Annabrunn hat viel erlebt

Der Innraum der Anna-Kapelle in Annabrunn.
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Der Innraum der Anna-Kapelle in Annabrunn.

Südlich von Mühldorf grenzt der Pollinger Ortsteil Annabrunn an Mühldorf. Dort wurde ein wchselvolle Geschichte erlebt: Wallfahrtsstätte der besonderer Art – Bad – Lazarett – Suchtklinik- Hospizhaus – Teil I

Polling/Annabrunn/Mühldorf –  Im Süden von Mühldorf grenzt gleich hinter Starkheim der Pollinger Ortsteil Annabrunn an die Kreisstadt. Dieser Ort hat eine bewegte Geschichte hinter sich, idyllisch eingebettet im Wald zwischen Starkeim und Flossing. Auf 9,23 Hektar leben dort 91 Annabrunner.

Ursprung der Wallfahrt

In der historischen Abhandlung über Annabrunn, ausgearbeitet von Hans Neumann, und in der Festschrift „300 Jahre Wallfahrt Annabrunn“, verfasst von Pfarrer Joseph Mittermeier, wird folgende Ursprungslegende erzählt: Beim Beerensammeln hat sich ein dreijähriges Kind im großen Brandforst zwischen Mühldorf und Flossing verirrt. Eine schreckliche Gewitternacht brach herein.

Da alles Suchen nach dem verlorenen Kinde ergebnislos verlief, wandte sich die tiefbekümmerte Mutter in ihrer Not an die heilige Mutter Anna, die in jener Zeit als besondere Fürsprecherin verehrt wurde. Am nächsten Morgen kehrte das Kind wohlbehalten und mit trockenen Kleidern heim.

Als tags darauf die Mutter mit dem Kind nach Annabrunn wallfahrtete, um der heiligen Anna Dank abzustatten, rief das Kind beim Anblick des Bildes der Gnadenmutter freudig aus: „Das ist die schöne, gute Frau, die im Walde bei mir war und mich beschützt hat!“

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Im 16. und 17. Jahrhundert war der Brandforst ein geschlossenes, großes Waldgebiet. In einer Aufzeichnung vom 20. August 1630 haben die Jagdaufseher Georg Reßl aus Kemating und Veith Villechner aus Altmühldorf den Forst wie folgt beschrieben: Er ist weit und dunkel und fast undurchdringlich.

Heimatgeschichtliche Aufzeichnungen im Stadtarchiv Mühldorf berichten auch von einem jahrelangen „Flossinger Streit“ wegen Missachtung der Weiderechte in dieser Gegend. Köhler und Waldarbeiter bauten an eine Quelle eine einfache, hölzerne Unterkunftshütte. Die von Papst Gregor XV. mit Ablass und Wochengebetstag (Dienstag) belegte und in der ganzen katholischen Kirche verbreitete Annenverehrung hat wohl auch in den Herzen der Waldarbeiter Wurzel geschlagen. So stellten sie in ihrer Hütte zur Verehrung vielleicht eine Annafigur, sicher aber eine „Schwarze Annahand“ auf (Relieftafel im Lodronhaus, Kreisheimatmuseum Mühldorf).

Annabruner Wasser soll geholfen haben

In einem Bericht des Mühldorfer Ratsherrn Wolfgang Schmidt vom 27. März 1628 an den Fürsterzbischof Paris Graf Lodron (1619—1653) zu Salzburg wird die Gnadenstätte beschrieben: Diese befinde sich am Waldrand, ein Brünnlein würde dort fliesen. Es wäre für den Standort einer Kapelle durchaus geeignet.

Mühldorf Ratsherr stiftete große Summe

Der angesehene Mühldorfer Bürger Wolfgang Schmidt war ein tiefgläubiger Christ und überzeugter Verehrer der heiligen Mutter Anna. Schon lange trug sich der Kramer (Kaufmann) und Senator (Ratsherr) mit dem Gedanken, Gnade und Huld der Heiligen mit einer großen Stiftung zu erbitten.

