Ausgehüpft? Genervte Nachbarn stoppen Hüpfspaß auf der Trampolinanlage in Waldkraiburg

Ein Sommer ohne Trampolin – das ist für viele Kinder und Jugendliche in Waldkraiburg undenkbar, aber heuer bittere Realität. Seit Anfang August ist die Anlage am Minigolfplatz für sie tabu. Inhaber Gerhard Zeiller (links) und Geschäftsführer Mike Mödl (Mitte) dürfen die jungen Leute nicht mehr hüpfen lassen. Ein Nachbar hatte sich über Lärm beschwert. Daraufhin hat die Stadt die Nutzung der Anlage, die nicht genehmigt war, untersagt. Grundner
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Ein Sommer ohne Trampolin – das ist für viele Kinder und Jugendliche in Waldkraiburg undenkbar, aber heuer bittere Realität. Seit Anfang August ist die Anlage am Minigolfplatz für sie tabu. Inhaber Gerhard Zeiller (links) und Geschäftsführer Mike Mödl (Mitte) dürfen die jungen Leute nicht mehr hüpfen lassen. Ein Nachbar hatte sich über Lärm beschwert. Daraufhin hat die Stadt die Nutzung der Anlage, die nicht genehmigt war, untersagt. Grundner
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Ist die Trampolinanlage auf dem Minigolfplatz in Waldkraiburg-Süd noch zu retten? Oder hat es sich für immer ausgehüpft? Diese Fragen treiben viele Kinder und Jugendliche in Waldkraiburg um, seitdem die Stadt die Nutzung der beliebten Freizeitanlage untersagt hat, nachdem sich ein Nachbar wegen Lärmbelästigung beschwert hatte.

Waldkraiburg – Daniel Richter ist mächtig enttäuscht. „Ich find’s wirklich doof, dass das Trampolin zu ist. Ich hab sonst keinen Sport“, sagt der 16-Jährige, der fast täglich kommt. Und weil er mit seiner Begeisterung fürs Trampolinspringen nicht allein ist, hat er mit seinem Kumpel Julian Hamann (16) mühelos rund 25 Kinder und Jugendliche zum Ortstermin mit der Zeitung zusammengetrommelt.

Jugendliche kämpfen um ihren Freizeitspaß

Ihr gemeinsames Anliegen: Das Trampolin muss wieder aufmachen. Einen Sommer ohne Hüpfen können sie sich gar nicht vorstellen. Das wollen sie auch dem Bürgermeister sagen, der sie im September im Rathaus empfängt.

Bereits einige Tage davor hat Gerhard Zeiller einen Termin bei Robert Pötzsch. Zeiller betreibt die Anlage samt Minigolfplatz, Boule-Platz, Kiosk und dazugehörigem Gastraum.

Nie genehmigt: Trampolin ist ein Schwarzbau

Zeitgleich mit dem Bau der benachbarten Squashanlage wurde vor 38 Jahren der Minigolfplatz angelegt. Vor etwa 15 Jahren kam dann das Trampolin dazu, das sich für die Kinder zum Herzstück entwickelt hat und vor zwei Jahren auf eine Sechser-Anlage erweitert wurde. Um 14 geht da der Betrieb los und dauert nicht selten bis in den Abend. Allein 20 bis 30 Kindergeburtstage führt Zeiller auf das Trampolin zurück. Schulen kommen, das Haus Sudetenland. Und natürlich ist, beziehungsweise war das Trampolin auch eine Attraktion im städtischen Ferienprogramm. Rund 3.000 Kinder zahlen Jahr für Jahr zwischen April und Oktober Eintritt für das Hüpfgerät, das nie genehmigt wurde.

