„Blicke mit Stolz auf die Amtszeit“ Interview mit Mühldorfs Bürgermeisterin Marianne Zollners

Bürgermeisterin Marianne Zollnerräumt ihren Schreibtisch im Mühldorfer Rathaus. Bauer
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Bürgermeisterin Marianne Zollnerräumt ihren Schreibtisch im Mühldorfer Rathaus. Bauer

Nach sechs Jahren im Amt scheidet Mühldorfs Bürgermeisterin Marianne Zollner (SPD) aus. Bei der Kommunalwahl entschieden sich die Mühldorfer für Michael Hetzl (UM) als neuen Bürgermeister.

Mühldorf – Der heutige Donnerstag ist der letzte Arbeitstag für Marianne Zollner als Bürgermeisterin. Sechs Jahre stand sie an der Spitze der Kreisstadt.

Haben Sie die Niederlage schon weggesteckt?

Marianne Zollner: Das Wahlergebnis der Stichwahl hat mich kalt erwischt, sozusagen eine Vollbremsung auf freier Fahrt. Ich hatte nicht damit gerechnet und weiß heute noch nicht, warum die Mehrheit der Mühldorferinnen und Mühldorfer mich abgewählt hat. Als Demokratin akzeptiere ich das Ergebnis und wünsche dem künftigen Bürgermeister ein glückliches Händchen für unsere schöne Stadt.

Welche persönliche Bilanz ziehen Sie ?

Zollner: Ich ziehe eine sehr positive Bilanz. Gemeinsam mit Stadtrat und Stadtverwaltung konnte ich sehr viele Maßnahmen umsetzen und für die Zukunft Mühldorfs wichtige Pfeiler setzen, auf denen man heute aufbauen kann.

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Ein großes Thema über die sechs Jahre war der Ausbau der Kinderbetreuung und der Schulen. Neu gebaut wurden die Kinderkrippen Harter Straße, Waidbruckstraße sowie Kinderkrippe und Kindergarten Ahamer Straße. Die Erweiterungsbauten der Grundschulen Mühldorf und Mößling sind in vollem Gange und sollen im kommenden September zur Verfügung stehen.

Im Bereich Verkehr war die größte Baumaßnahme der Neubau der Töginger Unterführung mit Geh- und Fahrradweg. Die kleine Ostumfahrung wird dieses Jahr gebaut, ebenso Verkehrsverbesserungen an der Inneren Neumarkter Straße und an der Nordtangente. Das neue Verkehrskonzept beinhaltet viele Verbesserungen, auch zwei Parkhäuser sind bereits in konkreter Planung.

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Bei der Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplanes war es mir wichtig, die Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen. Dies geschah in den Bürgerwerkstätten, in denen gemeinsame Ziele erarbeiteten.

Für den Zeitraum von sechs Jahren ist viel geschehen. Ich habe mit vollem Einsatz für Mühldorf gearbeitet und blicke mit Stolz auf meine Amtszeit.

Was war für Sie der Höhepunkt der Arbeit als Bürgermeisterin?

Zollner: Als meinen größten Erfolg werte ich die Ansiedlung der Hochschule in Mühldorf. Die Begrüßung der ersten Studierenden war ein sehr bewegender Moment. Inzwischen ist deren Zahl auf 540 angewachsen. Jedes Jahr kommen neue dazu. Die Gründung des Zweckverbandes Hochschule war ein Meilenstein zur Kofinanzierung der Hochschule durch den Landkreis. Auch die Regierung hat inzwischen eine Förderung zugesagt. Mit der Hochschule bieten wir den jungen Menschen aus der Region hervorragende Ausbildungs- und Zukunftschancen.

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Ein weiterer Höhepunkt war 2018 der Start der BR-Radltour in Mühldorf. So viele radsportbegeisterte Menschen in Mühldorf das war ein richtig tolles Erlebnis für Einheimische und Besucher.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Zollner: Ich werde die vielen Kontakte zu den Mühldorferinnen und Mühldorfern vermissen. Denn mir lag es immer sehr am Herzen, in engem Schulterschluss mit der Bevölkerung für die Stadt zu arbeiten. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung hat mir viel Freude bereitet. Sie war konstruktiv, fachlich fundiert und von Menschlichkeit geprägt.

Ist jetzt doch der richtige Zeitpunkt, um zu gehen?

Zollner: Gerade in diesen Zeiten, in denen die rechtsgerichteten Gruppierungen stärker auftreten, braucht es Menschen, die für unsere Demokratie auf den Grundwerten der Toleranz und Menschenwürde einstehen und dies auch öffentlich kundtun. Es wird eine stärkere Polarisierung geben. Das ist jedoch kein Grund, zu gehen. Im Gegenteil: Mein Engagement für eine tolerante und menschenfreundliche Gesellschaft wird nicht aufhören.

Wie sieht die berufliche Zukunft aus?

Zollner: Meine berufliche Laufbahn geht mit dem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt zu Ende. Ich werde mich langsam auf den so genannten Unruhestand vorbereiten.

Wie werden Sie die freie Zeit verbringen?

Zollner: Mir ist nicht bange, dass mir die Zeit lang wird, denn vieles ist in den letzten Jahren zu kurz gekommen. Familie, Freunde, Hobbys. Ich werde mich weiterhin in manchen Projekten engagieren. Doch erst einmal gönne ich mir einen Sommer Auszeit, bevor ich über meine künftigen Betätigungsfelder entscheide. Ich freue mich auf die erste Bergtour, die nicht am Wochenende stattfinden muss, auf Fahrradtouren, aufs Lesen dicker Bücher, ich koche gerne für Gäste, besuche meine Geschwister und Freunde – es gibt viele schöne Perspektiven für meinen neuen Lebensabschnitt. Interview: Josef Bauer

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