Bad Annabrunn nahm die Arbeit auf - Die Geschichte eines Walfahrts- und Gesundheitsorts

Mit dem Ende der Wallfahrt im 18. Jahrhundert begann im Pollinger Ortsteil Annabrunn der Niedergang. Ein kurzes Wiederaufflackern zum Jubiläum änderte daran nichts. Erst der Aufstieg zum Gesundheitsort brachte Annabrunn seine einstige Bedeutung teilweise zurück. Allerdings blieb auch diese Zeit nicht frei von Rückschlägen

Annabrunn/Mühldorf– Es kam das Jahr 1785 und damit der berühmte, um nicht zu sagen, der berüchtigte Erlass Kaiser Josef II, dem gemäß wurden WallfaMit dem Ende der Wallfahrt im 18. Jahrhundert begann im Pollinger Ortsteil Annabrunn der Niedergang. Ein kurzes Wiederaufflackern zum Jubiläum änderte daran nichts. Erst der Aufstieg zum Gesundheitsort brachte Annabrunn seine einstige Bedeutung teilweise zurück. Allerdings blieb auch diese Zeit nicht frei von Rückschlägenhrtenverboten und alle überflüssigen Kirchenzierden mussten entfernt werden. Annabrunn verlor seine Besucher und seine teilweise wertvollen Votivgaben dankbarer Christen.

Wallfahrten wurden verboten

Erst das Jahr 1829 brachte wieder Leben nach Annabrunn mit der Feier zum 200-.jährigen Jubiläum. Zum Jubiläum hatte Papst Pius einen Jubiläumsablass verliehen. Dieses Jubiläum wurde groß gefeiert und hat 400 Gulden an Kosten verursacht.

Nach den prunkvollen Jubiläumstagen ging es wieder rasch abwärts, die Wallfahrt endete auf und das Schlösschen Annabrunn sank zu einem ganz gewöhnlichen Bauernwirtshaus herunter, das oft den Besitzer wechselte. Die Kirchhofmauern wurden saniert und mussten als Einfriedung für die Schweinehaltung herhalten. Ergänzend muss nachgetragen werden, dass im Jahre 1759 nahe der Kirche von der Herrschaft in Guttenburg ein niedliches Waldschlösschen erbaut worden ist, das spätere Bad- und Wirtshaus.

Der Umschwung zur Erholungsstätte und als beliebter Ausflugsort der nahen Stadt Mühldorf setzt um die Jahrhundertwende ein. In Annabrunn standen zwei neuerbaute Willen. Diese erwarb im Jahre 1911 der Bezirksausschuss der katholischen Jugendvereine Münchens als Heim für erholungsbedürftige Mädchen, um diesen einen billigen, erfrischenden Landaufenthalt zu bieten.

Das Unternehmen wurde später auf breitere Grundlagen gestellt. Zu Lichtmess 1917 übernahm der verein der Schwestern von der heiligen Familie die Leitung der Heime. „Viel Gutes hat Annabrunn bereits gestiftet und hunderten von Kindern, Mädchen und Frauen des erwerbtätigen Volkes gute Erholung, Stärkung und Wiederherstellung der Gesundheit“, schreibt Geistlicher Rat Lohr.

Zahl der Betten wurde auf 70 Erhöht

Allen, so der Priester, hat der Aufenthalt an Leib und Seele sehr gut getan, dank der guten Verpflegung und der ruhigen Lage am Rande des weitausgedehnten Waldes.

Im Jahre 1926 erwarb das Heim die Gastwirtschaft mit zwölf Tagwerk Grund der bisherige Träger und führte kostspielige Umbauten durch. Die Zahl der Betten erhöhte sich auf 70. Besonderes Augenmerk wurde auf die gärtnerische Anlage udn Verschönerung geschaut.

Mit den Erholungshäusern erhielt 1926 auch das Kichlein ein neues Kleid. Ein wertvoller Tabernakel wurde beschafft und von Peter Keilhacker in Taufkirchen das Allerheiligste eingesetzt. Am 2. Februar 1927 wurde das Wiederaufleben von Kirche und Bad Annabrunn und die segensvolle zehnjährige Tätigkeit der Bewohnerinnen schlicht und einfach gefeiert.

In der Nazizeit wurde in Annabrunn ein Lazarett und ein SS-Erholungsheim eingerichtet. Der Luftangriff am 20. April 1945 hat auch in Annabrunn zu Schäden geführt. „In Annabrunn brannte des Haus eine Kleingütlers vollständig aus, und ein anderes schwer demoliert. Die Kirchenfenster im Annakirchlein wurde zertrümmert. Außerdem gab schwere Schäden an Häusern, Fluren und Feldern“, berichtete Flossings Pfarrer Fanz Wittscheck.

