Mit „Aloha“ weg vom Alltagsstress: „Waikiki Sundowner“ um Petro Schkarlat aus Heldenstein veröffentlichen zweite CD

Hawaii-Stimmung dank Lap-Steel-Gitarre. Bandleader Petro Schkarlat vertieft in sein Spiel.
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Hawaii-Stimmung dank Lap-Steel-Gitarre. Bandleader Petro Schkarlat vertieft in sein Spiel.

Die Hawaiianische Musik hat in den vergangenen 100 Jahren die Unterhaltungsmusik nachhaltig geprägt. Petro Schkarlat aus Heldenstein und seine „Waikiki Sundowner“ wollen mit ihrem neuen Album „Aloha Little Hula Girl“ einen Kontrapunkt zur Remmi-Demmi-Musik und stressigen Zeiten setzen. Urlaub für die Ohren sozusagen.

von Andrea Klemm

Heldenstein – Leises Meeresplätschern, weißer Sand und Palmen, die sich im Wind wiegen. Dazu ein exotischer Cocktail mit Blue Curaçao und Schirmchen, ergänzt vom Seufzen der Hawaii-Gitarre als charakteristisches aufwärts quietschendes Glissando. Auch ohne das alkoholische Mischgetränk ist der geneigte Zuhörer der„Waikiki Sundowners“ sofort in Urlaubsstimmung. Die neue CD „Aloha Little Hula Girl“ ist voll mit Musik, die Kopfkino erzeugt – und gute Laune.

Produktion ist fertig

Genau das, was Petro Schkarlat, der Kopf der Band und auch ihre Stimme, im Sinn hatte, als er sich an die Arbeit machte. Der Heldensteiner ist in den letzten Zügen, die Produktion der CD im hauseigenen Studio ist abgeschlossen. Im Keller des Einfamilienhauses hat sich der erfahrene Hobby-Musiker einen Aufnahme- samt Regieraum eingerichtet. Der gelernte Masseur, der auch eine Praxis für Physiotherapie betreibt, spielt die Lap-Steel, (Hawaii-Gitarre), die für die unverkennbare Südsee-Stimmung sorgt.

Gemeinsam mit Edi Hofmann (Bass), Charlie Baier (Cajon-Set), Luggi Mühlegger (Sax, Ukulele) und Thomas Baumann (Rhythmus-Gitarre) hat er die Stücke für das Album aufgenommen. Zusammen haben die fünf Musiker weit über 150 Jahre Bühnenerfahrung.

Mit Youtube Spieltechnik verfeinern

Petro Schkarlat ist in der Region kein Unbekannter. Der 63-Jährige war Mitbegründer einiger Bands und hat unter anderem mit „Backroad & Friends“ überwiegend eigene Songs veröffentlicht, die auch auf Bayern 1 oder Antenne Bayern liefen. Die Bluegrass-Szene bedient Schkarlat auch heute noch mit seiner zweiten Band „New Backroad“.

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Vom Banjo an die Lap-Steel ist für den musikalischen Autodidakten nur ein Wimpernschlag. Er spielt zudem Mandoline, Geige, und etwas Dobro. Auch ein Kontrabass steht hier. „Youtube sei Dank, werde ich immer besser.“ Schkarlat schmunzelt und zeigt, wie er den Channel nutzt, um mit Online-Videos diverse Techniken zu perfektionieren. In seinem Musikraum, den er liebevoll „Selbstverwirklichungszimmer“ nennt, klickt er am Computer auf „Bluegrass Fiddle Lessons für Geige“.

Höher, schneller weiter - ist das ein erstrebenswertes Ziel?

Bluegrass ist technisch sehr anspruchsvoll, kraftvoll, schnell und präzise. Hier die Geschwindigkeit, die Leistung, noch einmal zu erhöhen – „ist das ein Maßstab als Musiker, das Höher, Schneller, Weiter?“, fragt er nachdenklich und schaute zurück an den Zeitpunkt, wo das dringende Bedürfnis in ihm wuchs, einen Kontrapunkt zu setzen.

Das war vor sieben Jahren. „Ich haute die Bremse rein und sagte mir: Und jetzt genau in die andere Richtung.“ Mit der Hawaii-Musik wollen die „Waikiki Sundowners“ die Zuhörer „runterholen vom Dauerdruck im Alltag“.

