Aktiv für Wollgras und Fieberklee

Ein zugewachsener Toteiskessel vor der Sanierung in Haag. Foto re
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Ein zugewachsener Toteiskessel vor der Sanierung in Haag. Foto re

"Fast jeden Tag hat jemand ein unfreiwilliges Moorbad in einem Toteiskessel genommen, doch es hat sich gelohnt", stellt die Geografin Lucia Karrer fest. "Alle im Frühjahr geplanten Pflegemaßnahmen konnten rechtzeitig durchgeführt werden." Landratsamt Mühldorf und Bund Naturschutz erhalten die Toteiskessel um Haag.

Haag - Wassergefüllte Toteiskessel zählen als Relikte der letzten Eiszeit zu den naturkundlichen Besonderheiten im westlichen Landkreis Mühldorf. Toteiskessel sind zehn bis 100 Meter breite Senken, die sich während des Rückzugs der Gletscher durch Abschmelzen im Moränenschutt verbliebener Eisblöcke, dem sogenanten "Toteis" bildeten. Viele dieser "Mösel" sind inzwischen verlandet. Das Landratsamt Mühldorf, Untere Naturschutzbehörde, und die Kreisgruppe des Bund Naturschutz haben mit der Sanierung mehrerer Kessel am Haager Toteiskesselweg begonnen.

"Im oberbayerischen Volksmund werden diese kleinen Weiher oder feuchten Mulden auch "Moos" oder "Mösel" genannt", so Lucia Karrer, die sich seit ihrer Diplomarbeit vor über 15 Jahren mit Toteiskesseln beschäftigt. Nach ihrem Konzept wurde vom Bund Naturschutz und der Agendagruppe Haag ein Wanderweg in den Jungmoränen bei Lerchenberg eingerichtet, der zu besonders schönen Kesseln führt und der es den Besuchern ermöglicht, sich über die Besonderheiten der "Mösel" mit ihrer seltenen Flora und Fauna zu informieren.

Im Lauf der Jahre wurden viele Kessel mit Schutt oder Holzabfällen verfüllt oder sind verlandet. Auch einige der Kessel am Haager Toteiskesselwanderweg sind stark zugewachsen. Das Landratsamt Mühldorf und der Bund Naturschutz haben nun Spendengelder für die Sanierung von Toteiskesseln und die Erweiterung des Toteiskesselwegs erhalten.

Mit den Maßnahmen wurde unter der naturschutzfachlichen Leitung von Lucia Karrer bereits Anfang Februar begonnen. Die Grundstücksbesitzer der Kessel, die Landwirte Simon Binnsteiner und Martin Löw sowie dessen Schwiegersohn Georg Freudl, konnten für die praktische Durchführung der Arbeiten gewonnen werden.

Ziel der Sanierungsmaßnahmen ist es, die Toteiskessel vor einer zunehmenden Verbuschung zu bewahren. Denn die Beschattung durch Bäume und Sträucher bedroht geschützte Pflanzenarten wie Wollgras, Fieberklee und besondere Torfmoose, die auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzenarten Bayerns stehen.

Deshalb wurden am Ufer der Kessel Sträucher zurückgeschnitten, Moorbirken gefällt und Faulbäume samt Wurzelstock entfernt.

Die Arbeiten, insbesondere solche mit schwerem Gerät, gestalteten sich aufgrund der Bodenverhältnisse in diesen Mooren schwieriger und wesentlich gefährlicher als im Wald. In einem der Kessel bereitete schon das Betreten der randlichen Moorfläche mit seinem Schwimmrasengürtel Probleme. So mussten Bretter von Wurzelstock zu Wurzelstock der Moorbirken gelegt werden, um die tiefen Bereiche des Moores zu überwinden. Oft brachen die Landwirte oder die beteiligten Helfer ein, da die schwimmende Torfmoosdecke oder die darüberliegende gefrorene Eisschicht nicht genug tragfähig war.

"Ohne das große Engagement von Martin Löw, Simon Binnsteiner und Georg Freudl hätten die Arbeiten niemals so schnell und vollständig durchgeführt werden können," betont Lucia Karrer. "Auch der Familie Faltermaier ein herzliches Dankeschön, dass sie ihre Wiese für die Sanierungsmaßnahmen bereitgestellt haben."

Die Toteiskesselexpertin plant im Auftrag des Landratsamtes einige weitere Arbeiten noch in diesem Jahr durchzuführen. Zudem erarbeitet sie für den Bund Naturschutz Vorschläge für die Optimierung und Erweiterung des Toteiskesselweges;

Der Haager Toteiskesselweg ist jederzeit öffentlich zugänglich. Nähere Informationen sowie ein Faltplan zum Download im Internet unter http://www.toteiskessel.de. re

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