Aufhebung der Sargpflicht – Pfarrer sagt Ja, Bürgermeister sagt Nein

„Weitgehenst helfen“:Mühldorfs Pfarrer Roland Haimerl will Muslimen bei Beerdigungen entgegen kommen. Honervogt
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„Weitgehenst helfen“:Mühldorfs Pfarrer Roland Haimerl will Muslimen bei Beerdigungen entgegen kommen. Honervogt

Der Freistaat will die Sargpflicht aufheben. Damit soll vor allem Muslimen die Möglichkeit gegeben werden, sich ihren Riten entsprechend bestatten zu lassen. Die Umsetzung liegt in den Händen der jeweiligen Friedhofsbetreibern. Ein Umfrage im Landkreis Mühldorf.

Mühldorf –  Bislang spielt die Bestattung von Muslimen in der Region eine eher untergeordnete Rolle. In Mühldorf und Waldkraiburg gibt es lediglich 17 Gräber auf den Teilen des Friedhofs, die gen Mekka gerichtet sind. Das könnte sich mit der Aufhebung der Sargpflicht ändern, wie sie jetzt die Staatsregierung beschlossen hat.

Mühldorf

In Mühldorf wird eine sarglose Bestattung künftig möglich sein, sagt Bürgermeisterin Marianne Zollner. „Wenn sich die gesetzlichen Vorgaben ändern, wollen wir uns dem Wunsch nach sarglosen Bestattungen natürlich nicht verschließen.“ Das könnte vor allem auf dem Nordfriedhof ein Thema werden. Dort gibt es seit einigen Jahren ein muslimisches Gräberfeld, auf dem Muslime – derzeit im Sarg – bestattet werden können. Im Moment gibt es dort zwei Grabstellen.

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Für die beiden kirchlichen Friedhöfe ist keine grundsätzliche Regelung in Sicht. Mühldorfs Stadtpfarrer Roland Haimerl betont, dass es bislang keine Erfahrungen mit jüdischen oder muslimischen Bestattungen gebe. Das liegt nach seiner Einschätzung daran, dass sich die derzeitige Generation von Muslimen in ihren Herkunftsländern bestatten ließe.

Haimerl erinnert sich lediglich an einen Fall aus seiner Pfarrerszeit in Ampfing, als in Rattenkirchen eine muslimische Familie ihren Toten auf dem kirchlichen Friedhof habe bestatten wollen. „Die waren integriert, die wollten das Grab dort besuchen.“ Ein muslimischer Geistlicher habe bei der Beerdigung auf dem kirchlichen Friedhof die Gebete gesprochen.

Eine „unideologische Lösung“ kann sich Haimerl auch für die kirchlichen Friedhöfe in Mühldorf vorstellen. „Wir wollen Menschen anderen Glaubens weitgehendst Hilfe angedeihen lassen. Vor allem im Todesfall.“

Neumarkt-St. Veit

In der Verwaltungsgemeinschaft Neumarkt-St. Veit mit seinen Mitgliedsgemeinden Egglkofen und Neumarkt-St. Veit kann man sich nicht vorstellen, dass sich durch die Aufhebung der Sargpflicht etwas ändern wird. „Anfragen dazu hat es auch in der Vergangenheit nicht gegeben“, erklärt Neumarkt-St. Veits Bürgermeister Erwin Baumgartner dazu.

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Waldkraiburg

Und wie reagiert die Stadt mit dem größten Friedhof im Landkreis und der größten islamischen Gemeinschaft auf die Ankündigung des Landtags? Noch sei die Bestattungsverordnung nicht geändert, heißt es aus der Stadtverwaltung. Sobald nähere Einzelheiten bekannt seien, „werden wir uns natürlich intensiv damit beschäftigen“.

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Im städtischen Waldfriedhof gibt es bereits seit 2009 ein muslimisches Gräberfeld. Seitdem gab es laut städtischen Angaben dort 15 Beisetzungen. Die Mehrzahl der Muslime werde noch immer zur Bestattung in die Türkei geflogen, weiß Ahmet Baskent.

„Meine Mutter wollte auf jeden Fall dort bestattet sein, weil alle ihre Vorfahren dort bestattet sind. Das haben wir respektiert.“ Der Vorsitzende des Trägervereins der örtlichen Ditib-Moschee glaubt, dass sich kurzfristig an dieser Praxis auch nach einer Lockerung der Sargpflicht nur wenig verändern wird. Er selbst habe für sich noch keine Entscheidung getroffen. „Aber die Jüngeren denken ein bisschen anderes.“

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Die Lockerung der Sargpflicht erleichtert gläubigen Muslimen, sich in ihrer Heimatstadt Waldkraiburg bestatten zu lassen. Für Baskent ist vor allem dieses Signal wichtig, „die gute Geste, das Entgegenkommen des Staates, dass wir unsere Religion so ausüben können, wie wir das wollen“. je/hg/hon

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