Aufhorchen ließ ihn im Jahre 1621 als der Gerichtschreiber Virgilius Langdorffer in der Stiftskirche zu Mühldorf einen Altar zu Ehren der heiligen Mutter Anna aufstellen ließ. Schon im Jahre 1409 stiftete der Ratsherr Niklas Grill — Gedenktafel auf dem Stadtplatz, HNr. 27 — eine Annakapelle, die heute als Sakristei der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus dient. Es liegt auch die Vermutung nahe, dass die Anna-Selbdritt-Gruppc in der Vorstadtkirche St. Katharinen zu Mühldorf, entstanden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in derselben Zeit und in derselben Werkstatt wie jene in der Annabrunner Kapelle angefertigt wurde.

Wallfahrtsstätte der besonderer Art – Bad –  Lazarett – Suchtklinik- Hospizhaus – Teil I

Wolfgang Schmidt schrieb am 27. März 1628 an den Salzburger Fürsterzbischof Paris Graf Lodron mit der Bitte, in Annabrunn eine Kapelle zu errichten. In zwei weiteren Gesuchen erbittet Wolfgang Schmidt ein Baugrundstück und Bauholz aus dem Brandforst.

Kapelle durfte gebaut werden

Daraufhin wandte sich das Salzburger Konsistorium in einem Schreiben vom 31. März 1628 an den Archidiakon von Gars und forderte den Erzpriester und Propst Peter Mittmann zu einer Stellungnahme auf. Dieser antwortete am 22. Mai 1628: „Er habe den Augenschein eingenommen und befand, keine größeren Hindernisse entdeckt zu haben. Er empfahl dem Erzbischof den Bauer.

Aber der Schriftverkehr ging weiter. Am 21. Juni 1628 teilte Johann Christoph von Liechtenstein, Bischof von Chiemsee (1624—1643), dem Archidiakon in Gars mit: Die Genehmigung des Salzburger Erzbischofes für den Bau der Kapelle erteilt. Wolfgang Schmidt erhielt zu dem die Zusage, dass neben dem Grund auch Baumaterialen vom Erzbischof zur Verfügung gestellt würden.

Auftragsgemäß erschien der Garser Archidiakon zur Grundsteinlegung. Außer ihm war auch ein bayerischer Beamter, der Gerichtspfleger von Mörmoosen, zugegen. Er erhielt für seine Anwesenheit sechs Gulden an Gebühren und fünf Gulden Zehrgeld.

Die Kapeile, einschließlich Altar, wurde am Annafest, 26. Juli 1629, von dem Fürstbischof Johann Christoph von Liechtenstein des Salzburger Eigenbistums Chiemsee eingeweiht.

Wallfahrten wurden alle verboten

Schwere Zeiten kamen für die Wallfahrt Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts. Zwar stand Kaiser Josef II. der Kirche nicht feindlich gegenüber, aber er verordnete manche Änderungen. Auch der Salzburger Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo (1772-1812) – Gemälde im Rathaussaal zu Mühldorf – wurde von dem „Josefinismus“ beeinflusst. In seinen Hirtenbriefen wandte er sich gegen Wallfahrten und Bruderschaften, Weihnachtskrippen und Wetterläuten, religiöse Schauspiele und überflüssige Feiertage.

Diese überspannten Reformpläne machten eine Reise des Papstes Pius VI. im Frühjahr 1782 notwendig. Auch die Vorsprache des damaligen Pfarrers von Flossing Johannes Wimmer, am 25. April 1782, brachte für Annabrunn keine Wende. Laut der staatspolizeilichen Gottesdienstordnung wurden 1783 alle Wallfahrten verboten. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 in Regensburg hörte der Annakult ganz auf. Aber schon 1829 brachte die 200-Jahr-Feier Annabrunn neuen Zustrom. Papst Pius VIII. verlieh am 2. Juni einen vollkommenen Ablass. So stieg Annabrunn aus dem Schoße des Volkes und der Kirche wieder hervor. Es überdauerte alle Stürme der Zeiten und blieb lebendig bis heut.

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