Aktivitäten heruntergefahren: Corona trifft Feuerwehren, Blaskapellen und auch Sportvereine

Ob das traditionelle Saugrillender Freiwilligen Feuerwehr Mühldorf heuer starrfinden kann, steht noch in den Sternen. Bauer
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Ob das traditionelle Saugrillender Freiwilligen Feuerwehr Mühldorf heuer starrfinden kann, steht noch in den Sternen. Bauer

Keine Vereinsfeste, leere Kassen: Doch die Ehrenamtlichen zeigen sich erfinderisch. Wie sich Feuerwehren trotzdem fortbilden und Musiker für Stimmung sorgen.

Mühldorf – Die Corona-Epidemie hat auch das heimische Vereinsleben fest im Griff. Einnahmen fallen weg, Mitglieder können sich nicht treffen und große Veranstaltungen finden nicht statt. Ob Sportverein oder Blaskapelle – die Einschränkungen treffen alle.

Innerhalb des Vorstands der Mühldorfer Wehr, aber auch in enger Abstimmung mit den Kameraden der beiden Feuerwehren in Mößling und Altmühldorf war schnell klar, dass die Durchführung von Festen in der nächsten Zeit nicht zu verantworten wäre. Das Fischgrillen am Karfreitag war bereits zeitnah abgesagt worden. Der Vorsitzende Dr. Gerhard Deißenböck geht aktuell davon aus, dass auch das Sommerfest am 13. Juni ausfallen wird. Und auch hinter dem Kirchweihsaugrillen im Oktober steht ein großes Fragezeichen. Das macht sich finanziell bemerkbar. Deißenböck spricht von rund 5000 Euro, auf die der Verein durch die Streichungen der Veranstaltung in der Kasse fehlen würden. Da das Geschäftsjahr 2019 jedoch mit einem sehr guten Ergebnis geschlossen habe und auch in den Jahren zuvor gute Erträge erzielt worden seien sieht der Feuerwehrchef in diesem Jahr seinen Verein finanziell gut gewappnet.

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Im Gegensatz zu anderen Vereinen in der Stadt sind die Feuerwehren auch in der derzeitigen Lage in einer besonderen Rolle. „Als Teil der kritischen Infrastruktur sind die Feuerwehren systemrelevant. Im Zuge der Pandemie musste hier schnell und konkret reagiert werden“, so Deißenböck. Die Kommandanten der drei Mühldorfer Feuerwehren hätten sich gut auf ein gemeinsames Vorgehen abgestimmt.

„Der Aufenthalt in den Gerätehäusern ist auf ein Minimum begrenzt. Außenstehende haben keinen Zutritt mehr. Die Einsatztaktik wurde an die Vorgaben des Robert-Koch-Institutes und die Hinweise der Unfallversicherungsträger angepasst“, erklärt Kommandant Martin Strasser. Damit in den Fahrzeugen der Mindestabstand eingehalten wird, sei immer ein Platz zwischen den Kameraden freizuhalten.

Übungsbetrieb der Feuerwehr eingestellt

„Der Übungs- und Ausbildungsbetrieb wurde bis auf Weiteres komplett runtergefahren“, erzählt Dr. Gerhard Deißenböck aus dem Tagesgeschäft einer Feuerwehr. Denn zurzeit könnten keine Lehrgänge, Aus- und Fortbildungsveranstaltungen besucht werden, nachdem die Staatlichen Feuerwehrschulen ihren Betrieb eingestellt haben. Der Freistaat Bayern stellt allerdings über die Feuerwehrschule Würzburg eine E-Learning-Plattform zur Verfügung. Besprechungen werden online im virtuellen Raum abgehalten.

Strasser und Deißenböck sind sich einig, dass sich nach der Pandemie in den Feuerwehren Vieles verändert haben wird. „Diese Herausforderung bringt neue Möglichkeiten mit sich, was die ersten Schritte hin zu einer nachhaltigen Digitalisierung zeigen.“ Wichtig sei ihnen, festzuhalten, dass sich die Bürger auch in diesen schwierigen Zeiten auf ihre Feuerwehren verlassen könnten.

