Blutkonserven werden knapp: Nachhol-OPs bringen die Kliniken Mühldorf in Bedrängnis

Eine Blutkonserve, die Leben retten kann: Oberarzt Dr. Thomas Parnitzke ist für die Versorgung im Krankenhaus Mühldorf zuständig. Er vermutet, dass sich Corona in diesem Sommer auch auf den Bedarf an Blutkonserven auswirken kann.
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Eine Blutkonserve, die Leben retten kann: Oberarzt Dr. Thomas Parnitzke ist für die Versorgung im Krankenhaus Mühldorf zuständig. Er vermutet, dass sich Corona in diesem Sommer auch auf den Bedarf an Blutkonserven auswirken kann.

Im Sommer werden Blutkonserven oft knapp. Spender sind im Urlaub, die Krankenhäuser laufen im Normalbetrieb weiter. Heuer könnte sich der Mangel verschärfen, weil jetzt Operationen nachgeholt werden, die wegen der Corona-Krise verschoben wurden. Die Inn-Kliniken in Altötting und Mühldorf haben sich vorbereitet.

Mühldorf – Noch ist alles im grünen Bereich. Aber was kommt, weiß auch Dr. Thomas Parnitzke vom Krankenhaus Mühldorf nicht. In normalen Sommern rechnet die Klinik stets mit einem Mangel an Blutkonserven, weil die Leute im Urlaub sind oder wegen der Hitze weniger Blut gespendet wird. „Engpässe gibt es immer wieder“, sagt Parnitzke.

Auf der anderen Seite geht nach seinen Angaben in der Sommerzeit auch die Zahl der geplanten Operationen zurück, für die Blut gebraucht wird. „Es gibt aber immer wieder Engpässe.“

Durch Corona, das fürchtet der Oberarzt, könnte sich das ändern. Viele bleiben zu Hause, die wegen der Corona-Krise verschobenen Operationen könnten nachgeholt werden. Er rechnet mit steigenden Zahlen. „Wie immer das sein wird, ist noch offen.“

Im Notfall kommt Blut per Hubschrauber

40 Blutkonserven hält das Krankenhaus im Normalbetrieb vor. Mehr können es laut Parnitzke nicht sein, da die Haltbarkeit auf ein halbes Jahr begrenzt ist. Braucht das Krankenhaus Nachschub, informiert es den Blutspendedienst des Roten Kreuzes in München, der neue Konserven mit dem Taxi bringen lässt. Im Notfall auch über die Leitstelle und mit Blaulicht. „Ich habe es in 15 Jahren hier in der Klinik einmal erlebt, dass Blutkonserven mit dem Hubschrauber kamen.“ Damals ging es um eine Spende von weißen Blutkörperchen.

Fleißiger Blutspender: Sepp Bernhart ließ bereits 117 Mal für einen Aderlass zur Verfügung.

Der Blutspendedienst Bayern, der auch die Klinik in Mühldorf versorgt, hat jetzt wieder an Menschen appelliert, Blut zu spenden. Denn er rechnet wie Oberarzt Parnitzke mit einem Nachholbedarf an Operationen nach der Corona-Krise. Im Gegenzug könne das Angebot an Blutspende-Terminen noch nicht ausgeschöpft werden. „Daher sind im Sommer viele Patienten darauf angewiesen, dass die angebotenen Blutspende-Termine gut besucht sind“, heißt es in einer Mitteilung.

Angst vor einer Corona-Ansteckung müsse niemand haben. Der Blutspendedienst trage durch die Umsetzung entsprechender Maßnahmen Sorge, dass bei den angebotenen Terminen kein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht.

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Tanja Maier, Geschäftsführerin des BRK-Kreisverbands Mühldorf, sieht in der Coronakrise keinen Spenderschwund: „In der Coronazeit zeigt die Bevölkerung weiter eine hohe Spendenbereitschaft“, sagt sie. Insgesamt gehe die Zahl der Spender seit Jahren leicht nach oben, Maier spricht von einer Steigerung von zehn Prozent in den vergangenen fünf Jahren. „Die Erstspenderquote lag in dieser Zeit zwischen acht und neun Prozent.“ 36 mal bat das BRK im vergangenen Jahr im Landkreis zum Blutspenden, dabei gab es 5836 einzelne Spenden.

Schon fast 60 Liter Blut zur Verfügung gestellt: Sepp Bernhart war schon 117 Mal Blut spenden

Es ist nur ein kleiner Piks, dann wird die Nadel in den Arm geschoben und schon kann der wertvolle Stoff, der Leben rettet, in den Beutel fließen. Sepp Bernhart kennt das, die Nadel jagt ihm schon lange keinen Schreck mehr ein. Für den Mößlinger ist die Blutspende bereits Gewohnheit: „Drei- bis vier Mal pro Jahr ist bei mir die Regel. Manchmal schaffe ich sogar fünf Mal“, erzählt der 63-Jährige, der gar nicht mehr genau weiß, wann er das erste Mal Blut spenden war. „Das dürfte nach dem Barras gewesen sein“, grübelt der Mößlinger.

Seitdem nimmt er regelmäßig auf der Liege des Bayerischen Roten Kreuzes Platz und spendet sein Blut – das noch dazu sehr gefragt ist. Bernhart hat die Blutgruppe „0 Rhesusfaktor (Rh) positiv“. 35 Prozent der Menschen haben diese Blutgruppe haben. 37 Prozent haben Blutgruppe A Rh positiv, neun Prozent B Rh positiv und vier Prozent AB Rh positiv. 15 Prozent der Menschen besitzen das Blutgruppenmerkmal negativ.

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Bernhart hat kein Problem damit, Blut spenden zu gehen. „Mir ist es danach noch nie schlecht gegangen. Im Gegenteil: Mir geht es danach richtig gut!“Gut deswegen, weil er auch die Gewissheit hat, dass sein Blut Leben retten kann. Er sieht das als seine Bürgerpflicht: „Es könnte ja sein, dass ich auch einmal darauf angewiesen sein könnte!“ Überhaupt findet er es gut, dass mit jeder Blutspende das Blut untersucht wird. „Und so ein Gesundheitscheck schadet ja auch nicht!“

Wenn man Sepp Bernhart danach fragt, wie oft er schon Blutspenden war, muss er nicht lange überlegen: „117 Mal“, kommt wie aus der Pistole geschossen. Umgerechnet sind das rund 60 Liter Blut, die der Vorsitzende der Blaskapelle Altmühldorf schon durch den Aderlass der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hat. Eine Häufigkeit, die ihm bei runden Zahlen stets eine besondere Urkunde eingebracht hat. Die nächste hat er schon angepeilt, verrät der 63-Jährige. 150 sei sein Ziel, zehn Jahre hat er dafür noch Zeit. Bei bis zu sechs Mal pro Jahr ein durchaus realistisches Ziel: „Das kriegen wir hin!

Blutspenden wieder im August

Blut spenden kann jeder Gesunde zwischen 18 und 73 Jahren. Frauen können viermal, Männer sechsmal im Jahr spenden. Der nächste Termin beim BRK in Mühldorf ist am 12. August. Weitere Informationen gibt es unter www.blutspendedienst.com/termine.

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