Jahrelange Brache

Am Kingdom Parc in Mühldorf soll Gewerbezentrum entstehen und der frühere Disco-Tempel verschwinden

Die Tage des Kingdom Parcs sind gezählt. Ein Investor aus Norddeutschland will dort verschiedene Gewerbebetriebe ansiedeln.
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Die Tage des Kingdom Parcs sind gezählt. Ein Investor aus Norddeutschland will dort verschiedene Gewerbebetriebe ansiedeln.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Seit Jahren steht er leer: Der Kingdom Parc hat mit einem Vergnügungs-, Tanz-, und Diskothekentempel schon seit langem nichts mehr zu tun. Jetzt ist das große Gelände verkauft und soll künftig für Gewerbebetriebe genutzt werden. Damit ist auch die Zukunft des markanten Gebäudes entschieden.

Mühldorf – Es gehört zu den markantesten Gebäuden der Stadt und dominiert die Stadteinfahrt von Westen her: Der Kingdom Parc. Seine früher nachts buntbeleuchteten Glaskuppeln sollten Partygänger magisch anziehen. Damit ist es schon seit sechs Jahren vorbei, jetzt geht auch die Zeit des Gebäudes zu Ende.

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Aus der Partyburg soll eine große Gewerbehalle werden, dafür hat der Bauausschuss den Weg freigemacht. Neuer Besitzer des Grundstücks ist die Firma „Dreißigste Bauwo Business Center“ (BBC) aus Hannover. In der Gewerbehalle sollen verschiedene Firmen untergebracht werden. Bernhard Rückert, Geschäftsführer der „Dreißigste Bauwo Business“ ist von der Lage des Grundstücks überzeugt: „Es ist für unser Vorhaben sehr geeignet und über die ehemalige B 12 gut erreichbar. Nahe an der Stadt, aber am Rand gelegen.“

20.000 Quadratmeter Gewerbehalle

Von einer „Logistikanlage“, spricht die Firma BBC in ihrem Antrag auf Änderung des Bebauungsplans, laut Geschäftsführer Rückert sollen in der 20 000 Quardatmeter großen Halle „primär Gewerbe und Produktion“ untergebracht werden. „Es wird eine multifunktionale Halle für viele Nutzerinteressen. Einen Interessenten aus der Umgebung gebe es bereits.

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Der Kingdom Parc steht seit gut sechs Jahren leer, zuletzt war er nicht mehr Diskothek, sondern Notaufnahmelager für Flüchtlinge. Seit vielen Jahren gab es laut Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner mehrere vergebliche Versuche, das Grundstück zu verkaufen; es stand auch schon zur Zwangsversteigerung an. Jetzt könnte Bewegung auf das Gelände kommen.

Gewerbehalle soll 13 Meter hoch werden

Die neue Gewerbehalle soll laut Weichselgartner 13 Meter hoch sein, eine Zahl, die auch Rückert nennt. Nach seinen Angaben wird damit eine Innenhöhe von gut zehn Metern erreicht.

Die Halle solle nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit mit einer Fotovoltaikanlage errichtet werden, Flachdächer von Bürobereichen würden begrünt, sagt Rückert. Das jetzige Gebäude des Kingdom Parcs will die BBC abreißen, für das Gelände habe sein Unternehmen einen „marktgerechten Preis bezahlt“, konkrete Angaben wollte Rückert nicht machen. Er hofft, dass der Bau Mitte des nächsten Jahres beginnen kann, die Bauphase werde etwa ein Jahr dauern.

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Die Stadt zeigte über die Entwicklung erfreut: „Grundsätzlich sind wir froh, wenn sich dieser Bereich ändert, der ja immerhin an der Einfahrt zu Stadt steht“, sagte Stadtbaumeisterin Weichselgartner. Auch Bürgermeister Michael Hetzl (UM) sprach von einer „sehr guten Lösung, die uns sehr freut“.

Grüne: Krankenhaus, Schwimmbad

Der Bauausschuss musste sich mit dem Thema befassen, weil auf dem Gelände nur der Betrieb von Vergnügungsstätten erlaubt ist. Deshalb muss der Bebauungsplan jetzt hin zu einer gewerblichen Nutzung geändert werden. Rudi Salfer (CSU) wies auf das Problem der Verkehrserschließung hin, unter dem schon der Kingdom Parc gelitten habe, Stefan Lasner (CSU) fordert einen guten Lärmschutz.

Widerstand gegen die Planänderung kam nur von den Grünen. Dr. Matthias Kraft und Dr. Georg Gafus schlugen vor, dort wahlweise ein Krankenhaus, ein Hallenbad zusammen mit Waldkraiburg oder einen zentral gelegenen Busbahnhof zu errichten. Auf den Einwand von Bürgermeister Hetzl, das Grundstück gehöre nicht der Stadt, schlug Grünen-Fraktionssprecher Kraft vor, die Stadt solle versuchen, das Gelände zu kaufen. Eine Möglichkeit dahin zu kommen, sei es, die neue Nutzung nicht zu genehmigen. „Wenn wir nichts ändern, dann bleibt es halt noch liegen“, sagt er. Damit ergebe sich vielleicht die Gelegenheit, dass die Stadt es kaufen könne.

Hetzl will niemanden erpressen

Weichselgartner betonte, der Bau eines Krankenhauses sei nicht Sache der Stadt, genauso wenig wie ein Busbahnhof. Waldkraiburg habe ein Hallenbad und werde sich kein zweites bauen. Bürgermeister Hetzl wies eindringlich darauf hin, dass die Stadt nicht beschließen könne, was andere zu bauen hätten.

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Der Bürgermeister nannte den Vorschlag der Grünen unlauter: „Solche Gespräche führe ich nicht als Vertreter der Stadt.“ Das sei „fast Erpressung. Wenn wir so handeln, verhandelt künftig niemand mehr mit uns.“ Das Grundstück sei verkauft und nicht auf dem Markt.

Die wechselvolle Geschichte des Kingdom Parcs

Im Januar 2002 eröffnet Susanne Meiller-Straubinger den an eine Burg erinnernden Komplex mit drei Diskotheken und insgesamt zwölf Gastrobetrieben. Er sollte sich zum Mittelpunkt des Nachlebens entwickeln, auch für Gäste aus dem Münchner Osten. Anfangs schien das Konzept aufzugehen, an Wochenenden bildeten sich lange Autoschlangen vor der Abfahrt auf der B 12.

Doch schon bald gerieten vor allem die Gastro-Betriebe in Schwierigkeiten, es folgte der Discothekenbetrieb. Die Betreiber wechselten, aus dem Dom, der zentralen Diskothek wurde das C4, später das Forum.

Nach dem Ende als Nachtlebentempel und einiger Zeit des Leerstands wurde es ab Herbst 2014 bis 2015 zur Flüchlingsnotaufnahme.

Danach diente es nur noch als Winterplatz für den Circus Brumbach und Abstellgelände eines Autohändlers.

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