Der Altmühldorfer Pfarrer Otto Gastanger berichtete am 29. Juli 1945 nach München: „Der Einmarsch der Amerikaner vollzog sich ruhig. Nur die sechs von den in der vorausgehenden Nacht im Dorfe einquartierten SS-Leuten, junge Gimpel, die schießen zu müssten glaubten, wurden von den Amerikanern mit Gewehrschüssen empfangen und sofort versprengt. An der Mühldorf Grenze fand am Nachmittag ein etwa zweistündiges Geschützfeuer der Amerikaner über den Inn hinüber Richtung SS-Lager bei Annabrunn statt.

1955 kam ein neuer Besitzer

Im Jahre 1955 bekam Annabrunn wieder einen neuen Besitzer, den Männerfürsorgeverein München der In Annabrunn eine Fachklinik für alkoholkranke Männer betreiben sollte.

Ein historischer Schritt kommt 60 Jahre später auf Annabrunn zu, den der KMFV vollzieht. Der Männerfürsorgeverein hatte die Fachklinik 1955 als sogenannte „Trinkerheilanstalt für alkoholkranke Männer“ gegründet. Bis zur Aufgabe ist sie mit ihren 52 Therapieplätzen in Einzel- sowie Zweibettzimmern die älteste Einrichtung dieser Art in Bayern. Neben der medizinischen Behandlung und der Psychotherapie ist auch die Arbeitstherapie fester Bestandteil des Konzepts in Annabrunn. Kostenträger der Rehabilitationsmaßnahmen sind die Deutsche Rentenversicherung in Bayern, Krankenkassen und Sozialhilfeträger. Dort sieht Pressesprecher Horschmann auch die Verantwortlichen für die finanzielle Misere der Fachklinik sitzen. „Wir erfüllen die Standards, die Auslastung der Einrichtung ist gut. Doch mit den Pflegesätzen können wir nicht kostendeckend arbeiten.“ Das sei kein Problem der letzten Jahre. „Das erste Defizit lief schon vor über einem Jahrzehnt auf.“

Vor allem an der Spitze hat die Fachklinik Annabrunn turbulente Zeiten hinter sich. Bis 2012 leitete Dr. Michael Heidegger die Klinik, insgesamt 25 Jahre lang. Auch er beklagte zu seinem Abschied im Interview mit der Heimatzeitung das finanziell zu enge Korsett der Klinik: „Nur wenn wir zu 98 Prozent ausgelastet sind, arbeiten wir kostendeckend. Fehlen mir also nur zwei Patienten an einem Tag, zahle ich drauf.“

Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Anna Hospizvereins im Jahr 2016 wurde festgestellt, dass die derzeitigen Räume zu klein geworden sind. Deshalb sei die Idee des Neubaus eines eigenen Hospizhauses entstanden. Als sich die Möglichkeit ergeben habe, das Gebäude der ehemaligen Fachklinik Annabrunn langfristig zu mieten und auf Wunsch des Hospizvereins umzubauen, sei die Idee des Neubaus verworfen worden. Der gute Zustand des sanierten historischen Gebäudes und die landschaftlich reizvolle Umgebung hätten für diese Entscheidung gesprochen.

Hospiz-Verein neuer Mieter

Der Mietvertrag beläuft sich zunächst auf zehn Jahre und enthält eine dreimalige Option zur Verlängerung auf jeweils fünf Jahre, wie Hospiz-Vereins-Geschäftsführer Josef Hell auf Anfrage erklärte. Der Verein zahle eine sehr günstige Miete, dafür übernehme er die Kosten des Umbaus. Deren Bausumme wurde während der Versammlung auf 590 000 Euro beziffert.

Die Planung des Umbaus der ehemaligen Fachklinik erläuterte Wilhelm Feckl der Mitgliederversammlung. Im Erdgeschoss sind nach seinen Angaben Räume für das Hospizteam vorgesehen, das erste Obergeschoss bietet Räume für Untersuchungen, die „Spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ (SAPV) und einen Sozialbereich. Im Dachgeschoss werden Räume für die Verwaltung sowie ein Raum für Fortbildungen Platz finden. Notwendig ist der Einbau eines Aufzuges, betonte Feckl.

Die Kosten für den Umbau zur neuen Nutzung durch den Verein setzen sich laut Feckl aus allgemeinen Kosten für technische Anlagen, für Einrichtung und Ausstattung zusammen.

Im Frühsommer 2019 zog der Anna Hospiz-Vereins nach Annabrunn, von dort aus wird die Arbeit geleitet und koordiniert.

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