Ton- und Harmoniefolgen der Hula-Musik können das. Und die setzten sich in den vergangenen 100 Jahren weltweit in der Musikszene durch. „Hawaii-Musik prägt die Unterhaltungsmusik seither nachhaltig“, stellt Schkarlat fest, der seit seinem 14. Lebensjahr Musik macht.

Konzertmeister Mankowski prägte ihn

Aufgewachsen ist er in Waldkraiburg und ging durch die Schule von „Konzertmeister“ Gerhard Mankowski. „Der war eine Institution.“ Durch ihn lernte Petro die Barré-Griffe auf der Gitarre. Heute steht Schkarlat an der Lap-Steel und demonstriert mit dem abgerundeten Stahl-Bolzen, dem Steel-Bar, und einer wischenden Handbewegung über die Saiten – einem Slide – wie schnell das geht: Stress raus, Urlaub im Kopf an.

Die Lap-Steel spielt man, bei kleineren Modellen, auf den Knien liegend und mit sechs oder acht Saiten. Größere brauchen ein Stativ. Klar, dass Petro, der Perfektionist, auch so Eine sein Eigen nennt. Die Weiterführung wäre die Pedal-Steel, die sogar Knie- und Fußpedale hat. „Damit kann man schneller spielen. Mit diesen Instrumenten lässt sich der ,Sustain‘ länger rauskitzeln, als etwa bei der E-Gitarre“, erklärt er den Nachklang.

Lapp-Steel sorgt für Klangteppich

Mit der Lap-Steel sorgt er für den Klangteppich, erzeugt „schwebende Töne“. Und liebt es, mit seiner Band zu musizieren – und mit dem Kopf in Honululu zu sein. Ein Teil der Combo kennt sich bereits von „Backroad“-Formationen.

Warum ist diese Musik so entspannend? Schkarlat stellt fest, die polynesische Volksmusik sei nicht so sehr Rhythmus betont. „Viel Bass und Bumm-Bumm bringt die Leute in Stimmung, putschen sie auf. Bei der Hawaiianischen Musik ist die Harmonie im Vordergrund“, sagt er.

Costa Cordalis‘ „Anita“ hat „Lovely Hula Hands“

Oft bringt man Hawaii-Musik mit Elvis Presley der 60er Jahre, oder „Santo und Johnnie“ in Verbindung. Oder kennt Don Ho, der in „Bezaubernde Jeannie“ Auftritte hatte. „Das ist Old School, eher getragener Stil. Ich will diese Musik auf die moderne Stufe heben“, hält Schkarlat fest und deutet auf seine CD.

Auch Swing, Country und Blues auf der Scheibe

Die bekanntesten Hawaiianischen Stücke sind Volkslieder, wie „Aloha Oe“ (bedeutet „Fahre wohl“, Anm. d. Red.), das Evergreen die letzte Königin der Inselgruppe, Lili’uokalani, im Jahr 1877 komponiert hatte. Jeder kennt „Lovely Hula Hands“ aus den 1930er Jahren. „Vielleicht nicht das Original, aber doch die Melodie“, schmunzelt der Heldensteiner und sucht eine Interpretation davon auf Youtube. Hier hat eindeutig Costa Cordalis‘ „Anita“ ihren Ursprung.

Die Scheibe bietet neben Hula- auch Swing- und Country- sowie Instrumentalstücke. Und ohne Blues geht es auch nicht, der wiederum nicht ohne Liebe und gebrochene Herzen auskommt. So geht es beispielsweise in „Heaven‘s just a Sin away“ geht es um Trennung – hulamäßig aber wird das Beziehungsende gut gelaunt besungen. In „Aloha Little Hula Girl“ besingt die Band eine verpasste Chance der Liebe auf einer Insel, aber der Seemann muss weiterziehen.

Am 12. Dezember beim Winter Tollwood

Nun können es Schkarlat und seine Combo kaum erwarten, bis es heißt „Da ist das Ding“ – bestückt mit Songs aus Schkarlats Feder. Voraussichtlich ist es am 6. Dezember so weit. Auf Itunes, Amazon und Spotify kann man die Songs bereits streamen. Abgemischt wurde das Album von Alex Klier aus den LXK Studios München – der auch die Sportfreunde Stiller gemastert hat. Da darf man gespannt sein.

Wer die Gruppe live erleben will, sollte sich am 12. Dezember aufmachen zum Winter Tollwood nach München. Um 16.30 Uhr zaubern die „Waikiki Sundowners“ Urlaubsstimmung.

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