Mühldorfer Altstadt

Abschied eines Traditionsgeschäfts - Foto Reichelt in Mühldorf schließt Ende November

Es hat sich einfach nicht mehr gelohnt: Monika Reichelt vor ihrem Geschäft, das sie Ende November zusperrt.
+
Es hat sich einfach nicht mehr gelohnt: Monika Reichelt vor ihrem Geschäft, das sie Ende November zusperrt.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
    schließen

Mit Foto Reichelt schließt ein Geschäft, das es seit vielen Jahrzehnten in der Stadt Mühldorf gibt. Sein Ende ist Symbol für den Niedergang einer ganzen Branche.

Mühldorf – Der Räumungsverkauf mit Rabatten läuft schon, in den Regalen zeigen sich erste Lücken, die letzten Tage des Fotostudio Reichelt sind gezählt. Seit 36 Jahren führen Klaus und Monika Reichelt das Geschäft in der Ledererstraße in der Mühldorfer Altstadt, auch der Vorgänger verkaufte Kameras und Bilder, seit den 1950er Jahren. Ende November ist endgültig Schluss.

Monika Reichelt beendet die Geschäftszeit desillusioniert: „Seit Jahren ist die Branche tot, es war nur eine Frage der Zeit.“ Die Verwandtschaft, die Fotogeschäfte in Burghausen und Altötting betrieben hat, hat schon lange zu gemacht.

Lesen Sie auch:

Fassade bekennt Farbe

Konkurrenz für Foto Reichelt

Vor allem Kameras und Zubehör gehen schon seit zehn Jahren nicht mehr, das Internet, die großen Händler auf der grünen Wiese sind einfach billiger, weiß Reichelt. „Zu uns kamen die Leute und haben sich beraten lassen. Dann sind sie gegangen und haben woanders gekauft.“

Bilderrahmen brauchen Menschen nur noch zu besonderen Anlässen, Porträtfotografie ist eine kleine Nische in einer Zeit, in der jeder mit dem Smartphone schnell und preiswert stets neue Bilder machen kann. Und mit der Idee, in Gemeindeverwaltungen Passbildautomaten aufzustellen, grätsche der Gesetzgeber auch in dieses Feld. „Es ist einfach nicht zukunftsträchtig.

Wie Corona die Fotografen beeinflusst

Auch das Geschäft mit den großen Festen gibt es nicht mehr, Corona hat es heuer zerstört. Das Bild kannte man in Mühldorf. Klaus Reichelt rückte mit seiner Tribüne an, um Kommunionkinder oder Hochzeitsgesellschaften zu fotografieren. Heuer nicht.

Klaus Reichelt hat sich in den vergangenen Jahren stark in der Stadt engagiert. Ob als Präsident der Faschingsgesellschaft Inntalia oder als Anwohnersprecher bei der Sanierung der Ledererstraße, setzte er sich für die Stadt und seine Geschäftsstraße ein.

Auch interessant:

Mehr als nur eine Überraschung

Die mit der Sanierung erhoffte Belebung der Gasse hat seinem Geschäft nicht mehr geholfen. Die Kinder der Reichelts haben andere Berufe ergriffen, einen Nachfolger wird es nicht geben.

Kommentare