Lärmbelästigung durch neue Autobahn

Zu laut oder erträglich? Die A94 spaltet rund um Obertaufkirchen die Anwohner

Im Hintergrund rauscht der Verkehr auf der A 94, auf der Wiese vor der Brücke haben sich Anwohner aus Frauenornau getroffen. Evi und Josef Platschka, Maria Huber, Renate Myrth, Leni Luber, Katharina Kühnstetter, Sabine Gentzsch, Anita Gilnhammer (von links) fordern einen besseren Lärmschutz.

Seit gut drei Wochen ist die Autobahn A94 von Mühldorf nach München durchgehend befahrbar. Tausende Autos rauschen an den Menschen vorbei, die seit vielen Jahren in Schwindegg oder Obertaufkirchen wohnen. Viele leiden unter dem Krach der neuen Autobahn.

Obertaufkirchen/Schwindegg – Die meisten der neuen A-94-Kilometer laufen über Obertaufkirchner und Schwindegger Gemeindegebiet. Damit gehören die Menschen in den zahlreichen kleinen Dörfern rund um die beiden Gemeinden zu den Hauptbetroffenen. Sie reagieren sehr unterschiedlich auf den Lärm.

Die A94: Höllisch laut

Petra Kamhuber wohnt mit ihrer Familie im Ortsteils Reibersdorf in Schwindegg umittelbar an der A 94. „Wir empfinden die Autobahn als höllisch laut. Wir haben das Gefühl, die Lastwagen rauschen durch das Grundstück“, sagt sie. „Es ist nicht nur das Brummen, es ist ein richtiges Beben. Es ist unerträglich.“ Kamhuber kritisiert, dass für ihren Weiler keine Lärmschutz gebaut worden sei. „Jetzt sammeln wir Unterschriften.“ Der Lärm wehe von der Brücke in Schwindkirchen herüber. „Man muss doch als Mensch ein Recht haben, dass man da bleiben kann, wo man wohnt!“

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Dieter Grimms Haus steht in Schwindkirchen direkt hinter der Autobahn. Er sagt: „Tagsüber geht’s. Aber nachts kann man die Fenster nicht aufmachen.“ Die Lastwagen würden ein singendes Geräusch erzeugen. „Wie es im Sommer dann ist, wird sich zeigen. Mal sehen, ob man sich an das Geräusch gewöhnt, oder ob man im Sommer noch im Garten auf der Liege liegen mag.“ Auch er kritisiert den Lärmschutz. Wenn der auf der Brücke höher wäre, hätte das nicht geschadet.

Die Mitglieder der Eltern-Kind-Gruppe aus Reibersdorf klagen über die Zunahme des Lärms: Katharina und Nora Schmölz, Marlene und Johanna Folger, Petra Kamhuber, Bernhard Folger, Tim Nitschk, Heike Dimpflmeier (vorne von links), Georg Kumpfmüller, Martina Luber, Christine Kumpfmüller, Alexandra Penzkofer, Anna Penzkofer, Katrin Osterloher, Katrin Tremmel, Karolin Dimpflmeier (hinten von links). Sutherland

Ganz anders empfindet es Klaus Hartl. Er lebt in Obertaufkirchen, sein Haus liegt in der Nähe der Auffahrt auf die Autobahn. „Ich finde die Autobahn gar nicht laut. Ich habe lange genug in München gewohnt. Das war laut vom Mittleren Ring her. Die Zufahrtstrasse ist lebhafter geworden, das ist aber akzeptabel.“

Keine Belästigung durch Lärm

Helmut Geisberger, der auf eine Anhöhe in der Mitte des Ortes wohnt, fühlt sich auch nicht belästigt. „Also ich höre gar nichts von der Autobahn, auch nachts nicht, auch wenn der Wind dreht nicht.“

Für Kerstin Daser hat sich vor allem die Nachtruhe verschlechtert. Die Schlafzimmerfenster ihres Hauses in Obertaufkirchen gehen Richtung Autobahn, die 1,2 Kilometer entfernt ist. „Der Lärm ist relativ konstant, weil die Lastwagen vorbeibrausen. Man hört die Autos auch nachts bei geöffnetem Fenster. Bei offenen Fenstern zu schlafen ist schwierig geworden. Es kommt darauf an, wie der Wind steht, dann hört man sie auch, wenn die Fenster zu sind. Bei uns ist die Schallmauer niedriger als an anderen Stellen.“

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Ganz anders reagieren Anwohner in Frauenornau „Es ist laut, wie auf dem Nürburgring“, sagt Maria Huber aus Friedlrimbach. Sie hat sich, mit einigen anderen Anwohnern der Autobahn, spontan zu einer Gruppe zusammengefunden, die sich nun in Frauenornau unterhalb der Autobahn über den Lärm austauschen.

Anwohneran der A94 fordern besseren Lärmschutz

„Wir haben nicht glauben wollen, dass es so laut wird, wie es ist“, sagt Josef Platschka aus Pfaffenkirchen. „Das Schlimmste ist, dass es jetzt für immer so sein wird“, findet Leni Luber aus Friedlrimbach.

Tag und Nacht lärmt die Autobahn. Wenn es regnet ist es noch lauter und bei Westwind auch. Die jungen Leute sagen schon, sie wollen wegziehen.

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Nicht nur aus Frauenornau, auch aus Pfaffenkirchen, Friedlrimbach, aus Deutenheim, Mimmelheim und Ebering kennen sich die Anwohner mit dem gleichen Problem – dem Lärm der Autobahn. Sie sind der Meinung, ein Tempolimit müsse her und verbesserter Lärmschutz und fordern Messungen, 14 Tage lang, Tag und Nacht, nicht stichprobenartig. Die Anwohner fürchten vor allem, dass sie keinen erholsamen Schlaf mehr finden.

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