Begrenzte Zuschauerzahl vertretbar: Mühldorfer Landrat stellt sich hinter Amateurfußballclubs

Wollen endlich wieder vor Zuschauern spielen und nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter nur Freundschaftsspiele austragen: Buchbachs Kapitän Aleks Petrovic und Torjäger Karl-Heinz Lappe.
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Wollen endlich wieder vor Zuschauern spielen und nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter nur Freundschaftsspiele austragen: Buchbachs Kapitän Aleks Petrovic und Torjäger Karl-Heinz Lappe.

In einem Brief an die Staatskanzlei unterstützt der Mühldorfer Landrat das Anliegen heimischer Amateurfußballclubs, wieder Zuschauer bei den Spielen zuzulassen. Aus Sicht vieler Funktionäre ist das eine existenzielle Frage für den Vereinsfußball. Doch es gibt auch im Sport Stimmen, vorsichtig zu bleiben.

von Michael Buchholz, Markus Honervogt und Hans Grundner

Mühldorf– Robert Salzberger schaut neidisch nach Baden-Württemberg, in die Schweiz, nach Österreich. Überall dort, sagt der Präsident des FC Mühldorf, dürften große und kleine Amateurfußballer schon lange wieder in Punktspielen gegeneinander antreten. Nur in Bayern nicht.

Training ja, Freundschaftsspiele ja, Wettkampf nein. „Das erschließt sich mir nicht“, sagt er stellvertretend für viele Kollegen. „Mir fehlen die rationalen Gründe, warum wir keine Punktspiele durchführen und keine 200 Zuschauer im Freien zulassen können.“ Georg Hanslmaier, Sportlicher Leiter beim TSV Buchbach, bläst in der aktuellen Diskussion um den Re-Start im bayerischen Amateur-Fußball in das selbe Horn: „Ohne Zuschauer können wir nicht spielen.“

Landrat schreibt an Staatskanzlei

Unterstützung bekommen die heimischen Vereinsfunktionäre jetzt von Landrat Max Heimerl. In einem Schreiben an Staatsminister Florian Herrmann bittet Heimerl um eine erneute Prüfung, ob eine Freigabe einer begrenzten Anzahl von Zuschauern bei Amateurspielen unter Berücksichtigung der Abstands- und Hygieneregeln nicht doch zu verantworten wäre.

Der Mühldorfer Landrat, der von mehreren Fußballvereinen im Landkreis mit der Problematik konfrontiert wurde, äußert Verständnis für die Clubs. „Auch ich halte eine Zulassung einer begrenzten Zahl von Zuschauern bei Amateurspielen im Freien für vertretbar. Natürlich müssen wir dies unter dem Gesichtspunkt der aktuellen Infektionszahlen laufend neu bewerten“, so Heimerl wörtlich in seinem Brief an die Staatskanzlei. Er halte es für nachvollziehbar, so der Landrat, dass die Vertreter des Sports eine Gleichbehandlung zu kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen einfordern. Sein Vorstoß sei auch mit dem Gesundheitsamt abgestimmt, so Heimerl auf Anfrage der Heimatzeitung.

Es geht auch um Zuschauereinnahmen

Bislang ist eine Änderung in Bayern vom Jugendbereich, von den C-Klassen bis hinauf in die Regionalliga nicht abzusehen. Bis 18. September gilt das Spielverbot der Staatsregierung. Dabei drängt die Zeit, denn in nur wenigen Wochen ist Winterpause.

„Ich finde es gut, dass sich unser Landrat für uns Vereine einsetzt“, kommentiert Georg Hanslmaier Heimerls Schreiben. Weit weniger abhängig von den Fan-Einnahmen als der TSV Buchbach, der ja als Zuschauerkrösus in der Regionalliga Bayern gilt, ist Landesligist TSV Ampfing, aber auch Adrian Malec, der Sportliche Leiter der Schweppermänner, macht klar: „Wir wollen nicht ohne Zuschauer spielen.“

Kein Publikum – keine Sponsoring?

Sollte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden, ohne dass Zuschauer zugelassen sind, befürchtet Malec große Schwierigkeiten: „Was machen wir denn mit den Zuschauern, die dann trotzdem kommen?“

Probleme dürfte es ohne Zuschauer auch mit den Sponsoren und Gönnern der Vereine geben: Eine Stadionzeitung ohne Zuschauer mache ja keinen Sinn. Auch die Bandenwerbung diene dann allenfalls als Spielfeldumrandung.

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Abgesehen von der fehlenden Atmosphäre, die Spiele ohne Zuschauer, zu einem Sportereignis ohne Emotionen rund um den Platz machen würden, sind die Zuschauereinnahmen für die meisten Vereine unabdingbar, um zu überleben.

„Da geht es um die Existenz der Vereine, die ja laufende Kosten zu tragen haben. Das können die meisten Vereine nur über die Ticketeinnahmen und das Catering stemmen“, sagt Hanlmaier. „Auch wenn viele kleine Vereine nicht so viele Zuschauer haben, sind für sie die Zuschauereinnahmen elementar. Und wenn von dem Geld nur der Schiedsrichter bezahlt werden kann, ist das ja auch schon ein wichtiger Faktor.“

Vereine wollen endlich Klarheit

Der TSV Buchbach will jetzt in erster Linie Klarheit haben: „Wir müssen endlich mal wissen, was Sache ist. Wenn immer wieder alles um 14 Tage verschoben wird, dann kann man irgendwann die Spannung nicht mehr aufrechterhalten“, so Hanslmaier. Seine Befürchtung: „Wir müssen jetzt zum Spielen kommen, denn wenn es in diesem Jahr nicht mehr klappt, und sei es mit einer begrenzten Anzahl an Zuschauern, dann werden das viele Vereine bis nächstes Jahr nicht überleben. Ganz davon abgesehen, dass dem Fußball viele Kinder und Jugendliche und damit die Zukunft verloren gehen.“

VfL-Geschäftsführer: Lieber noch warten

Doch es gibt auch andere Stimmen im heimischen Sport. Darum, dass die Kinder und Jugendlichen am Ball und dem Sport erhalten bleiben, sorgt sich auch Hubert Kamrad. Der Geschäftsführer des VfL Waldkraiburg, in dem neben Fußball rund 20 Sparten organisiert sind: „Ich verstehe die Fußballer. Jeder Sportler hat gern Kulisse.“ Die Zuschauereinnahmen sind aus seiner Sicht beim Gros der Vereine aber nicht das entscheidende Argument. Er macht sich in Sachen Finanzen eher Sorgen, dass sich Sponsoren wegen der Auswirkungen von Corona zurückhalten. Und Kamrad stellt sich hinter die geltenden Einschränkungen: „Mit der Öffnung für Zuschauer würde ich noch ein bisschen warten. Ich bin bei Corona vorsichtig. Da bevorzuge ich die Söder-Linie.“ Es solle zuerst die Entwicklung an den Schulen und Kitas abgewartet werden, „bevor wir Zuschauer im Amateurfußball fordern“.

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