Auf der Suche nach 700 verlorenen Steinen - Corona-Kette am Innkanal spurlos verschwunden

An dieser Stelle begann einst ihre Kette, die Spaziergänger auf über 700 Steine erweiterten. Jetzt ist sie weg: Lena, Christian und Mona Häusler mit ihrem Freund Leon Hauke (von links).  Petzi
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An dieser Stelle begann einst ihre Kette, die Spaziergänger auf über 700 Steine erweiterten. Jetzt ist sie weg: Lena, Christian und Mona Häusler mit ihrem Freund Leon Hauke (von links). Petzi

Die Steinkette am Innkanal in Mühldorf war eine der ersten im Landkreis. Auf über 700 Steine wuchs sie und begleitete Spazieränger über viele Meter mit bunten Bildern und Basteleien. Seit einiger Zeit ist sie spurlos verschwunden. Eine Spurensuche

Mühldorf – Plötzliche sind al die bunten Steine weg, die Kinder und Erwachsene bemalt und während in der Coronszeit entlang des Innkanals abgelegt hatten. Christian Häuslers zwei kleine Töchter Lena (11) und Mona (5) haben zuerst Alarm geschlagen und den Mühldorfer, der zusammen mit seiner Frau und seinen insgesamt vier Kindern nur ein paar Meter weit entfernt auf der anderen Seite des Kanals wohnt, vor die Türe gescheucht. Die meterlange Kette bunter Steine hinter der Innbrücke im Leitenfeld ist über Nacht verschwunden.

Die Kinder sind traurig

„Ich fand es schade. Aber die Kinder waren wirklich sehr traurig“, erzählt der elernte Schreiner, der zusammen mit Lena, ihrem Schulfreund Leon sowie der aufgeweckten Mona am Kanals entlang schlendert. Auf der Suche nach den verlorenen Steinen finden die Kinder den einen oder anderen im Feld daneben.

Was aus den vielen bunten Steinen geworden ist, ist nicht bekannt. Der Energieerzeuger Verbund, dem der Innkanal und der Weg gehören, hat sie nach eigener Aussage nicht entfernt.

Vielleicht die Aufräumaktion eines Landwirts? Womöglich haben sich auch einige Jugendliche einen Spaß daraus gemacht, die Steine in den Inn-Kanal zu werfen. Ein paarmal habe er einen dabei erwischt, sagt Christian Häusler. „Was soll man da machen?“

Wasserwacht lobte Wettbewerb aus

Nach dem Bericht in der Heimatzeitung sei Christian nicht nur mehrmals auf seine „tolle Aktion“ angesprochen worden, sei es von der Kassiererin im Supermarkt, von Arbeitskollegen oder einfach nur auf der Straße; auch die DLRG Mühldorf hat reagiert und selbst einen Stein ‚ausgesetzt, diesen auf ihrer Facebookseite gepostet und einen Preis für denjenigen ausgelobt, der sagen konnte, wo denn der Stein genau liegt. Wer gewonnen hat? „Natürlich meine Mädels!“, lacht Christian, der sofort ein Foto an die DLRG geschickt hat. Einen Koffer voll mit Schwimmbrille, Schnorchel und anderen spannenden Dingen gab es dafür.

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Viel wichtiger war den Häuslers aber, dass es ihre Initiative war, durch die die Menschen während der Ausgangsbeschränkungen ein wenig enger zusammenrückten. „Es war schön, den Zusammenhalt der Familien zu erleben. Kinder, die mit ihren Eltern und Großeltern Steine anmalten und dazu legten.“

Rund 700 Steine waren es zuletzt, bevor die Kette ‚abriss‘. Steine mit vielen Botschaften darauf, oder bemalt mit Figuren und Mustern. Manche waren auch mit Glasperlen verziert. Kleine Kunstwerke!

Vielleicht gibt es eine neue Steinkette

Nach den ersten Lockerungen seien die Leute nicht mehr so zahlreich am Kanal spazieren gegangen, sondern eher ins Schwimmbad, vermutet Christian. Aber der Funke, der hat Feuer gefangen. Und das trägt sich immer weiter.

Denn auch wenn die Steinkette in Richtung Innkanalbrücke verschwunden ist, so wächst sie andernorts. „Ein paar hundert Meter hinter der Bahnbrücke in Richtung Töging habe ich zuletzt wieder ein paar Steine liegen sehen.“ Genau wie an vielen anderen Wegen im Landkreis.

Phänomen in der Corona-Zeit: Aus einem bunten Stein am Innkanal in Mühldorf werden hunderte

https://www.ovb-online.de/muehldorf/stein-anstosses-bunte-kette-innkanal-muehldorf-findet-corona-zeiten-viele-freunde-13731759.html

Mona und Lena Häusler mit DLRG Stein, der ihnen einen Koffer voll Schwimmausrüstung einbrachte.

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