Medizinischer Leiter Dr. Richter

„Es bleibt kein Makel“ - Zeit der Mühldorfer Klinik als Corona-Haus hat Ruf nicht geschadet

Die Corona-Klinik ist Geschichte: Medizinischer Vorstand Dr. Wolfgang Richter (links ) und der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme Dr. Peter Rupp vor der „Infektionsampel“. Sie ist wichtiger Teil des Sicherheitskonzept im Krankenhaus Mühldorf nach der Rückkehr zum Normalbetrieb.
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Die Corona-Klinik ist Geschichte: Der Medizinischer Vorstand Dr. Wolfgang Richter zieht Bilanz.

Über 270 Corona-Patienten hat die Klinik Mühldorf seit Mitte März behandelt. Seit dem 16. März war sie das Corona-Zentrum der Landkreise Mühldorf und Altötting. Nach der Rückkehr zum Normalbetrieb zieht Medizinvorstand Dr. Wolfgang Richter eine positive Bilanz, spricht aber auch von Fehlern.

War die Entscheidung richtig, eines der beiden Akutkrankenhäuser zur Corona-Klinik zu machen?

Es hat sich absolut bewährt. Das sieht man, wenn man zum Beispiel auf die Zahl der infizierten Mitarbeiter in anderen Krankenhäusern schaut. Da liegen wir weit drunter. In Altötting waren es zwölf, in Mühldorf 52. Das ist in der Nachschau sehr wenig.

Und für die Patienten?

Wir haben durch die Spezialisierung in kürzester Zeit ein großes Maß an Erfahrung mit Covid-Patienten gesammelt. Dabei hat uns auch der Kontakt zu Uni-Kliniken oder großen Krankenhäusern geholfen, den wir sehr konzentriert gehalten haben. Die Schlagkraft des Hauses hat sich besonders an Tagen extrem hoher Belastung gezeigt, an denen wir bis zu 18 Beatmungspatienten und 180 Corona-Verdachtsfälle zu behandeln hatten.

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Nur noch ein Drittel der Patienten hat Corona-Symptome

Das Krankenhaus Mühldorf nimmt inoffiziell schon seit 14 Tagen wieder Nicht-Corona-Patienten auf. Wie reagieren die?

Wir haben keinen Makel als Covid-Klinik zurückbehalten, das merkt man deutlich. Die Patienten sehen, dass wir gezeigt haben: Wir können mit Corona umgehen, das übertragen sie auf unsere sonstige Arbeit. Das Vertrauen der Patienten hat in keiner Weise gelitten. Wir hatten in den letzten zwei Wochen bis zu 40 Patienten am Tag n der Notaufnahme, auch Schlaganfallpatienten sind schon wieder zu uns gekommen. Nur noch ein Drittel der Patienten kommt mit Verdacht auf Corona.

War die Rückkehr zum Normalbetrieb kompliziert?

Es ist schwieriger, aus der Situation als Corona-Klinik rauszukommen, als rein. Wir mussten sehr viele Themen planen und beachten, um jetzt größtmögliche Sicherheit für Patienten und Mitarbeiter zu gewährleisten. Das kann man gar nicht genau genug nehmen.

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Mitarbeiter künftig besser schützen

Wie geht es jetzt weiter?

Wir etablieren den Normalbetrieb und hoffen, dass eine zweite Welle ausbleibt. Falls die kommt, können wir aber schnell wieder umstellen. Außerdem gilt es jetzt Zahlen und Vorgänge der letzten Woche zu analysieren und Fehler zu erkennen und abzustellen.

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Welche Fehler sind das?

Wir haben zum Beispiel gelernt, dass wir Mitarbeiter insgesamt besser vor Infektionen schützen müssen, als das am Anfang der Pandemie der Fall war.

Wie wirkt sich die Pandemie wirtschaftlich aus?

Das können wir erst in ein paar Monaten sagen. Ich fürchte aber, dass das Defizit der Kliniken noch höher ausfallen wird als geplant.

Die Bilanz der Corona-Klinik in Zahlen

Corona-Patienten insgesamt: 273

Verdachtsfälle: 578

Tote: 54

Corona-Kranke Landkreis Mühldorf Gesamt: 499

Corona-Kranke Landkreis Altötting Gesamt: 601

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