Immissionsschutzbehörde sieht Anlage sehr kritisch

Das hat dem Betreiber die städtische Bauaufsicht nach einer Kontrolle mitgeteilt. Auslöser war eine Beschwerde aus der Nachbarschaft wegen Lärmbelästigung. Die Anlage, die ortsfest und dauerhaft betrieben werde, dient nicht dem genehmigten Zweck des Minigolfplatzes. Es hätte also einen Bauantrag fürs Trampolin gebraucht, ließ ihn die Stadt in einem Schreiben am 30. Juli wissen. „Dass es dafür einen Antrag braucht, wussten wir nicht“, sagt Zeiller.

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Schneller als das Landratsamt erlaubt

Schallschutz

Während er auf Anforderung der Stadt hin einen nachträglichen Antrag auf Genehmigung vorbereitete, kam es noch dicker: Die Verwaltung untersagte die Nutzung der Anlage. Und teilt auf der Grundlage einer Stellungnahme aus dem Fachbereich Technischer Immissionsschutz im Landratsamt Mühldorf mit: Wegen der Emmissionen, die von der Trampolinanalge ausgehen, sieht es schlecht aus für die nachträgliche Genehmigungsfähigkeit.

Einzige Chance: Schalltechnisches Gutachten

Diese Einschätzung bestätigt das Landratsamt auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen und verweist auf vergleichbare Fälle. Für eine offizielle Prüfung und eine verbindliche Aussage brauche es ein schalltechnisches Gutachten.

Daniel Richter (links) und Julian Hamann sind seit Jahren Stammgäste auf dem Trampolin und haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sie wieder hüpfen dürfen.

Das Gutachten sei die einzige Chance, sagt Carsten Schwunck, der Leiter des städtischen Bauamts. Große Hoffnungen macht er den Trampolin-Fans nicht. „Vielleicht gelingt es einem Gutachter, Wege aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen und Einschränkungen ein Betrieb doch möglich wäre.“ Die Frage sei aber auch, ob Inhaber oder Betreiber dafür Geld in die Hand nehmen wollen.

Betreiber ärgert sich über Androhung eines Zwangsgelds

Gerhard Zeiller, der sich darüber aufregt, dass die Stadt in ihrem Schreiben ein Zwangsgeld von 5.000 Euro androht, falls er der Nutzungsuntersagung nicht nachkomme, fürchtet hohe Gutachterkosten im vierstelligen Bereich. Sie stünden in keinem Verhältnis zum Umsatz.

Stadträtin Partsch hofft noch immer auf Kompromiss mit Nachbarschaft

Stadträtin Lydia Partsch (UWG), die mit ihren Töchtern regelmäßig auf der Anlage ist, glaubt, dasss Sponsoren das Gutachten möglich machen könnten. Sie hofft durch eine Reduzierung der Öffnungszeiten einen Kompromiss mit der Nachbarschaft zu finden. Aus Sicht von Partsch, die eine Grundschule in Waldkraiburg leitet, wär‘s jammerschade um die Anlage. „Die Kinder toben sich aus, Trampolinspringen ist gut fürs Gleichgewicht.“ Aus sportlichen, sozialen und gesellschaftlichen Gründen sei die Anlage „unheimlich wertvoll für Waldkraiburg“. Und wohl eine der wenigen, „die von der Stadt bisher noch keinen Zuschuss wollten“.

Ohne Gutachten geht nichts

Sollte es durch einen nachträglichen Bauantrag zu einem Genehmigungsverfahren bei der Stadt kommen, würde das Landratsamt als zuständige Fachbehörde für Immissionsschutz mitbeteiligt. Die Behörde stellt klar: Für die immissionsschutzrechtliche Prüfung müsse ein entsprechendes schalltechnisches Gutachten durch den Bauherrn vorgelegt werden. „Darin ist darzustellen, ob und unter welchen Umständen, zum Beispiel eingeschränkter Betrieb der Anlage (Zeit, Zahl der Kinder?) die zulässigen Immissionsrichtwerte in der Nachbarschaft bei der Realisierung des Vorhabens eingehalten werden können.

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