Angebliche Vergewaltigung beim Volksfest Mühldorf: Nebenbuhler in die Falle gelockt

Am Rande des Mühldorfer Volksfests lauerte mehrere junge Männer und eine Frau dem Opfer auf, das sie in eine dunkle Ecke bestellt hatten. Der Haupttäter geht jetzt für drei Jahre ins Gefängnis.
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Am Rande des Mühldorfer Volksfests lauerte mehrere junge Männer und eine Frau dem Opfer auf, das sie in eine dunkle Ecke bestellt hatten. Der Haupttäter geht jetzt für drei Jahre ins Gefängnis.
  • Hans Rath
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Weil er einen Nebenbuhler einschüchtern wollte, muss ein 28-Jähriger ins Gefängnis. Er ließ das Opfer zu einer Verabredung mit einer jungen Frau in die Nähe des Mühldorfer Volksfests kommen, wo er und seine Freunde ihn verprügelten.

Mühldorf – Aus dem Gefängnis ins Gefängnis hieß es für einen 28-jährigen Bauarbeiter. Er wollte nicht nur mit Drogen handeln, sondern einen Nebenbuhler in eine Falle locken und zusammen mit anderen verprügeln. Drei Jahre muss er deshalb absitzen.

Zwei Polizeibeamten führten Amtsrichter Florian Greifenstein und seinen beiden Schöffinnen den eifersüchtigen jungen Mann vor, der das Volksfest im vergangenen Jahr genutzt hatte, um einen potenziellen Rivalen einzuschüchtern. Der Neuöttinger (20) war mit der Ex-Freundin des Angeklagten ausgegangen.

Rivalen an dunkeln Ort gelockt

Eine andere Freundin, 19 Jahre alt, spielte dabei den Lockvogel, sie verabredete sich mit dem Nebenbuhler per Handynachricht auf dem Mühldorfer Volksfest. Die beiden trafen sich hinter einem Restaurant an einem eher dunklen Ort.

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Plötzlich schrie die junge Frau um Hilfe, sie werde vergewaltigt. Wie aus dem Nichts tauchten zwei Freunde des Angeklagten auf und schlugen den Nebenbuhler zu Boden. Nun trat auch der Angeklagte in Erscheinung, setzte sich auf den wehrlosen jungen Mann und hielt ihm einen Gegenstand unter die Nase, von dem Nebenkläger Jörg Zürner vermutete, dass es ein Messer gewesen sei. Er bedrohte und würgte den Mann, die Frau trat den Wehrlosen mit dem Fuß in den Unterleib.

Frau trug noch alle Kleider

Ein Sicherheitsbeamter berichtete als Zeuge vor Gericht, dass sämtliche Aktivitäten sofort eingestellt worden seien, als er auf der Bildfläche erschienen war. Es habe keine weiteren Beschimpfungen und Drohungen gegeben, wie sonst bei solchen Auseinandersetzungen üblich.

Die junge Frau sei ihm sehr gefasst erschienen, sie machte nicht den Eindruck gemacht, gerade vergewaltigt worden zu sein. „Sie war auch vollständig bekleidet.

Von Vergewaltigung keine Rede

Staatsanwalt Christian Eberlein sagte, von einer versuchten Vergewaltigung könne keine Rede sein. Die Schwere der Verletzungen, unter anderem eine Kopfprellung und ein Fingerbruch und die elf Vorstrafen des Angeklagten, der auch noch unter Bewährung stand, sprächen eine eindeutige Sprache und gegen eine milde Strafe. Er forderte drei Jahre Gefängnis.

Ein flammendes Plädoyer hielt Nebenkläger Jörg Zürner, der dem Angeklagten vorwarf: „Sie haben das Gericht mit einer Lüge bedient. Sie wollten es dem Geschädigten einmal richtig zeigen.“ Zürner bezeichnete diesen Hinterhalt als „feige, gemein, niederträchtig, dreist und anmaßend“. Einzig die Tatsache, dass das Opfer noch relativ glimpflich davongekommen sei, sei ein glücklicher Umstand gewesen.

Versuchter Handel mit 1,4 Kilo Marihuana

In ihrem Plädoyer sagte Verteidigerin Anita Süßenguth, ihr Mandant habe hinter dem Lokal urinieren wollen. Als er Schreie hörte, sei er der jungen Frau zu Hilfe geeilt. Von einer Drohung könne keine Rede sein. Auch seien die Verletzungen relativ gering gewesen. Zwei Jahre Haft hielt sie wegen der Drogendelikte für angemessen.

Der versuchte Handel mit 1,4 Kilogramm Marihuana in zwei Fällen hatte den Angeklagten ins Gefängnis gebracht. Die Polizei hatte ihn zweimal erwischt, als er das Rauschgift besorgt hatte, um es weiterzuverkaufen. Diese Taten waren vor Gericht unstrittig, der Angeklagte hatte sie nicht nur zugegeben, sondern bei seinem Geständnis auch seinen Drogenhändler der Polizei genannt.

Wie in einem schlechten Film

Nach Beratung mit seinen beiden Schöffinnen entschied Amtsrichter Florian Greifenstein schließlich auf drei Jahre Gefängnis. Die Drogendelikte seien klar erwiesen, die angebliche, versuchte Vergewaltigung verhöhne das Opfer und sei unglaubwürdig. „Wer ist denn vor Ort gewesen?“, fragte Greifenstein. Der Angeklagte, das Opfer, die angeblich vergewaltigte Frau und ihr Freund mit einem Kumpel. Greifenstein: „Das klingt zwar abenteuerlich, wie aus einem schlechten Film, es war aber so.“ Der Angeklagte habe als einziger ein Motiv gehabt, diesen Hinterhalt so einzufädeln.

Die zwei Polizeibeamten brachten den jungen Bauarbeiter ins Gefängnis zurück.

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