Buchbachs Gasthöfe im Wandel der Zeit

Ansicht des Gasthauses zum Falken in Buchbach.
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Ansicht des Gasthauses zum Falken in Buchbach.

Die Marktgemeinde Buchbach und ihre Umgebung hatten eine hohe Wirtshausdichte und einige Brauereien. Obwohl der damals flächenmäßig und politisch kleine aber wirtschaftlich bedeutsame Marktflecken von den Gemeinden Felizenzell, Ranoldsberg und Walkersaich eingeschlossen war, war er Mittelpunkt der Region.

Von Franz Rampll

Buchbach – Die Marktgemeinde Buchbach und ihre Umgebung hatten stets eine hohe Wirtshausdichte und auch einige Brauereien. Obwohl der damals flächenmäßig und politisch kleine aber wirtschaftlich bedeutsame Marktflecken Buchbach von den Gemeinden Felizenzell, Ranoldsberg und Walkersaich eingeschlossen war, war er Mittelpunkt für die gesamte Region. So hatte beispielsweise die Gemeinde Felizenzell ihre Gemeindekanzlei bis zuletzt im Vorläufergebäude des heutigen Rathauses. Aufgrund der regelmäßigen Vieh- und Warenmärkte waren die Wirtshäuser auch als Herbergen gefragt.

Heimatforscher auf Spurensuche

Aus den Nachforschungen des Heimatforschers Max Wallner und seiner Vorgänger kann man außer der Geschichte der Brauerei Mirtlsperger und vereinzelten Hinweisen auf andere Wirtshäuser und Brauereien, sowie der Häuseraufstellungen, leider keine Zusammenfassung über Buchbachs Wirtshäuser finden. Sie waren und sind aber bis in die Gegenwart ein wesentlicher Baustein der gesellschaftlichen Kultur Buchbachs und seiner Umgebung.

„Womit sich die Leute damals in ihrer Freizeit beschäftigt haben? Da gab es nicht viel zu beschäftigen“, sagt Wallner. Sie hatten mit ihrem Auskommen genug zu tun. Eine Wallfahrt oder ein Marktbesuch zählten zu den willkommenen, aber seltenen Zerstreuungen. „Das einzige, was es sonst noch gab, waren die Wirtshäuser.“ Selbst das Vereinsleben hatte sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht entwickelt. Mit den Vereinsgründungen ab etwa 1850 bekamen die Wirtshäuser als Herbergslokale eine noch größere Bedeutung.

In dieser Zeit hatte der Markt Buchbach eine Reihe von bedeutenden Wirtshäusern, die bis vor wenigen Jahren und Monaten noch ihre Gäste bewirteten, wie das Gasthaus zum Falken und das Gasthaus zur Post, beide inzwischen geschlossen.

Zu den besten Zeiten gab es elf Wirtshäuser im Gemeindebreich. Heute gibt es, ohne die Vereinsheime, nur noch zwei Wirtschaften, die täglich geöffnet haben: Willis-Sengmüller in Ranoldsberg sowie Stoiber in Sterneck. In Buchbach selbst gibt es, nachdem vor Kurzem auchdas Gasthaus zum Falken geschlossen wurde, nur noch das Hotelrestaurant Renner und die Pizzeria Da Luciano, außerhalb dann nur noch die teilweise geöffneten Gasthäuser Rieger-Schemmer in Engolding und den Berger-Wirt in Kastenberg.

Wer denkt schon noch an die örtlichen Buchbacher Wirtshäuser, wie das erwähnte Gasthaus zum Falken oder das Gasthaus zur Post mit den legendären Faschingsveranstaltungen und Hochzeiten, das lange Zeit Stammlokal des TSV Buchbach war. Oder an das Gasthaus Thalmeier, die späteren Marktstuben, wo sich in den 60er-Jahren auch Buchbachs Fußballjugend und bis zuletzt die Skifahrer regelmäßig trafen. Und nicht zuletzt an das Gasthaus Leiderer, wo sich regelmäßig die Bauern trafen, da der dortige Wirt auch Viehhändler war.

Gibt es doch noch eine Rettung?

Bis in das Frühjahr hinein war das Gasthaus zum Falken noch geöffnet, wurde dann privat von einigen Vereinen für Veranstaltungen genutzt und ist nun endgültig geschlossen. Die Buchbacher Vereine versuchen, mit der Marktgemeinde eine Lösung für die Wiedereröffnung zu finden. Mehrere Vorschläge liegen dabei auf dem Tisch. Wie es weitergeht, ist offen.

