BBV-Kreisobmann Niederschweiberer im Interview: Was die Bauern ärgert

BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer (rechts), hier gemeinsam mit Dr. Bernhard Hübner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Töging, sieht die Landwirte vor großen Herausforderungen. Bauer
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Die heimischen Landwirte mutieren zu Wutbauern, die mit ihren Traktoren ganze Städte lahmlegen. Denn: Sie fühlen sich von der restlichen Gesellschaft und der Politik an den Pranger gestellt. Im Interview gibt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Ulrich Niederschweiberer, einen Einblick, was die Landwirte dieser Tage umtreibt.

Mühldorf –  Den Landkreis Mühldorf prägt bis heute eine bäuerliche Grundstruktur, die in den Dörfern und Weilern noch sichtbar ist. 1939 landwirtschaftliche Betriebe listet das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für den Landkreis Mühdorf auf. Die heimischen Landwirte mutieren zu Wutbauern, die mit ihren Traktoren ganze Städte lahmlegen. Denn: Sie fühlen sich von der restlichen Gesellschaft und der Politik an den Pranger gestellt – als Umweltverschmutzer, Tierquäler, Grundwasser-Verseucher sowie Bienen- und Insektenmörder. Im Interview gibt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Ulrich Niederschweiberer, einen Einblick, was die Landwirte dieser Tage umtreibt.

Wie beurteilen Sie die Vorwürfe und Vorschläge, die Sie und Ihre Kollgen derzeit erhalten?

Niederschweiberer: Diese Vorschläge kommen aus Sicht von uns Bauern von Menschen, die keine Ahnung von der Bauernarbeit haben, die noch nie einen Hof bewirtschaften mussten. Städter, Grüne und Ökoaktivisten geben Ratschläge und schreiben den Bauern vor, wie sie wirtschaften sollen. Keiner lässt sich gern in seinen Beruf reinreden, von jemanden der davon keine Ahnung hat. Dazu kommt, dass mit den Preisen, die die Bauern bekommen, kein Betrieb auskommen kann.

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Wie sehen Sie die Haltung des Lebensmittel-Einzelhandels in der Preisfrage?

Niederschweiberer: In der ganzen Diskussion halten sich die Lebensmitteleinzelhändler wie Aldi, Penny, Lidl oder Edeka im Hintergrund. Sie gehören aber in die Mitte der Diskussion. Es kann uns Bauern keiner widersprechen, wenn wir herausstellen, dass die billigsten Lebensmittelpreise in Europa in Deutschland beheimatet sind. Wenn die Verbraucher in Deutschland nach der billigsten Milch und dem günstigsten Schnitzel greifen, kann das auf Dauer für uns Landwirte nicht funktionieren.

Viele gesellschaftliche Bereiche sind im Wandel. Der macht auch vor den Bauern nicht Halt. Fühlen Sie sich dafür gerüstet?

Niederschweiberer: Wir Bauern machen auch einen Prozess von Veränderungen durch. Der Landwirt von heute soll die Umwelt, das Tierwohl und die Nachhaltigkeit sowie das Bestehen am Weltmarkt mit deutschen Preisen meistern. Eine Aufgabe an der viele andere auch scheitern würden.

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In die Diskussion sind auch die Zuschüsse an die Landwirte gekommen. Wie stehen Sie zur Bauernmilliarde?

Niederschweiberer:Die „Bauernmilliarde“ sorgte auch bei mir für Ärger. Wir haben kein Geld gefordert. Kein Landwirt wird sich über das Geld freuen. Wir wollen eine fachliche korrekte, sachbezogene und umsetzbare Politik.

Wir brauchen einen Systemwechsel, nach dem unsere Produkte einen fairen Preis am Markt erzielen, unabhängig von der Bewirtschaftungsart. Nur so würden wir als Berufsstand in der Gesellschaft wieder geachtet und akzeptiert werden für die Leistungen, die wir erbringen.

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Wie sehen Sie die Bemühungen im Landkreis Mühldorf zu gemeinsamen Lösungen?

Niederschweiberer: Der Landkreis Mühldorf hat mit der Übernahme der Modellregion Isental einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Der runde Tisch im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit Bauern und den Vertretern der Verbände ist sicher auch ein Schritt zu mehr Verständnis untereinander.

Unser neuer Vorschlag, Blühflächen auf die Dauer von fünf Jahren den Bürgerinnen und Bürgern anzubieten zeigt, dass die heimischen Bauern schon auf dem richtigen Weg sind. Leider nehmen die Bevölkerung und die Firmen dieses Angebot, gemeinsam für mehr Blühflächen zu sorgen, nicht an. Es ist kein leichter Weg für die heimischen Landwirte. Sie haben große Herausforderungen zu bewältigen.

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