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Mit der Absage des Altstadtfestes hat auch die Volleyballabteilung des TSV Mühldorf nun die Gewissheit, dass es in diesem Jahr kein Beachevent geben wird. Der Volleyballverband hatte bereits vor Wochen den Spielbetrieb in der Halle eingestellt. Jetzt trifft es also auch das prestigeträchtige Turnier am Mühldorfer Stadtplatz, das der Volleyballabteilung stets einen warmen Geldregen beschert hatte. An die 100 Ehrenamtliche waren Jahr für Jahr im Einsatz, damit das Volleyballspektakel stattfinden konnte.

300 Tonnen Sand werden dafür seit mehr als 15 Jahren auf dem Stadtplatz aufgeschüttet. Abteilungsleiter Stefan Bartsch kann für 2020 nur mit den Schultern zucken. „Da kann man nichts machen, die Gesundheit geht vor. Unserer Abteilung gehen damit aber große Einnahmen flöten.“ Er beziffert den Verlust auf rund 20 Prozent des Jahresbudgets der Abteilung.

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Auch bei der Fußballabteilung des TSV 66 Polling machen sich die Corona-Einschränkungen bemerkbar. „Das Sommerfest mit Hobby-Turnier und das Starkbierfest sind schon abgesagt. Das ist finanziell schon ein schwerer Schlag“, berichtet Abteilungsleiter Josef Bauer, „Wie freuen uns über jeden Zuschauer, doch diese Einnahmen reichen oft nur, um den Schiedsrichter zu bezahlen. Die Trainer bei den Herren und Damen haben auf ihre Vergütungen verzichtet“, sagt Bauer. Das Training findet in Polling digital statt, wie es in der A-Klasse weitergeht, ist noch völlig offen. Mitgliederverluste hat die Fußball-Abteilung bisher nicht hinnehmen müssen.

Blaskapelle probt im digitalen Wohnzimmer

„Finanziell halten wir das aus und unsere Mitglieder halten uns die Treue“, macht sich auch Werner Hussy, Vorsitzender der Stadtkapelle Mühldorf, keine allzu großen Gedanken über Einbußen. Doch auch er sagt: „Es ist alles auf Eis gelegt.“ Die Kapelle hat keine Auftritte und damit auch keine Einnahmen. „Wir hätten in den nächsten Wochen zwei feste Termine in Teising und Polling. Die sind zwar noch nicht abgesagt, aber es ist auch nicht realistisch, dass sie stattfinden“, berichtet Hussy. Die Kapelle hat die Probenarbeit eingestellt und hofft, dass sich das Leben bald wieder normalisiert.

Vorgezogene Schäfflertänze

Auf dem Pollinger Volksfest wäre auch die Blaskapelle Altmühldorf vertreten gewesen. „Doch das wird wohl nichts“, bedauert deren Vorsitzender Sepp Bernhart. Das eigene Sommerfest am 11. Juli? Abgesagt. Das Altstadtfest auf der Wies? Abgesagt. Die Fahnenweihe in Oberneukirchen? Findet nicht statt. „Bleibt die Hoffnung auf das Volksfest Mühldorf“, doch Bernhart befürchtet, dass es auch daraus nichts wird.

Unterkriegen lassen sich die Musiker aber nicht. Der Probenraum wurde ins digitale Wohnzimmer verlegt. Zum Frühschoppen verknüpften sich die Musiker, um über eine gemeinsame Applikation ein gemeinsames Prosit einzuspielen. Und um zu proben: den Schäfflertanz zum Beispiel. Denn eines ist laut Musikerchef Sepp Bernhart nach dem Seuchenjahr gewiss: „Wenn die Corona-Krise erst einmal vorbei ist, dann steht die Blaskapelle bereit, um mit den Schäfflern aufzutreten!“

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