Ein Bier gegen den Volksfest-Blues: Heute wäre die Wiesn in Mühldorf losgegangen

Das wär’s gewesen: Volle Zelte, beste Stimmung. Am Abend es 28. August hätte das Mühldorfer Volksfest beginnen sollen. Das Foto stammt aus dem letzten Jahr und weckt wehmütige Erinnerungen.
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Das wär’s gewesen: Volle Zelte, beste Stimmung. Am Abend es 28. August hätte das Mühldorfer Volksfest beginnen sollen. Das Foto stammt aus dem letzten Jahr und weckt wehmütige Erinnerungen.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Um 18 Uhr hätte es losgehen sollen, Auszug, Böllerschießen, anzapfen, die erste Maß, das erste Prosit der Gemütlichkeit: das Mühldorfer Volksfest 2020. Doch die Corona-Pandemie hat es verhindert. Wir haben leidenschaftliche Volksfestbesucher gefragt, wie sie über die nächsten elf Tage kommen.

Mühldorf – Statt am Abend erstmals den Bierschlegel zu schwingen, sitzt Bürgermeister Michael Hetzl zu Hause. „Ich verbringe den Abend mit meiner Familie. Vielleicht gibt es beim Abendessen ein Bier dazu.“ Volksfeststimmung jedenfalls sieht anders aus. Und die vermissen in den kommenden elf Tagen vermutlich über 200 000 Menschen, die in den kommenden Tagen ab dem 28. August Abend gefeiert hätten.

Die Heimatzeitung hat begeisterte Volksfestgänger gefragt, was sie am Abend der eigentlichen Volksfesteröffnung tun werden und wie sie sich fühlen. Carolin Priller, Volksfestkönigin im letzten Jahr und heuer ohne Nachfolgerin, will in Erinnerungen schwelgen: „Ich werde mich mit meiner Familie gemütlich zusammensetzen, ein Bier trinken und an die schönen Momente des letzten Jahres erinnern.“ Dazu gehört für sie vor allem, dass sie im vergangenen Jahr so viele nette Volksfestbesucher kennengelernt hat. Heuer tauscht sie am Wochenende das Kettenkarussell gegen ihr Motorrad.

Letztes Jahr ging es für Volksfestköniging Carolin Priller noch rund.

Ein sehr emotionales Thema

„Wir haben fürs „Fest`l dahoam“ unser Festbier in Flaschen abgefüllt und dazu gibts Schweinswürstel mit Sauerkraut als Alternative zum Hendl“, sagt Amalie Röhrl von der Brauerei Erharting. „Am meisten werde ich die Geselligkeit vermissen. Ich treffe viele Leute am Mühldorfer Volksfest - manche nur dort.“ Arbeit hat Röhl auch ohne Volksfest genug, der Betrieb in der Brauerei und in der Landwirtschaft läuft weiter. „Nachdem heuer alle Feste ausgefallen sind, habe ich mich schon an freie Abende gewöhnt.“

Drei Bieradelige: Die Bräuinnen Amalie (links) und Marlies Röhrl zusammen mit Bayerns Bierkönigin Vroni Ettstaller

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Weißbräu Wolfgang Unertl denkt zurück: „Fünfundfünfzig Jahre meines Lebens habe ich nicht darüber nachdenken müssen, weil die ganze Familie immer, um diese Zeit auf Hochtouren fuhr. Es ist für mich schon ein sehr emotionales Thema“, sagt er. Am Abend will er Rahmschwammerl kochen und meiner seinr Frau Silke und Freunden anstoßen. „Und dabei denken wir auch an meine Eltern und das alte Team, die das Mühldorfer Volksfest mit Leidenschaft zelebrierten.“

Sie haben wenigstens ihr eigenes Bier zum Anstoßen: Silke und Wolfgang Unertl. Die berühmten Rahmschwammerl müssen sie sich aber selbst zu bereiten.

Bei Mühldorfs Seniorenreferentin Claudia Hausberger „wird normaler Alltag herrschen, mein Urlaub ist schon vorbei, ich werde die ersten Termine und Besprechungen, die nach der Sommerpause anstehen, absolvieren“. Dazu gehört kein Bummel über den Volksfestplatz, „wo man üblicherweise auf viele Freunde und Bekannte trifft.“

Das Nachcorona-Volksfest planen

An die denkt auch Volksfestmanager Walter Gruber mit Wehmut. „Ich werde die vielen glücklichen und fröhlichen Menschen vermissen“, sagt er. Am Abend jedenfalls will er seinen Wiesnblues stilecht bekämpfen. „Ich werde mir zu Hause meinen Volksfest Maßkrug, mit einer frischen Maß Festbier füllen und wehmütig an’s erste Prosit der Gemütlichkeit in den Festzelten denken.“ Danach, das hat er sich fest vorgenommen, geht es Richtung Nachcoronazeit: „Ich werde das Mühldorfer Traditionsvolksfest für 2021 planen.“

Nix wird es heuer mit der ersten Maß nach dem Anzapfen: Volksfestmanager Walter Gruber mit Mühldorfs ehemaliger Bürgermeisterin Marianne Zollner.

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Eines der ersten Prosits hätte Sepp Bernhart, Blasmusiker. „Stattdessen werde ich zu Hause auf der Terasse ein Bier trinken, da wir mit der Blaskapelle Altmühldorf das Standkonzert nicht spielen dürfen.“

Auch Gauschützenmeister Erich Jungwirth will den Volksfest-Bierdurst mit Bier bekämpfen, „und das Glas auf alle Beteiligten des Auszuges sowie die Schausteller und Festwirte erheben, die heuer so große finanzielle Einbußen in Kauf nehmen müssen.“ Am meisten vermisst er natürlich den Schützen- und Trachtenzug und das Volksfestschießen. „Wie meist habe ich zu dieser Zeit Urlaub. Ich hoffe, ein paar Tagesausflüge mit meiner Frau unternehmen zu können.“

Nicht nur für Gauschützenmeister Erich Jungwirth ein Verlust: Der Trachtenzug.

Und was macht der Bürgermeister jetzt elf Tage lang, der um sein erstes Volksfest als Bürgermeister gebracht wurde? „Arbeiten, es gibt genug zu tun.“

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