Thema Tierwohl: Bauern in Mühldorf und Altötting haben Verbesserungsvorschläge satt

Kälber auf Weide
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Kälber auf Weide

Die Fachtagung zum Thema Tierwohl im Reiterhof Teising zeigte auf der einen Seite, welche Methoden Landwirte anwenden, um das Wohlergehen von Tieren zu sichern. Auf der anderen Seite wurde aber auch klar, dass sie der anhaltenden Kritik an ihrer Arbeit und der schlechten Bezahlung überdrüssig sind.

Teising– Rund 50 Landwirte aus der Region waren bei der Fachtagung zum Thema Tierwohl im Teisinger Reiterhof dabei. Dabei stellte Landwirt Hans Schwimmer aus St. Wolfgang den Kollegen seinen neuen Kälberstall vor, für den er 2018 von der Staatsregierung mit dem Tierwohlpreis ausgezeichnet worden war. Haltungsberater Anton Huber von der Töginger Außenstelle des Landeskuratoriums der Nutztierzüchter (LKV) erläuterte den Teilnehmer, wie man die Tiere Sommer vor „Hitzestress“ bewahren kann. Ulla Scheibke vom Fachzentrum für Rindermast in Erding wies darauf hin, dass die Verbesserung des Tierwohls keineswegs nur die Rinderzüchter beträfe, sondern dass das Thema auch von anderen Fleischerzeugern ernst genommen werde.

Nicht genügend Geld für die Tiere

Wie die Proteste der Landwirte in Berlin zeigen, haben die Bauern die Verbesserungsvorschläge satt. Die Realität sehe nämlich so aus, dass der Landwirt für seine Tiere kaum mehr genügend Geld bekommt, um kostendeckend arbeiten zu können. Andererseits seien Haltungsbedingungen vorgeschrieben, die oft nur mit großen Investitionen herzustellen sind, wie Landwirt Hans Schwimmer bekräftigte. „Das ist ja schön und gut, aber was hat denn das Ganze gekostet?“, fragte ein Zuhörer den prämierten Landwirt.

Mit großer Aufmerksamkeit widmeten sich die Rinderzüchter im Teisinger Reiterhof dem Tierwohl. Eine Verbesserung ginge oft auch mit angenehmeren Arbeitsbedingungen der Landwirte einher, was der Konsument aber nicht bezahlen will. Becker

Schwimmer räumt ein, dass es in seinem Fall möglicherweise wegen Umbauten am Untergrund noch teurer wurde, jedoch sind die 200 000 Euro, die er als Hausmarke nennt, sicherlich nicht durch die 5000 Euro vom Tierwohlpreis abbezahlt.

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Dafür ist in St. Wolfgang aber „der Traum eines jeden Kalbes und natürlich auch der des Landwirts selbst“ Wirklichkeit geworden: eine einseitig vertikal zu öffnende Halle, deren Dachschräge so gewählt ist, dass sie den Tieren im Sommer Schatten spendet, im Winter hingegen ein windgeschütztes Sonnenbad ermöglicht.

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Damit die Ammoniakgase, die schwerer als Luft sind, automatisch aus dem Gebäude sinken, verfügt der Boden der 40 mal zwölf  Meter großen Halle über ein Gefälle von einem Prozent. „Seit wir noch eine aktive Belüftung nachgerüstet haben, gibt es da überhaupt keine Probleme mehr“, erklärt Schwimmer. Dass das Thema Frischluft oft schwierig ist, macht auch Haltungsberater Anton Huber in seinem Vortrag klar. Das für Mensch und Tier schädliche Reizgas staue sich besonders bei großer Hitze oder Kälte, wenn die Bauern zum Wohl der Tiere die Stalltüren geschlossen halten. Ein Dilemma, das nicht leicht gelöst werden kann, doch „nicht jedes hustende Tier hat eine Infektion“, erklärt Huber. Dass jedoch so ein tagheller Stall auch für den Landwirt einen besseren Arbeitsplatz darstellt, schildert Schwimmer eindrücklich.

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Für die besonders schutzbedürftigen Kälber gibt es kein Patentrezept, wie Ulla Scheibke vom Fachzentrum für Rinderhaltung in Erding einräumt. So hätten Rinderzüchter, die nicht mal eben einen mittleren sechsstelligen Betrag aus dem Ärmel schütteln, immerhin die für die Tiere akzeptable Möglichkeit der „Kälber-Iglus“. Diese Plastikhütten gibt es in verschiedenen Größen und Varianten und sie können im Freien aufgestellt werden, damit das Tier immer Frischluft hat. „Doch ein einfaches Blechdach ist da im Sommer kein guter Hitzeschutz“, warnt Anton Huber.

Thema Frischluft ist oft schwierig

Da diese Iglus darüber hinaus nicht einfach zu reinigen sind, setzen die Landwirte nach Möglichkeit auf neue Stallformen wie den „Holsteiner Kälberstall“. Aufbau und Funktionsweise ähneln dabei dem Vorzeigeprojekt aus St. Wolfgang, wobei die Dachkonstruktion hierzulande komplexer ausfällt: die Sonne steht in Norddeutschland rund fünf Grad flacher am Himmel.

Dass sich jedenfalls die Rinderzüchter in der Region für das Thema Tierwohl interessieren, betonte Claudia Mühlhauser vom AELF in Töging. „Heute sind es etwas weniger, wahrscheinlich wegen der Demonstrationen in Berlin“, räumt die Organisatorin der Fachtagung ein.

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