180 Saatkrähen rauben Mühldorfern den Schlaf – Wie laut darf die Natur werden?

Krähe mit Nuss
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Saatkrähen rauben Anwohnern in Mühldorf den Schlaf.

Etwa 180 streng geschützte Saatkrähen haben ihre Nester an der Eichkapellenstraße in Mühdlorf gebaut. Anwohner klagen über Dreck und Lärm, der ihnen in der Nacht den Schlaf raubt. Die Vögel zu vertreiben ist sehr schwierig.

Mühldorf – Es ist eine der schönsten Wohnlagen in Mühldorf: Vor dem Haus nur die ruhige Eichkapellenstraße und dann dichter Wald, der sich bis zu den Kindergärten und der Feuerwehr zieht. Das sieht auch das Ehepaar Röhricht so, dass dort seit sehr vielen Jahren lebt. Seit Ende Februar ist die Ruhe vorbei. Damals bauten etwa 180 Saatkrähen ihre Nester in den hohen Bäumen entlang der Straße.

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Um 4 Uhr geht das Geschrei los

„Es geht morgens um 4 Uhr los und dann den ganzen Tag“, klagt Dr. Klaus Röhricht, der früher eine Zahnarztpraxis in der Altstadt hatte. „Selbst wenn es kurz ruhig ist, fängt eine wieder an und dann alle.“

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Tatsächlich herrscht reges Kommen und Gehen, wenn man so will. Ununterbrochen fliegen die großen dunklen Vögel die Baumwimpfel an, in denen sich ihre großen Nester befinden. Die sind zum Teil dicht nebeneinander gebaut. „Auf unserem sind es sieben“, sagt Röhricht und deutet auf einen Baum, der direkt an der Eichkapellenstraße steht.

Mit offenem Fenster schlafen, das Auto unter den Bäumen abstellen: Das ist alles unmöglich geworden. Der Asphalt ist stellenweise weiß vom Vogelkot. Bis in die 200 Meter entfernte Töginger Straße sei der Lärm zu hören. 90 Nester sollen es sein, 180 Vögel.

Klaus Röhricht ist sauer: Unmittelbar vor seinem Haus in der Eichkapellenstraße nisten sieben Krähenpaare und machen großen Lärm. An der gesamten Straße sind es vermutlich fast 180 Vögel. Dass es große Probleme im Zusammenleben von Mensch und Krähe gibt, ist den Naturschutzbehörden bekannt.

Familie Röhricht befürchtet, dass die Vögel bleiben. Aus dem Internet wissen sie: Die Saatkrähen werden 20 Jahre alt und sind Nisttreu. Anfrage bei der Stadt, dem Landratsamt oder der Regierung von Oberbayern hätten bislang nichts gebracht.

Vertreibung schwierig und streng geregelt

Der Heimatzeitung antwortet die Regierung auf Anfrage, dass keine „Zuständigkeit oder Verpflichtung für ein Saatkrähenmanagement besteht“. Es sei in jedem Einzelfall vor Ort abzustimmen, ob und durch wen Maßnahmen ergriffen werden sollen. „Eine wichtige Rolle kommt der örtlichen Gemeinde zu“, schreibt Sprecherin Verena Gros. Maßnahmen, die Vögel zu vertreiben gibt es laut Regierung, sie verweist auf eine Schrift des Landesamts für Umwelt. Die Regierungssprecherin betont aber auch: „Zu berücksichtigen ist, dass jede Vergrämungsmaßnahme mit dem Risiko verbunden ist, dass sich durch ergriffenen Maßnahmen die Konflikte nur verlagern oder im Falle einer Aufsplitterung einer Kolonie auf mehrere neue Standorte sogar vervielfachen.“ Fachleute befürchten, dass die Vögel ein paar Bäume weiterziehen und es dort zum Streit mit den Anwohnern kommt.

Wie schwer es ist, die Vögel zu vertreiben, weiß Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner. Aus Wasserschutzgründen wurden vor einiger Zeit Bäume im Wasserschutzgebiet Mößling gefällt, auf denen die Krähen nisteten. Sie ließen sich laut Weichselgartner aber nicht vertreiben. Auch am Freibad gibt es nach ihren Angaben einige Nester, neu seien jetzt die in der Eichkapellenstraße.

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Weichselgartner signalisierte auf Anfrage die Bereitschaft der Stadt, sich des Problems anzunehmen. Es müsse allerdings sicher gestellt sein, dass die Vertreibung nicht durch die Fällung von Bäumen erreicht werden dürfe. Die Sprecherin der Regierung von Oberbayern betont, dass alle Vertreibungsmaßnahmen mit der Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern abgestimmt werden müssen.

Falls sich also jemand der Krähen an der Eichkapellenstraße annimmt, die nächsten Wochen müssen die Anwohner so oder so mit den Tieren leben. Denn in der Nistzeit dürfen sie nicht vertrieben werden.

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