Andreas Kolb ist seit 20 Jahren der erste Neupriester aus Mühldorf

Andreas Kolb aus Mühldorf wird Ende Juni zum Priester geweiht. Auch diese Feier steht natürlich im Zeichen von Corona. Kiderle/Petzi

Seit 20 Jahren ist Andreas Kolb der erste Mühldorfer, der sich zum katholischen Priester weihen lässt. Das ganz große Fest muss für den 27-Jährigen allerdings ausfallen, Corona macht auch dem Neupriester einen Strich durch die Rechnung.

Mühldorf/Obing – Andreas Kolb will beruflich nah am Menschen sein. Daher entschloss sich der 27-jährige Mühldorfer nach seinem Abitur, katholischer Priester zu werden. Am Samstag, 27. Juni, erhält er die Priesterweihe im Münchner Dom. Als erster Mühldorfer seit über 20 Jahren. Derzeit ist er in der Pfarrei Obing im Diakonat.

Was sich für ihn seit seiner Kindheit abgezeichnet hat, mag für viele Menschen etwas außergewöhnliches sein. Nicht aber für seine Familie. Er wurde religiös erzogen, ist von klein auf mit der Kirche verwurzelt. „Meinen Eltern war es wohl schon früher klar als mir, dass ich Seelsorger werde.“ Andreas Kolb blickt in den sonnenbeschienen grünen Garten hinter dem Obinger Pfarrhaus und schmunzelt. Sicherlich, der ‚kindliche Wunsch‘, auch einmal die festlichen Gewänder zu tragen und die Messe zu halten – Dinge die ihn seit seiner Erstkommunion fasziniert hatten – habe sich im Lauf des Lebens konkretisiert. „Es ist noch viel besser geworden, als ich es mir als Kind oder Jugendlicher vorgestellt habe!

Keine Ehe, keine Familie

Andreas Kolb will Seelsorger mit Leib und Seele sein. Sich um die Gemeinschaft zu kümmern, an ihr teilzuhaben, darum gehe es. Ein Aspekt, den er auch in seiner Zeit als Ministrant gelebt habe.

Die beiden jungen Männer, die heuer im Erzbistum München-Freising zu Priestern geweiht werden: Jasper Gülden (links), Kardinal Reinhard Marx und Andreas Kolb.

Bevor er sein Theologiestudium, das er in München und Freising absolviert, antrat, stellte er sich die Frage, ob das Leben für die Gemeinde und Gott, im Verzicht auf eine eigene Familie, das Richtige für ihn sei. Maschinenbau oder Elektrotechnik haben den Abiturienten damals auch interessiert. „Natürlich habe auch ich noch andere Interessen. Ganz praktische“, lacht der Mühldorfer, der gerne ‚selbst mal Hand anlegt‘, wenn nötig.

Nach einem Praktikum in der Heimatpfarrei St. Nikolaus in Mühldorf war für ihn klar, ins Priesterseminar eintreten zu wollen. Dieser Wunsch habe ihn durch das theorielastige Studium getragen.

Dienst an der Gemeinde

Zeitgemäße Seelsorge, das bedeutet für Andreas Kolb, die Freude im Glauben in der Gemeinschaft weiterzugeben. Egal ob es nun um Trauer, Freude bei der Hochzeit oder die Jugendarbeit gehe. Mit den Menschen mitfeiern, Anteil an ihrem Leben haben. „Als Seelsorger muss ich präsent sein – gerade in schwierigen Zeiten wie diesen!“ Als Diakon habe er an zahlreichen Taufen oder Hochzeiten Anteil haben dürfen. Dass solche Ereignisse während der Corona-Beschränkungen wegfielen, hat ihm zu schaffen gemacht.

Aber in jeder Krise tun sich neue Wege auf – in diesem Fall digitale. Andreas Kolb hat die Zeit genutzt, um sich um Homepage und Instagram zu kümmern. „Als junger Mensch macht mir das total Freude!“ Außerdem sei es so leichter, die jungen Gemeindemitglieder zu erreichen, eine moderne Pfarrei müsse in den sozialen Media präsent sein.

