Ein Bildband über die Autobahn: „Fluch und Segen A94“

Viel Mühe hat sich Obertaufkirchens Altbürgermeister Rudolf Hartinger gemacht, um mit einem Bildband die Entstehung der A94 mit ihren Vor- und Nachteilen aufzuzeigen.
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Viel Mühe hat sich Obertaufkirchens Altbürgermeister Rudolf Hartinger gemacht, um mit einem Bildband die Entstehung der A94 mit ihren Vor- und Nachteilen aufzuzeigen.

Obertaufkirchens Altbürgermeister Rudolf Hartinger hat ein Buch über die neue Autobahn geschrieben. Er hat sie in ihrer kompletten Entstehungsgeschichte aus der Sicht eines Obertaufkircheners mitverfolgt und dokumentiert.

Von Nicole Sutherland

Obertaufkirchen – Schon Leonardo da Vinci prophezeite einst, „es wird Wagen geben, die von keinem Tier gezogen werden und mit unglaublicher Gewalt daher fahren.“ Genauso ist es auch gekommen. Und diese Wagen brauchen Fahrbahnen zum Fahren. Autobahnen, zum Beispiel, die A94 im ganz konkreten Fall. Ob die Autobahn wirklich gebraucht wird, darüber ist mehr als vier Jahrzehnte heiß diskutiert worden. Ebenso, wie derzeit über den Lärm diskutiert wird, den sie seit ihrer Fertigstellung verursacht.

Von der unberührten Natur bis zur A 94

Dokumentiert hat die Entstehungsgeschichte bis hin zur Eröffnung Obertaufkirchens Altbürgermeister Rudolf Hartinger in einem Fotobuch. 16 Jahre hatte er selbst in seiner Funktion als Bürgermeister von Obertaufkirchen mit dem Bau zu tun. Während dieser Zeit und auch im Ruhestand hat er immer wieder Fotos gemacht: Von der unberührten landschaftlichen Idylle über das Anrollen der Baufahrzeuge und die massiven Erdbewegungen bis hin zur schrittweise fertiggestellten Autobahn hat er ein Zeitdokument erstellt.

„Fluch und Segen A 94“ heißt sein Fotobuch, weil er darin beide Seiten beleuchtet. Die Teilung der Gemeinde, Lärm, Abgase und Ruhestörung, die auf die Bewohner zukamen. Aber auch die schnelle Verbindung und erhöhte Sicherheit, die damit verbunden sind.

Als „Ureinwohner von Obertaufkirchen“, wie er sich bezeichnet, ist Rudolf Hartinger in seinem Ort verwurzelt. Er lernte bei der Raiffeisenbank und arbeitete auch dort. 1978 wurde er in den Gemeinderat gewählt und war dreißig Jahre kommunalpolitisch tätig. 1992 bis 2008 war er Bürgermeister und von 1996 bis 2014 war er im Kreistag.

„Wenn man die Gemeinde Obertaufkirchen auf einer Deutschlandkarte anschaut, ist es nur ein kleiner Punkt und da sollen nunzwei Autobahnen durch, die das Gemeindegebiet vierteilen,“ so Hartinger (Er meint damit auch die vierspurig geplante B 15 neu, die laut Planfeststellungsverfahren ebenfalls durch das Gemeindegebiet von Obertaufkirchen führen soll, Anm. d. Red.). Und weiter, „Jeder Gartenbesitzer würde sich auch wehren, wenn Gehwege durch seinen Garten führen sollen.“ Aus der Sicht der Landwirtschaft betrachtet, stehen sogar Existenzen auf dem Spiel. Auf der anderen Seite wolle jeder schnell ans Ziel kommen. So hat Rudolf Hartinger sein Fotobuch erstellt, damit man sich daran erinnert, wie es war, als die Autobahn kam. Gegliedert ist sein Buch nach der Entstehung der fünf Brücken. Auf geographisch kleinem Raum entstanden die Brücken bei Stierberg, im Ornautal an der Hochstraße, bei Rimbach und bei Mimmelheim-Deutenheim.

Anfangs mit offiziellen Luftaufnahmen, später mit eigenen Drohnenfotos, zeigt Hartinger die Einschnitte der A 94 in die Natur. Zeitungsausschnitte dokumentieren die einzelnen Ereignisse um die Autobahn im Lauf der Jahre. Sie werden von Rudolf Hartinger mit vielen Fotos belegt. Etwa die Suche nach Bodendenkmälern: Der Ritter von Haunsperg aus dem Schloss Schwindegg war einst nach Frauenornau verlobt. Die Suche nach seinen Spuren blieb jedoch erfolglos.

Ein weiteres großes Ereignis war derAbriss der Ornautalbrücke. Wegen geometrischer Abweichungen musste sie neu erstellt werden. Technisch interessant war auch der Aufbau der Bogenbrücke Hochstraße zwischen Luberkapelle und Stift.

Fotobuch ist ein Zeitdokument

Mit Fotos in bester Qualität erzählt der Autor die Geschichte der Autobahn auf 114 Seiten. Er hat sie beim Ausfahren der Kirchenzeitung im Lauf der Jahre fotografiert und gesammelt. Das Fotobuch, das daraus wurde, ist lebendig gestaltet. Das Buch kann bei Rudolf Hartinger nachbestellt werden. Es ist allerdings nicht ganz billig. Weil es eine Einzelanfertigung ist, kostet es 110 Euro - ein Zeitdokument, das in Bibliotheken gut aufgehoben ist. Rudolf Hartinger ist zu erreichen unter Telefon 0 80 82/ 87 54.

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