TROTZ PANDEMIE ZUVERSICHTLICH

Aschau am Inn: Bürgermeister Weyrich zieht positive Bilanz seines erstes Amtsjahres

Christian Weyrich, Bürgermeister von Aschau am Inn
+
Seit Mai vergangenen Jahres ist Christian Weyrich als Bürgermeister im Amt. Kein einfaches Jahr, denn aufgrund der Corona-Pandemie wird die Gemeinde finanziell weniger Spielraum haben.
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
    schließen

Aschau am Inn – Mitten in der Corona-Pandemie hat Christian Weyrich (CSU) sein Amt als Bürgermeister angetreten. Kein einfacher Start und dennoch hat er im Gespräch mit der Heimatzeitung viel Positives aus der Gemeinde zu berichten.

2020 war nicht das beste Jahr, um das Bürgermeisteramt anzutreten. Was lief trotzdem gut?

Christian Weyrich: Trotz der Pandemie liefen viele Aktionen richtig gut. Es ist uns mit vereinter Kraftanstrengung aller Mitarbeiter und dem Gemeinderat gelungen, ein solides Krisenmanagement auf die Beine zu stellen. Mit unseren Gutscheinen für Kinder und Senioren als „Sommerfestersatz“ haben wir die richtigen Signale, aber auch eine klare Wirkung für die Bürger und die Gastronomie gesetzt.

Diesen Erfolg setzten wir fort und haben den Gewerbeverband unterstützt, einen Einkaufsgutschein einzuführen. Auch das Angebot unseres Impfshuttles für Bürger, die keine Fahrgelegenheit zum Impfzentrum haben, war ein wesentlicher Baustein des Krisenmanagements.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Mühldorf finden Sie hier.

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie wurde viel über die Ausstattung von Schulen diskutiert. Was hat Aschau unternommen?

Weyrich: Die digitale Ausstattung der Grundschule haben wir weiter intensiviert und sind technisch auf einem sehr guten Stand. Wir arbeiten an weiteren technischen Verbesserungen und an der Aufstockung der Endgeräte. Gleichzeitig bereiten wir Lösungsansätze vor, um mit der gemeindlichen Infrastruktur und angemieteten Konferenzräume einen Präsenzunterricht mit Hygieneauflagen ermöglichen zu können.

Auch der Einbau einer Lüftungsanlage mit Frischluftversorgung und Wärmerückgewinnung als Pilotprojekt in einem Klassenzimmer war ein richtiger Schritt. Einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Kinder konnten wir mit einem deutlichen personellen Mehraufwand für eine „klassenweise“ Betreuung in der Nachmittagsbetreuung sicherstellen.

Welche Projekte konnte die Gemeinde erfolgreich abschließen, trotz der Corona-Herausforderung?

Weyrich: Trotz der besonderen Belastung durch das Krisenmanagement konnten wir viele Projekte abschließen. Dazu gehört die Kindergartenerweiterung mit zwei neuen Gruppenräumen, für die wir 1,7 Millionen Euro in die Hand genommen haben. Im Bereich erneuerbarer Energien haben wir für 170.000 Euro eine PV-Anlage auf der Gemeindehalle einschließlich Stromspeichersystems realisiert.

Lesen Sie auch: So erlebt ein Freiwilliger die Kontaktverfolgung am Gesundheitsamt Mühldorf

Im Bereich der Jettenbacher Straße ist die Erschließung des neuen Baugebietes abgeschlossen. Was sich bedauerlicherweise nicht umsetzen ließ, ist der Start des Ortsentwicklungskonzeptes. Wir hatten bereits Termine mit Referenten gebucht, die uns beim Einstieg in die Konzeptarbeit unterstützen sollten, die aber coronabedingt abgesagt werden mussten.

Mir ist wichtig, dass das Projekt von unabhängigen Fachleuten begleitet wird und nicht ausschließlich aus dem Gemeinderat selbst heraus entsteht. Auf diese Weise haben wir es in der Vergangenheit schon nicht geschafft, klare Lösungsstrukturen zu erarbeiten.

Wo sehen Sie die nächsten Herausforderungen der Gemeinde?

Weyrich: Aufgrund der Pandemie werden wir weniger finanziellen Spielraum haben, allerdings befinden wir uns in einer stabilen Finanzlage. Die größten Herausforderungen sehe ich im sozialen und gesellschaftlichen Bereich. Vor allem bei den Bedingungen für die Kinder in unseren Einrichtungen, insbesondere der Grundschule, und in der Mobilität für die Senioren.

Ich könnte mir vorstellen, aus unserem Impfshuttle ein Seniorenshuttle zu entwickeln, welches die Senioren für Fahrten zu medizinischen Zwecken, des alltäglichen Lebens oder zu Veranstaltungen abholt. Besonders wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Vereinen, die auch für unsere Kunst und Kultur stehen und diese am Leben erhalten.

Außerdem haben wir Infrastrukturthemen wie Trinkwasserversorgung, Kanal und Straßenbau zu bewältigen. Eine Herausforderung ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Diesen möchte ich in einem ersten Schritt in Form eines Wohnbauprojektes zum Altwerden daheim in Aschau angehen.

Grünes Licht für das Gewerbegebiet in Thann gab es erst durch einen Bürgerentscheid. Wie lassen sich die Kritiker noch mit ins Boot holen?

Weyrich: Gerade die aktuelle Situation zeigt, wie wichtig wirtschaftliche Stabilität ganz konkret bei uns vor Ort ist. Wir müssen Arbeitsplätze sichern und neue schaffen. Dabei geht es auch um die Sicherheit von Familien.

Für die Gemeinde ist das Gewerbegebiet als Steuerquelle wichtig – die Gewerbesteuer ist die wesentliche Säule unseres Haushaltes. Ich bin überzeugt, dass wir einen Teil der Kritiker noch überzeugen können. Dass wir nicht alle überzeugen können, ist ganz normal.

Lesen Sie auch: Für Fußgänger und Radfahrer: Bündnis Aschau schlägt im Gemeinderat acht Maßnahmen vor

Anwohner möchten ein Gewerbegebiet nicht direkt nebenan haben oder Umweltschützer sind gegen die Bodenversiegelung. Sie werden aber uns helfen, dass sich unsere Planungen stets an einer größtmöglichen Verträglichkeit mit diesen Aspekten orientieren. Gleichzeitig werden wir durch unser nachhaltiges Handeln bisherige Skeptiker von unserem Weg überzeugen.

Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer waren zuletzt rückläufig. Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Gemeindefinanzen aus?

Weyrich: Es gibt viele Gründe dafür: 2017 war ein außergewöhnlich gutes Jahr und damit ein Höchststand erreicht – ein Rückgang war normal. Gleichzeitig haben Firmen massiv in den Standort investiert, was sich ebenfalls auf die Gewerbesteuereinnahmen auswirkt.

Im Endergebnis liegen wir etwa ein Drittel hinter unseren Erwartungen und davon ist sicherlich der größte Teil den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zuzuordnen. Es gibt aber keinen Grund zur Besorgnis: Wir haben aus dem Hilfsprogramm von Bund und Freistaat eine Ausgleichszahlung für die Gewerbesteuerausfälle bekommen und sind damit gut aufgestellt.

Mehr zum Thema

Kommentare