Das Biest mag keinen Espresso

Natürlich haben wir das Corona-Biest noch nicht vertrieben.

Das wird einem seit ein paar Tagen an jedem Abend klar, wenn sich die neue Corona-Warn-App meldet und verkündet: „Bisher keine Risiko-Begegnung“. Gut so. Denn wer keine Risiko-Begegnungen hatte, kann sich an den schönen Begegnungen erfreuen, die das Virus auch mit sich bringen kann. Es beschert Empfindungen, die man kaum für möglich gehalten hätte. Wer dachte schon vor März daran, dass es glücklich machen würde, die österreichische Grenze zu passieren. In Richtung Nachbarland, wohlgemerkt. Das kleine blaue Schild mit der rot-weiß-roten Fahne kurz hinter Schleching, fast unscheinbar am Straßenrand an schattiger Passstraße wird zum ganz unverhofften Glückswegweiser.

Oder die Kollegin, selten hing sie unserem derzeitigen Lieblingsministerpräsidenten und obersten Virusbekämpfer so an den Lippen, wie in dieser Woche, als er die neuen Lockerungen verkündete. Kaum geschehen, greift sie zum Smartphone, um in ihrer wichtigsten Whats-App-Gruppe den ersten Stammtisch nach drei Monaten zu organisieren. Solche Freude! Endlich ein Wiedersehen, endlich wieder ratschen, endlich.

Doch der Versuch, im bevorzugten Stamm-Lokal einen Tisch zu ergattern, schlägt krachend fehl. Der Gasthof hat nach nur drei Wochen wieder zugemacht, weil kaum jemand zum Essen kommt.

Es lauert weiter, das Biest, es lebt und will uns fressen. Aber nicht die Hoffnung, auf viele neue kleine Glücksmomente. Wie wär‘s mit einem Espresso am Gardasee?

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