Auto verkauft, aber nicht herausgerückt

Mühldorf. – Wegen Betrugs hätte sich ein Rumäne (36) aus der Kreisstadt vor Richter Florian Greifenstein verantworten müssen – allein, er erschien nicht zum Verhandlungstermin im Mühldorfer Amtsgericht.

Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt, Zeuge, Dolmetscherin, Pressevertreter – alle waren da, nur der Angeklagte glänzte – unentschuldigt – durch Abwesenheit.

Die Staatsanwältin aus Traunstein warf dem Taxifahrer vor, über ein Internetportal einen Van der Marke Opel verkauft zu haben. Er habe dabei den vereinbarten Betrag von 550 Euro einkassiert, sei es aber schuldig geblieben, dem Käufer das Auto auszuhändigen.

Der Rechtsanwalt des Angeklagten, Michael Graf, konnte zum Verbleib seines Mandanten keine genauen Angaben machen. Er wusste nur, dass diesem kurz vor Abschluss der Transaktion Handy und Geldbörse gestohlen worden waren, weshalb sein Mandant zu dem Geschädigten keinen weiteren Kontakt aufnehmen konnte, ihm nicht mitteilen konnte, wo der Wagen abzuholen wäre.

Dieser war, aus München kommend, als Zeuge vor Gericht erschienen. Der 32-jährige Kfz-Mechaniker kroatischer Herkunft sagte aus, dass er die Kleinanzeige im Internet gelesen habe. Nach Kontaktierung des Verkäufers bekam er dessen Bankverbindung, überwies ihm die Kaufsumme von 550 Euro, hörte aber die nächsten drei Wochen nichts mehr von diesem und kam demzufolge auch nicht zu seinem gekauften Auto. So ging er in München zur Polizei und erstattete Anzeige.

Kurz darauf bekam er eine Textnachricht des Verkäufers, zwar sei das Geld an ihn überwiesen worden, er wolle aber das Fahrzeug jetzt nicht mehr verkaufen. Der Kfz-Mechaniker schaltete einen Rechtsanwalt ein.

Er versicherte glaubhaft vor Richter Greifenstein: „Die Summe ist mir nicht so wichtig. Vielleicht bin ich aber schon der Hundertste, dem dasselbe passiert.“

„Offensichtlichein Schlamper!“

Die Staatsanwältin musste in ihrem Plädoyer einräumen, dass ein Betrugsvorsatz nicht nachweisbar war. Der Angeklagte habe dem Geschädigten mitgeteilt, dass er von dem Verkauf des Opels zurücktreten wolle und dieser sich sein Geld mittels Bank zurückholen solle, was natürlich nicht mehr möglich war. So musste sie auf Freispruch plädieren.

Michael Graf als Rechtsanwalt des Angeklagten fasste sich in seinem Plädoyer kurz und schloss sich den Ausführungen der Staatsanwältin an, plädierte ergo ebenfalls auf Freispruch.

So war es also keine größere Überraschung, dass Richter Florian Greifenstein letzten Endes auf Freispruch entschied. Allerdings falle es ihm schon schwer, einen „solchen Menschen in Absenz freizusprechen“. Dieser sei „offensichtlich ein Schlamper“, dem nicht nachgewiesen werden konnte, dass er das Geld einstreiche und das Auto nicht he rausrücke. Die Kosten des Verfahrens bezahlt die Staatskasse.

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