit Einnahmen aus der Gewerbesteuer erhalten und leisten können.

Wie profitieren die Bürger von einem Gewerbegebiet?

Weyrich: Es steht zu wenig im Fokus, was sich die Gemeinde alles leistet. Ob Schule, Kindergarten oder Vereine – Aschau unterstützt die Bürger auch im verdeckten, was sie aus der Gewerbesteuer einnimmt. Vergünstigte Baulandpreise, der Verzicht auf die Konzessionsabgabe für Strom oder – den wenigsten ist das im Alltag bewusst. Wegen der Corona-Krise muss die Gemeinde darauf schauen, was sie sich auch weiterhin leisten kann. Diese Wunschleistungen sind gut, aber sind nur dann zu leisten, wenn die Gemeinde entsprechende Einnahmen hat. Gibt es die nicht, fallen als Erstes die Wunschleistungen weg. Aschau geht es gut, aber wenn die Einnahmen fehlen, wird es anders. Unsere Einnahmen sinken, aber gleichzeitig steigen die Anforderungen der Bürger – in diesem Spannungsfeld befinden wir uns gerade.

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Die Gegner des Gewerbegebiets befürchten Lärm und mehr Verkehr für Thann. Außerdem kritisieren sie die Flächenversiegelung. Wie kann man diese Stimmen beruhigen?

Weyrich: Wo baulich etwas entsteht, wird Fläche versiegelt. Das heißt aber nicht, dass alles zubetoniert wird. Im geplanten Gewerbegebiet sollen 30 Prozent der Gesamtfläche als öffentliche Grün- und Ökofläche ausgewiesen werden. Grundstücke selbst sollen nur maximal 60 bis 80 Prozent versiegelt werden. Wir dürfen nicht vergessen: Die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken ist da. Alles, was nicht bei uns entsteht, entsteht an anderer Stelle. Dann vielleicht aber nicht unter ökologischen Aspekten. Wir müssen die Natur als Ganzes sehen, nicht nur in Aschau. Eine realistische Alternativfläche wäre im Norden gelegen. Damit wäre aber für die Bürger aus Thann nicht viel gewonnen gewesen, weil die verkehrliche Erschließung sich nicht geändert hätte. Im Gewerbegebiet soll Wohnen möglich sein, daher würden auch niedrigere Grenzwerte für Lärm gelten. Die könnten wir auch im Bebauungsplan festlegen.

Gewerbegebiet soll nicht nur einen grünen Anstrich bekommen

Hätte die Gemeinde im Vorfeld besser auf die Bürger zugehen sollen?

Weyrich: Hätte man früher die Leute ins Boot geholt, dann wäre es sicherlich nicht zu dieser Auseinandersetzung gekommen und man hätte mit den Bürgern zu einer Lösung zusammengefunden. Generell lohnt sich ein solcher Prozess, auch wenn er mit viel Zeit und Aufwand verbunden ist. Es ist ein Invest in das Ergebnis, das die Bürger ganz anders mitgetragen hätten.

Wie können sich die Bürger darauf verlassen, dass die Gemeinde tatsächlich ein grünes Gewerbegebiet realisiert?

Weyrich: Das kommt so. Ziel ist, dass rund 30 Prozent der Gesamtfläche als öffentliche Grün- und Ökofläche ausgewiesen werden soll. Es wird sicherlich nicht passieren, dass hinterher gekürzt wird. Ohnehin ist die Gemeinde gerade dabei, Grünflächenmanagement zu entwickeln. Wir sind an vielen Stellen dran, öffentliche Flächen zu ökologischen Flächen aufzuwerten. Im geplanten Gewerbegebiet bekommt die Ökologie ihren Platz. Es soll nicht nur einen grünen Anstrich bekommen. Außerdem haben die Bürger im Zuge der Bauleitplanung ohnehin die Möglichkeit, sich zu beteiligen.

Ganz kurz: Wieso sollen die Bürger für das Gewerbegebiet stimmen?

Weyrich: Es geht um die Zukunft für die Kinder und Kindeskinder. Wir sollten eine positive Entwicklung vor Ort für unsere Kinder schaffen.

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