Betriebe suchen händeringend Nachwuchs: Ausbildungspolitischer Dialog in Buchbach

Seit mehr als 20 Jahrenist Franziska Bauer Mitglied beim BDS und engagiert sich unter anderem aktiv für die Ausbildung. „Es ist einewunderschöne Aufgabe, die Jugendlichen zu begleiten“, sagt sie. Grund genug für den BDS-Ortsvorsitzenden Manfred Kroha (links) und den BDS-Verbandssprecher Thomas Perzl (rechts), der Vorzeigeunternehmerin die Ehrennadel des BDS in Silber zu überreichen. Mit ihr freut sich ihr Ehemann Franz Bauer. Schwarz
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Seit mehr als 20 Jahrenist Franziska Bauer Mitglied beim BDS und engagiert sich unter anderem aktiv für die Ausbildung. „Es ist einewunderschöne Aufgabe, die Jugendlichen zu begleiten“, sagt sie. Grund genug für den BDS-Ortsvorsitzenden Manfred Kroha (links) und den BDS-Verbandssprecher Thomas Perzl (rechts), der Vorzeigeunternehmerin die Ehrennadel des BDS in Silber zu überreichen. Mit ihr freut sich ihr Ehemann Franz Bauer. Schwarz

Früher haben Jugendliche händeringend nach einer Ausbildungsstelle gesucht – heute suchen Betriebe händeringend nach Auszubildenden. Doch wie gehen die Betriebe mit dieser Situation um? Wie schaut es im Landkreis aus? Was kann man machen, um den Arbeitsmarkt für Jugendliche attraktiver zu machen?

Buchbach – Das waren Fragen, die beim „Ausbildungspolitischen Dialog“ diskutiert wurden. Organisiert hatte diese Diskussionsrunde der Ortsverband des Bundes der Selbstständigen (BDS) in den Räumen der Firma Elektro Bauer.

Duale Ausbildung ein großes Plus

Dabei wollte man eigentlich mit Franz-Josef Pschierer, dem ehemaligen Wirtschaftsminister und aktuellen Landesvorsitzenden der Mittelstandsunion, diskutieren. Da dieser krankheitsbedingt ausfiel, sprang kurzfristig Dr. Marcel Huber ein, der als ehemaliger Kultusstaatssekretär aber ein mehr als adäquater Ersatz war, wie der Moderator des Abends, Thomas Perzl, Verbandssprecher des Bundes der Selbstständigen, betonte. Mit ihm teilten sich das Podium: Jürgen Brunner, Ausbildungsleiter bei der Firma Bauer Elektroanlagen, Salih Akyildiz, Geschäftsführer bei der Firma Bauer, und der Leiter des Beruflichen Schulzentrums Mühldorf, Max Heimerl. +++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!+++

Einig waren sich die Teilnehmer, dass die duale Ausbildung – Ausbildungsstelle in einem Betrieb und Berufsschule – ein großes Plus Deutschlands ist und „wir von vielen Ländern darum beneidet werden“, so Marcel Huber. Mittlerweile ist auch das bayerische Schulsystem deutlich durchlässiger geworden, sodass auch Schüler ans Ziel kommen, die keine geradlinige Schullaufbahn haben.

Berufsausbildung ist nichts Schlechtes

Dabei sagte Perzl, dass auch in Bayern viele Betriebe immense Probleme haben, offene Lehrstellen zu besetzen. Hier appellierten Huber und Max Heimerl übereinstimmend an die Eltern, Abitur und Studium nicht über alles zu stellen. „Wir müssen es in die Köpfe der Eltern bringen, dass eine Berufsausbildung nichts Schlechtes ist“, so Heimerl. Er zeigte gleichzeitig auf, das Jugendliche mittlerweile auf der Schiene – Berufsausbildung, Meister oder Techniker – auch den Weg ins Studium finden können. Hier warf allerdings Jürgen Brunner die Frage auf, ob jeder die Perspektive „Bachelor“ bekommen muss. „Wir brauchen auch jemanden, der einen Draht biegen kann“.

Gleichzeitig ermunterte er alle Handwerksbetriebe, „stolz auf ihr Handwerk zu sein und es auch nach außen zu dokumentieren“. Hier sieht er durchaus Nachholbedarf. Er wurde dabei von einer Zuhörerin unterstützt, die an alle die Frage stellte, ob sie auch selbst an die Gleichwertigkeit von Studium und Berufsausbildung glauben.

Es gibt Verbesserungsbedarf

Salih Akyildiz gab zu bedenken, dass die duale Ausbildung und das duale Studium verbesserungswürdig seien. Hier brauche es Reformen, um die Ausbildung an die heutige Zeit anzupassen. „Nicht mehr alle Zahnräder greifen ineinander“, so der Bauer-Geschäftsführer. Unterstützung bekam er von Michael Baumann, Geschäftsführer der Firma LC Tech. Er bemängelte, dass Englisch- und PC-Kenntnisse bei Berufsschülern „häufig erschreckend sind“. Dazu sagte Max Heimerl, dass man in der Berufschule beginne, nicht mehr nur Daten und Fakten zu vermitteln, sondern kompetenzorientiert arbeite. Hier fügte Petra Schottenloher an, dass die BDS-Azubiakademie Workshops anbiete, die Auszubildende in ihrer Persönlichkeit weiterbringen.

Thomas Lechner sprach ein Problem an, das kleine Betriebe haben. Sie können sich weder personell noch finanziell bei der Suche nach neuen Auszubildenden so präsentieren wie große Unternehmen. Er regte eine Art Plattform auf Gemeindeebene an, wo man beispielsweise bei einem Ausbildungsabend Kontakte mit Jugendlichen knüpfen kann. Das griff Manfred Kroha, der anregte, die Gemeinde hier mit ins Boot zu holen, um eine gute Zusammenarbeit wischen Schule, Gemeinde, Unternehmen und Verband auf den Weg zu bringen.

ÖPNV als Hemmschuh

Das brachte die Diskussionsrunde auf ein anderes Problemfeld: den ÖPNV im Landkreis. Wie kann ein 15-jähriger Azubi ohne Mamataxi zu seiner Ausbildungsstelle kommen. Das ist eine Fragestellung, die noch nicht überall befriedigend gelöst ist. Zwar wurde auf das ÖPNV-Konzept des Landkreises verwiesen, das aber erst noch kommen wird. Hier wurden neben Haupt- und Nebenachsen durch Busse flexible Angebote wie Ruftaxis, Flexbusse oder Ähnliches angeregt und zudem darauf verwiesen, dass das Ganze landkreisübergreifend funktionieren muss.

In ihren Schlussworten betonten Jürgen Brunner, Max Heimerl und Salih Akyildiz, wie wichtig der gegenseitige Austausch ist. „So etwas wie heute sollten wir öfter machen“. Dr. Marcel Huber sieht eine große Bandbreite bei den Azubis, vom Schaufler bis zum abstrakten Denker; und „wir brauchen alle“.

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