Kein Ende der Corona-Schließung für große Mühldorfer Läden, und verkleinern ist verboten

Kein Mensch ist unter den Arkaden am Mühldorfer Stadtplatz unterwegs. Das könnte am Montag vor dem Kaufhaus Schmederer auch so bleiben. Denn im Gegensatz zu den kleineren Läden dürfen die großen Kaufhäuser wie Schmederer, Mode Hell oder Media-Markt nicht öffnen. Auch nicht mit verkleinerten Flächen. Honervogt
+
Kein Mensch ist unter den Arkaden am Mühldorfer Stadtplatz unterwegs. Das könnte am Montag vor dem Kaufhaus Schmederer auch so bleiben. Denn im Gegensatz zu den kleineren Läden dürfen die großen Kaufhäuser wie Schmederer, Mode Hell oder Media-Markt nicht öffnen. Auch nicht mit verkleinerten Flächen. Honervogt
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
    schließen

Wenn am Montag die Geschäfte wieder öffnen dürfen, gehen die Betreiber großer Läden über 800 Quadratmeter leer aus. Ihre Kaufhäuser bleiben zu. Das trifft in Mühldorf vor allem Mode Hell und Schmeder am Stadtplatz. Entsprechend groß ist der Ärger der Inhaber, die seit Wochen zu kämpfen haben.

Mühldorf – Unter großem Druck stehen die Inhaber großer Geschäfte in Mühldorf. „Es ist schon brutal“, sagt Michael Hell, dessen Familie Bekleidungsgeschäfte in Mühldorf und Ampfing betreibt. Denn die großen Geschäfte mit Verkaufsflächen über 800 Quadratmetern dürfen nicht wiekleinere Läden am kommenden Montag öffnen, eine Verkleinerung der Verkaufsfläche ist nicht zulässig.

Corona-Schließung trifft dieses Geschäft besonders hart

Die Familie Hell trifft die Corona-Schließung besonders hart. Nur fünf Tage vor der Zwangsschließung eröffnete sie ein neues Bekleidungshaus am Stadtplatz. Auf 2000 Quadratmeter sollte Damen- und Herrenmode verkauft werden. Doch am 18. März sind die Lichter wieder ausgegangen. Seitdem laufen die Kosten, laut Hell derzeit ein sechsstelliger Betrag in jedem Monat.

Denn noch schlagen neben Krediten und der Miete die Personalkosten für die 51 Mitarbeiter voll auf. Für Azubis und 450-Euro-Kräfte gibt es laut Hell keine staatliche Unterstützung, für die andern seit April Kurzarbeitergeld. Die Auszahlung erfolge aber erst im Mai. Bis dahin muss das laufende Konto herhalten.

Die Familie hilft mit – auch finanziell

Das geht nur, weil alle Familienmitglieder helfen – auch finanziell. Bei Gesprächen mit den Banken komme dem Familienbetrieb zugute, dass er keine GmbH ist. Die Familie haftet voll. Aber: „Das läuft alles über Kredit, den wir zurückzahlen müssen. Wir tragen jetzt einen riesigen Rucksack.“

Christian Rädeke, dem das Kaufhaus Schmederer mit 1600 Quadratmetern am Stadtplatz gehört, sagt, dank der staatlichen Unterstützung könnten die Geschäfte durchhalten: „Aber am Ende müssen wir zurückzahlen.“

Lesen Sie auch: Alle Infos über Corona in der Region

Corona-Schließungen zu kritischem Zeitpunkt

Kritisch sei der Zeitpunkt der Schließung zur Saisoneröffnung gewesen: „Die Lager sind voll, die Kassen leer“, denn es gab zum Frühjahrsbeginn so gut wie keine Einnahmen mehr. „Am Saisonende wäre es leichter geworden.“ Seine 46 Mitarbeiter sind alle in Kurzarbeit.

So bleibt nur der Blick auf den Terminkalender und die Hoffnung, dass es in spätestens zwei Wochen weiter geht. „Wir haben nicht einmal ein genaues Datum“, sagt Hell. Schmederer-Chef Rädeke betont: „Meine Hoffnung ist, dass auch wir wie in Österreich Anfang Mai ohne Einschränkungen öffnen dürfen.“

Lockerung der Corona-Schließung nicht vor 3. Mai

Die Unsicherheit darüber nimmt ihnen die Staatsregierung nicht. Auf Anfrage teilt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mit: „Die derzeitigen Regelungen gelten bis zum 3. Mai, zu Änderungen kann derzeit nichts gesagt werden.“

Auf Unverständnis trifft bei beiden das Verbot, die Verkaufsfläche zu reduzieren und so unter 800 Quadratmeter zu kommen. Dabei gibt es gute Erfahrungen damit, wie eine Sprecherin des Mediamarkts mitteilt, der eine 2500 Quadratmeter große Filiale in Mühldorf betreibt „Es klappt“, sagt Eva Simmelbauer, nachdem die Märkte in elf Bundesländern verkleinert öffnen durften.

Auf die Kunden kommt es an

Nach Einschätzung des Vorsitzenden der Mühldorfer Aktionsgemeinschaft Michael Hetzl hängt die Zukunft aller Geschäfte auf dem Stadtplatz vom Verhalten der Kunden ab. „Kommt auch jemand?“, sei die entscheidende Frage, wenn am Montag die kleineren Läden wieder öffnen dürften. Kurzarbeit, weniger Geld, ungewisse Aussichten und Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen könnten, dazu führen, dass sich viele zurückhielten, sagt Hetzl. „Es sollte schon anspringen, denn die Öffnung kostet auch Geld.“ Auch Schmederer-Chef Rädeke ist skeptisch: „Ich fürchte, dass die Leute etwas anderes brauchen als Kleidung.“

Mit Sonderaktionen über Wasser halten

Mit unterschiedlichen Methoden haben Hell und Schmederer versucht, in den vergangenen Wochen Einnahmen zu erzielen. Während Hell auf Bestellung hin Pakete mit Kleidungsstücken packte und auslieferte, verkaufe Schmederer Gutscheine mit Rabatten, die Kunden nach der Wiedereröffnung einlösen können. „Unsere Kunden haben das sehr gut angenommen, sagt Rädeke, „sie wollten einen lokale Laden unterstützen.“

+++Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

Michael Hell eröffnet am Montag wieder „Hell Blue“ am Stadtplatz. Das Geschäft hätte eigentlich im neuen Kaufhaus aufgehen sollen, sei aber noch nicht vermietet und könne jetzt übergangsweise genutzt werden.

Mehr zum Thema

Kommentare