Und was ist mit Traditionen wie dem Zölibat? „Darüber nachzudenken, ist auf jeden Fall wichtig! Aber es liegt nicht bei mir, über den Zölibat zu entscheiden“, sagt der 27-Jährige, der auch ohne Ehe und Partnerschaft glücklich werden könne. Ob nun Hochzeit oder Priesterweihe – man gebe ein Versprechen für das Leben. „Es passt für mich, so wie es ist.“

"Super aufgeregt" vor der Priesterweihe

Etwas nervös macht ihn dagegen die anstehende Priesterweihe. ‚Super aufgeregt‘ sei er, die Freude riesig. Darüber hinaus müsse die Primiz vorbereitet werden, was sich angesichts der aktuellen Situation als schwierig erweist. „Eine Primiz in Mühldorf könnte nur im engsten Familienkreis stattfinden“, erklärt Andreas Kolb, der allerdings seinen ersten Gottesdienst als Priester nicht in einer halbleeren Kirche feiern möchte. Er hat andere Ideen: eine Messe am Berg. Als naturverbundener Mensch, den es in seiner Freizeit in die Berge ziehe, sei das eine ideale Lösung. „Das passt zu mir!“

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Und dann beginnt für Andreas Kolb eine neue Phase seiner seelsorgerischen Laufbahn im Pfarrverband Partenkirchen-Farchant-Oberau, der ihm zugeteilt wurde, und der ihm – so der Noch-Diakon – sicherlich ‚total taugen‘ werde. Hat er die geliebten Berge doch direkt vor der Nase.

Primiz auf dem Berg

Die Priesterweihe am Samstag, 27. Juni, können Gläubige auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising mitverfolgen oder auf dem YouTube-Kanal des Bistums im Livestream. Die Primiz, in Nicht-Corona-Zeiten ein großes Ereignis, das in Mühldorf zuletzt auf dem Stadtplatz gefeiert wurde, findet heuer in sehr viel kleineren Rahmen statt. Kolb hat für seine erste Heilige Messe die Kampenwand als Ort ausgewählt, an deren Fuß wird er am 5. Juli mit 50 geladenen Gästen Gottesdienst feiern.

Die Priesterausbildung dauert in der Regel sechs Jahre vom Abitur bis zum Ende des Studiums. Neben Theologie stehen auch Griechisch, Hebräisch und Latein sowie Kirchengeschichte und Sozialethik auf dem Stundenplan. Dann folgen zwei Jahre im Pastoralkurs: Nach einem Jahr wird man Diakon, nach zwei Jahren folgt die Priesterweihe. Katholische Diakone übernehmen neben sozialen Tätigkeiten auch pastorale Aufgaben. In der katholischen Kirche können nur verheiratete Männer ab 35 Jahren und ledige Männer ab 25 Jahren, die sich dem Zölibat verpflichtet haben, Diakon werden.

Andreas Kolb kurz und bündig

Was gibt Ihrem Leben Sinn?

Andreas Kolb: Zunächst gibt meinem Leben der Glaube an Gott Sinn. Ich weiß, dass ich in allen Situationen meines Lebens – egal ob freudig oder traurig – einen verlässlichen Begleiter an meiner Seite habe, der mich stärkt. So bin ich in meinem Leben nie alleine. Von dieser Beziehung zu Gott möchte ich anderen Menschen erzählen.

Außerdem gibt das Zusammensein und die Gemeinschaft mit anderen Menschen meinem Leben Sinn. Ich erlebe es als wertvoll, mit anderen Menschen gemeinsam etwas vorzubereiten oder einfach etwas zu unternehmen.

Was können Sie nicht ausstehen?

Kolb: Ich kann es nicht ausstehen, wenn Menschen „hintenrum“ sind. Mir sind schon immer all diejenigen am liebsten gewesen, die einfach sagen, was sie sich denken. Schwierigkeiten habe ich mit Menschen, die etwas ganz anderes sagen, als sie denken.

Was würden Sie gerne einmal tun?

Kolb: In meinem Beruf als Seelsorger möchte ich weiterhin Menschen begleiten und ihnen in ihrem Leben Freude und Kraft spenden. Besonders möchte ich auch weiterhin mit motivierten Jugendlichen gemeinsam im Glauben unterwegs sein.

Persönlich stehen für mich ganz viele Berge auf dem Programm. Gerne möchte ich einmal den Mont Blanc besteigen.

Wann sind Sie schon an Ihre Grenzen gestoßen?

Kolb: An Grenzen stoße ich immer wieder, wenn ich vor vielen Menschen reden soll und darf. So waren beispielsweise meine ersten Predigten für mich von großer Aufregung geprägt. Aber ich weiß, wo ich mir in diesen Fällen Unterstützung holen kann. Dadurch kann ich Grenzen in meinem Leben überwinden. An eine persönliche Grenze bin ich gestoßen, als ich den Mont Blanc besteigen wollte. Kurz vor dem Gipfel mussten wir aufgrund der Fitness leider umdrehen. Ich bin dankbar, Grenzen erkennen zu können, die zumindest momentan unüberwindlich sind.

Worauf sind Sie stolz?

Kolb: Ich bin stolz darauf, andere Menschen motivieren zu können. Wie bereits erwähnt, möchte ich immer wieder die Freude weitergeben. Diese Freude schenkt eine Motivation, die einen auch in schweren Situationen des Lebens weitergehen lässt. Ich bin stolz darauf, als Seelsorger diese Motivation und Freude weitergeben zu dürfen.

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