Anschlag mit vier Toten

Die Angst wird noch größer: So erlebten Menschen aus der Region das Attentat in Wien

Christian Schratt an seinem Arbeitplatz in Wien. Wegen der Anschläge verbrachte er dort die Nacht. Er sagt: „Jetzt wird die Angst noch größer.“
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Christian Schratt an seinem Arbeitplatz in Wien. Wegen der Anschläge verbrachte er dort die Nacht. Er sagt: „Jetzt wird die Angst noch größer.“
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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  • Hans Grundner
    Hans Grundner
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Wien ist geprägt von den Corona-Einschränkungen und der nächtlichen Ausgangssperre, die seit dem 3. November gilt. Davor wollten sich viele noch einmal treffen. Doch mitten hinein in diese Zeit fiel das Attentat mit vier Toten. Zwei Wahl-Wiener aus Mühldorf und Töging berichten, was in der Stadt vor sich geht.

Wien/Mühldorf/Waldkraiburg – Die Kommunikation in den ersten Stunden nach dem islamistischen Attentat in der Innenstadt von Wien lief vor allem über Whatsapp, erzählt Christian Schratt am Telefon. Der Mühldorfer sitzt am Morgen nach dem Anschlag, bei dem vier Menschen starben, allein in seinem Atelier in Wien und arbeitet. Trotzdem war er die ganze Nacht mit seinen Freunden verbunden. „Es hat immer jemand nachgefragt, ob alles okay ist.“

In der Notfallhängematte

Der siebte Bezirk, in dem sein Atelier liegt, ist nicht weit weg von der Innenstadt. „Permanent sind Hubschrauber geflogen, es waren die ganze Nacht Sirenen zu hören.“ Schratt, der oft spät abends arbeitet, packte die „Notfallhängematte“ aus und blieb über Nacht im Atelier. „Mein Heimweg hätte mich genau durch den ersten Bezirk geführt, das wollte ich nicht.“

Weg durch die Innenstadt war gesperrt

Dabei ist nicht einmal sicher, ob es mit dem Fahrrad oder der U-Bahn ein Durchkommen gegeben hätte. Schratt erzählt von einer Freundin, die die ganze Nacht zusammen mit anderen Gästen in einem Restaurant in der Innenstadt habe bleiben müssen. Eingesperrt von der Polizei. „Die Stimmung dort war panisch.“

Eltern in Sorge über den Sohn

Auch mit ihr war er in Kontakt, genau wie mit seinen Eltern Hedi und Rainer, die natürlich sofort bei ihrem Sohn anriefen, um sich nach ihm zu erkundigen. Auch sie erleichterte die Nachricht: „Nein, ihm ist nichts passiert“, erzählt Mutter Hedi.

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Schratt lebt seit neun Jahren in Wien, er stellt Videos und Livestreams für Firmen her, die in Corona-Zeiten nicht mehr direkt mit ihren Kunden in Kontakt treten können. Derzeit arbeitet er auch für ein Unternehmen in Wasserburg.

Zu Corona kommt jetzt das Attentat

Die Musik hat der 41-Jährige derzeit hinten an gestellt, „zum Glück habe ich mir mehrere Standbeine aufgebaut“, sagt er. Anders als viele seiner Freunde, die die Corona-Auftrittsbeschränkungen mit voller Wucht trifft.

Schratt fürchtet, dass das Attentat die ohnehin düstere Atmosphäre in der Stadt noch steigern könnte. „Seit Corona ist die Stimmung komisch“, sagt er. „Durch den Anschlag ist es noch komischer geworden.“

Fürchterliche Videos im Internet

Angst? „Ich habe nichts davon, mich auf diese Gefühlslage einzulassen“, sagt Alfons Nebmaier. Der Künstler, der aus Töging stammt und in Wien lebt, hofft am Morgen noch immer, dass es ein Einzeltäter war. Er ist am Dienstagvormittag damit beschäftigt, sich auf seine Arbeit in einem Freizeit- und Jugendzentrum im 22. Bezirk vorzubereiten.

Die Donaustadt ist ein sozialer Brennpunkt, der Abenteuerspielplatz, den der 53-jährige leitet, ist eine wichtige Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 Jahren. Trotz Lockdowns ist das Gelände für die Jugendlichen weiter offen, auch am Dienstag, an dem die Schulpflicht von den Behörden aufgehoben war. Nebmaier: „Wir arbeiten unter erschwerten Corona-Bedingungen. Wir frieren uns den Arsch ab, machen alles draußen, um das Infektionsrisiko zu gering wie möglich zu halten.“

Lebt seit 25 Jahren in Wien: Alfons Nebmaier aus Töting.

Am Tag nach dem Anschlag muss Nebmaier zudem damit rechnen, dass die Kids unter dem Eindruck der vielen, teils fürchterlichen Videos stehen, die im Netz kursieren. Damit müssen er und sein Team umgehen.

Sohn hörte die Schüsse

Der Künstler, der seit 25 Jahren in Wien lebt, hat vom Terroranschlag selbst nichts mitbekommen. Er war am Montagabend in seiner Wohnung im dritten Bezirk, südlich des Zentrums. Es habe es von seine Tochter erfahren, die in Berlin lebt und ihm den Aufruf der Behörden zuleitete, das Haus nicht zu verlassen.

Noch rechtzeitig nach Hause gekommen

Fast zeitgleich kam sein Sohn heim, der zum Zeitpunkt des Anschlags ganz in der Nähe des Schwedenplatzes auf der anderen Seite des Donaukanals unterwegs war. „Er hat die Schüsse gehört.“ Zu Fuß habe er sich dann im hereinbrechenden Chaos noch rechtzeitig auf den Heimweg gemacht.

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