Sieht man die Geschichte dieses Betriebs inmitten des historischen Marktplatzes, so wäre es schade, wenn kurz- und mittelfristig auch das letzte Buchbacher Wirtshaus „sterben“ würde, hat es doch eine lange Geschichte hinter sich. Erstmals erwähnt wurde es 1693 – und dürfte damit wohl das älteste Wirtshaus der Marktgemeinde sein. In der Urkunde wird der Wirt „Hans Falckh“ erwähnt. Ihm folgten 1712 Antoni Falckh, 1718 Antonin Falckh, 1759 Ulrich Plieninger, 1800 Joseph Hofer; 1806 Sebastian Wandinger, 1862 Johann und Katharina Wandinger. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Falke das Herbergslokal der Altschützen Buchbach, die sich 1864 gegründet haben.

Bis Ende 1900 war nach den Aufzeichnungen Inhaber und Gastwirt Johann Wandinger. Er war ein Gastwirt von altem Schrot und Korn, nannte er neben seiner geschäftlichen Tüchtigkeit eine gute Portion Mutterwitz sein Eigen, dem er nicht selten sogar in einfacher, dichterischer Form Ausdruck gab. Er zog sich mit 75 Jahren zurück und verkaufte seine Gastwirtschaft an die A. Mirtlsperger‘sche Brauerei.

Vom Verkauf des Anwesens 1899 bis Oktober 1900 führten Tochter und Sohn, Katharina und Johann Wandinger die Wirtschaft pachtweise weiter.

Der neue Besitzer baute den Falken um, allerdings ohne den Betrieb zu unterbrechen. Anschließend wurde die Wirtschaft von Paul Sturm aus Landshut pachtweise übernommen. Dessen Familie führte schließlich das Gasthaus. Aus dieser Familie stammt auch Angela Sturm, die spätere Chorleiterin, Organistin und Frau des ehemaligen Schulleiters Karl Vilsmeier. 1907 übernahm Michael Samhuber. 1918 haben schließlich Albert Bachmayer und Josef Hörmann von der Brauerei Dorfen zusammen mit dem Mirtlsperger auch das Gasthaus zum Falken erworben.

Legendäre Bälle und Veranstaltungen

Von 1947 an wurde es wieder von der Familie Sturm als Pächter geführt. Damals gehörte zum Wirtshaus auch die „alte Turnhalle“ als Tanzsaal, der sowohl als Schulturnhalle und vom TSV Buchbach auch als Sporthalle mit den Umkleidekabinen zum „alten Sportplatz“ hin genutzt wurde. In diesem Saal fanden bis in die späten 50er-Jahre noch die legendären jährlichen Turner- und Arbeiterbälle statt. Dann folgten als weitere Wirte: 1965 Karl Weinzierl, 1971 Karl Barmetler, 1975 Josef Kammhuber, 1980 Margarete Obermeier/Böhm, 1985 Christa Höber/Hintermeier und von 2009 bis zum Ende Josef Apfelböck. Er ist gleichzeitig auch Schützenmeister der Altschützen Buchbach, die in einem gesonderten Schießstand mit Vorraum ihren Schießbetrieb weiterführen können.

Von elf Gasthöfen sind nur noch zwei übrig

Mit der Gebietsreform in den Jahren 1972 bis 1978 wurden die Gemeinde Ranoldsberg und Teile der Gemeinden Felizenzell und Walkersaich/Steeg in den Markt Buchbach eingegliedert. Damit erweiterte sich nicht nur das Gebiet der Gemeinde, sondern auch die Wirtshauskultur. Denn zu den zu diesem Zeitpunkt vier Buchbacher Gasthöfen (Falken, Post, Thalmeier, Leiderer) kamen noch einige dazu: Aus dem Bereich Ranoldsberg waren das das Gasthaus Willis, der Bauernwirt, das Gasthaus Oberreitmeier, das Gasthaus Stoiber und der Jägerhof; aus der Gemeinde Felizenzell war es der Wirt z’Zell sowie aus Walkersaich das Gasthaus vom Bräu z’Loh und der Gasthof Bürger. Damit gab es zu dieser Zeit im Gemeindebereich Buchbach elf Wirtshäuser.

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