Pendler zwischen USA und Deutschland

„Alles besser als Trump!“ Heidi und Mike aus Mühldorf drücken Biden die Daumen

Heidi und Mike Henson verhehlen nicht, dass sie gerne Joe Biden als neuen Präsidenten hätten. Politischen Diskussionen mit Freunden gehen sie schon lange aus dem Weg. „Trump ist es nicht wert, dass man deswegen Freundschaften aufs Spiel setzt“, sagen die beiden, die seit 2004 in Kansas leben.
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Heidi und Mike Henson verhehlen nicht, dass sie gerne Joe Biden als neuen Präsidenten hätten. Politischen Diskussionen mit Freunden gehen sie schon lange aus dem Weg. „Trump ist es nicht wert, dass man deswegen Freundschaften aufs Spiel setzt“, sagen die beiden, die seit 2004 in Kansas leben.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Die Vereinigten Staaten wählen. In der Nacht auf Mittwoch wird sich entscheiden, ob Donald Trump Präsident bleibt oder Joe Biden die Nachfolge antritt. Wenn es nach Mike und Heidi Henson geht, ist es Zeit für einen Wechsel. Heidi Henson ist in Mühldorf aufgewachsen und wohnt seit 2004 in den USA.

Mühldorf/Topeka – „Alles ist besser als Trump“, sagt die Mühldorferin, die seit 2004 mit ihrem Mann in den USA lebt, aber regelmäßig zwischen den USA und Deutschland pendelt. Die Wahl wird sie sich bei ihrer Tochter in Neusäß anschauen. Eine Wahl, die schon seit Langem die Nation spaltet, wie auch Heidi und Mike Henson in den vergangenen Monaten feststellen mussten. „Wir sind irgendwann den politischen Diskussionen im Freundeskreis aus dem Weg gegangen. Trump ist es nicht wert, dass man deswegen Freundschaften aufs Spiel setzt.“

Eine Wahl spaltet die Nation

Demokraten hier, Republikaner dort. Die einen sind sehr linkslastig geworden, die anderen mehr nach rechts gedriftet. Der Rassismus ist spürbar größer geworden, der Wirtschaft geht es schlecht. „Es gibt nichts, was eine Wiederwahl Trumps rechtfertigen würde“, findet Mike Henson. Er ist in Deutschland als Sohn eines Soldaten und einer Deutschen geboren, 1952 zog er mit seinen Eltern von Frankfurt in die USA. Da war er drei Jahre alt. Er habe einige Präsidenten miterlebt, die sozialen Unruhen, als die Schwarzen um ihre Rechte gekämpft hatten, den Vietnam-Krieg und Watergate. Doch die gesellschaftliche Spaltung, die er in den USA gerade erlebt, bereite ihm Kopfzerbrechen. Gerade in einem so konservativen Bundesstaat wie Kansas spüre man das, wo Mike und Heidi Henson seit 2004 leben, nicht weit von der Hauptstadt Topeka entfernt.

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Sozial und liberal – und zwischen den Stühlen

„Als Menschen, die sich politisch eher sozial-liberal der Mitte zugehörig fühlen, ist es schwierig, diese unerschütterliche Loyalität zu Trump zu verstehen“, sagt auch Heidi Henson, die in Mühldorf aufgewachsen ist und ihren Mike 1997 bei einem USA-Aufenthalt kennen und lieben gelernt hat.

Mike Henson ist unerschütterlicher Optimist

„Dabei bin ich immer noch Optimist“, sagt Mike Henson. Das sei er auch vor vier Jahren gewesen, „da war ich zu 100 Prozent davon überzeugt, dass Hillary Clinton das Rennen machen wird.“ Und dieses Mal? Der Nimbus des Revoluzzers, der gegen das Establishment ankämpft – darauf könne Trump nun nicht mehr bauen, sagt Henson.

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Trump hat der Wirtschaft geholfen, aber auf Kosten der Umwelt

„Man hat ihm eine Chance gegeben. Eine Zeit lang hat das auch der Wirtschaft geholfen – auf Kosten der Umwelt.“ Doch seine Ignoranz gegenüber der Corona-Pandemie, das werde ihm jetzt auf die Füße fallen, meint Mike Henson fast schon wütend. „Ich hoffe es zumindest! Denn die Ökonomie ist am Boden.“ Auch wenn er dann differenziert: Auch Joe Biden wird kein Patentrezept gegen Covid-19 haben!“

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Der amerkanischen Bevölkerung fehlt es an Differenzierungsfähigkeit

Apropos Differenzierungsfähigkeit – der Mangel daran, das ist, was Heidi Henson der amerikanischen Bevölkerung ankreidet. Viele würden auf das populistische Gebaren des US-Präsidenten hereinfallen.

Auch bei den Wahlen? „Es wird davon abhängen, wie viele schwarze Frauen zum Wählen gehen“, ist Mike Henson überzeugt. Die hätten seinerzeit noch fleißig für Barack Obama gestimmt, doch seien sie vor vier Jahren von den Urnen ferngeblieben.

Kamala Harrs könnte Biden-Wähler abschrecken

Dass Biden auf der anderen Seite mit Kamala Harris eine Senatorin mit indisch-jamaikanischen Wurzeln als mögliche Vize-Präsidentin ins Rennen geht: Das wiederum könnte die „unterschwellig rassistischen Wähler“, wie Henson sie nennt, davon abhalten, bei dem betagten Bewerber der Demokraten ein Kreuzchen zu setzen.

Hart umkämpfte Swing-States

Entscheidend wird sein, wie die beiden in den Swing-States abschneiden. „Pennsylvania, Michigan und Wisconsin – daran wird die Präsidentschaft entschieden“, glaubt Henson.

Aufbleiben werden die beiden nicht. „Es reicht, wenn das letzte Wahllokal in Kalifornien geschlossen wird. Das wird wohl gegen 7 Uhr morgens sein“, weiß Heidi Henson. Dass der neue Präsident dann schon feststehen wird, glaubt sie trotzdem nicht.

Es wird ein knappes Ergebnis erwartet

Auf jeden Fall rechnen die beiden mit einem knappen Ergebnis. „Bis alles ausgezählt ist, wird es Donnerstag, Freitag werden. Ich hoffe, dass Biden gewinnt und das Kapitel Trump dann ein für alle Mal geschlossen wird.“ Ob dann Ruhe einkehren wird? Da ist sich Mike Henson nicht sicher: „Trump ist bis zum 20. Januar im Amt und kann noch einige Strippen ziehen!“

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