Alle planbaren OP‘s verschoben – Inn-Klinik erleidet durch Corona-Krise starke Einbußen

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Die Fusion der Kreiskliniken Mühldorf und Altötting ist vollzogen, doch im Focus steht derzeit mehr die Bewältigung der Corona-Krise. Dafür seien die Kliniken gut aufgestellt, sagt Geschäftsführer Dr. Simon Machnik. Er fürchtet aber finanzielle Schwierigkeiten durch die Reduzierung des Normalbetriebs.

Von Markus Honervogt

Mühldorf – Die Corona-Krise hat nicht nur Auswirkungen auf Mitarbeiter und Patienten des Inn-Klinikums. Sie wird auch die finanzielle Leistungsfähigkeit der fusionierten Krankenhäuser der Landkreis Mühldorf und Altötting prägen. Wir wollten von Geschäftsführer Dr. Simon Machnik wissen, welche Auswirkungen die Corona-Krise hat.

Ist die medizinische Grundversorgung in Corona-Zeiten für Normalkranke gesichert?

Unsere strategische Antwort auf die Corona-Krise ist, dass Mühldorf für Verdachtsfälle und infizierte Patienten die erste Anlaufstelle in den beiden Landkreisen ist. Dadurch schaffen wir insbesondere in Altötting und Haag die Möglichkeit, die Akutversorgung und die geriatrische Reha für beide Landkreise am Laufen zu halten. In der Praxis geht das Konzept bisher voll auf, wenngleich die Belastung der Mitarbeiter weiterhin groß ist. Bei allen strategischen Überlegungen gilt ihnen unser Dank, es ist bemerkenswert, was hier aktuell geleistet wird.

Wann können geplante Operationen wieder stattfinden?

Sämtliche geplanten Operationen, die medizinisch vertretbar verschoben werden können, mussten nach der Allgemeinverfügung verlegt werden. Wir haben uns bisher ganz auf die Versorgung von Covid-Patienten und natürlich auf die Akutversorgung der Bevölkerung in den beiden Landkreisen fokussiert. Nachdem sich die Situation in unserem Covid-Haus in Mühldorf langsam etwas entspannt, entwerfen wir in der Task Force bereits „Exit-Strategien“ um ausgesetzte Operationen wieder in einem verträglichen Umfang durchführen zu können, sobald dies erlaubt ist. Es ist hier natürlich ein gewisser Stau an medizinischen Eingriffen entstanden, den wir zeitnah angehen müssen, ohne die Versorgung der Corona-Patienten zu beeinträchtigen.“

Wie wird sich die Coronakrise wirtschaftlich auf die Kliniken auswirken?

Durch die temporäre Umstrukturierung des Inn-Klinikum und die damit durch die Verordnung notwendige Absage sämtlicher geplanter Operationen haben wir massive Einbrüche bei den Einnahmen, gleichzeitig haben wir erhebliche Mehrkosten bei Personal- und Sachkosten. Für persönliche Schutzausrüstung haben wir beispielsweise bereits einen hohen sechsstelligen Betrag ausgegeben.

Hilft Ihnen die finanzielle Unterstützung durch den Staat?

Das bis jetzt verabschiedete Finanzierungspaket ist leider noch nicht ausreichend und zudem so gestaltet, dass es Gewinner und Verlierer der Krise geben wird.

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Es wäre ein schönes Signal gewesen, wenn die Kliniken eine Einnahmensicherheit bekommen hätten, in dem Vertrauen, dass sie auch alles für eine bestmögliche Bewältigung der Krise unternehmen. Das ist leider nicht der Fall und alle Kliniken müssen sich auf die Versprechungen verlassen, dass es weitere Maßnahmen geben kann, wenn diese erforderlich sein werden.

Die Fusion ist jetzt formal vollzogen. Was bedeutet das für Mitarbeiter?

„Es bedeutet zahlreiche neue und spannende sowie hoffentlich viele positive Herausforderungen auf der einen Seite und eine verbriefte Jobsicherheit auf der anderen Seite.“

Und für die Patienten?

Zunächst ist es ein offensichtlicher Vorteil, dass wir die Gesundheitsversorgung für zwei Landkreise mit mehr als 220.000 Einwohnern ganzheitlich organisieren können. Die Reibungsverluste, die es zwischen den Kliniken durch die besondere Konkurrenzsituation gab, haben niemanden genutzt. Jetzt haben wir die Chance, die Konkurrenzsituation zu beseitigen, Leistungsspektren genau und durchdacht aufeinander abzustimmen und gemeinsam nur für unsere Patienten zu denken. Wir erwarten dadurch eine deutliche Verbesserung der Gesundheitsversorgung in den Landkreisen Altötting und Mühldorf.“

Wie bewerten Sie den Stand der Fusion?

„Zunächst bleibt festzuhalten, dass Corona die Fusion überschattet, weil sich dadurch die Prioritäten der Klinik und die Bedürfnisse der Bevölkerung grundlegend verändert haben. Klinikmanagement bedeutet derzeit Krisenmanagement auf allen Ebenen.

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Die Fusion hat uns aber im Umgang mit Corona Chancen geboten, die vor Jahren undenkbar gewesen wären. Wir haben gemeinsam für zwei Landkreise entschieden, in der ersten Stufe Mühldorf als Corona-Klinik zu etablieren. An dieser Stelle hoffe ich, dass das Zusammenwachsen, die gegenseitige Ergänzung und Unterstützung beschleunigt wird.“

Was sind die nächsten Schritte?

„In der Krisenzeit zählt für uns in erster Linie die bestmögliche Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in den Landkreisen Altötting und Mühldorf. Alles andere muss nebenher laufen oder hinten anstehen. Nach der Krise werden wir die Zentrenbildung weiter vorantreiben und weiter intensiv an der Umsetzung des medizinischen Konzepts arbeiten. Dadurch entstehen größere und noch schlagkräftigere Einheiten, was die Versorgungssicherheit für unsere Patienten deutlich verbessern wird.“

InterView Markus Honervogt

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