A94: Dass Autofahrer jetzt schon auf Schleichwegen zur Autobahn fahren, ärgert die Anwohner 

Auf viel Verkehr ist die Straße zwischen Haigerloh und Reit nicht ausgelegt. Es gibt auf der einspurigen Straße zwar Ausweichbuchten, größtenteils müssen die Autos aber auf das Bankett ausweichen, um aneinander vorbei zu kommen. Die Ausfahrt mit einem Bulldog ist für Thomas Naglmeier nicht immer einfach, denn hier ist Tempo 100 erlaubt.
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Auf viel Verkehr ist die Straße zwischen Haigerloh und Reit nicht ausgelegt. Es gibt auf der einspurigen Straße zwar Ausweichbuchten, größtenteils müssen die Autos aber auf das Bankett ausweichen, um aneinander vorbei zu kommen. Die Ausfahrt mit einem Bulldog ist für Thomas Naglmeier nicht immer einfach, denn hier ist Tempo 100 erlaubt.
  • Raphaela Lohmann
    vonRaphaela Lohmann
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Viele Pendler nutzen täglich eine einspurige Straße als Abkürzung zwischen Ampfing und Aschau. Dazwischen liegt der Hof der Familie Naglmeier, die unter dem zunehmenden Verkehr leidet. Es wird deutlich: Nach der Autobahneröffnung muss über die Situation der Zufahrt- und Umleitungsstraßen nachgedacht werden. 

Ampfing – Die Nachtruhe bei Familie Naglmeier aus Haid ist früh vorbei. Zwischen 5 und 5.30 Uhr fahren schon die ersten Autos vorbei – Berufsverkehr. Abends dann das Ganze erneut, nur diesmal umgekehrt. Der Hof liegt zwar abgelegen, aber viele Fahrer nutzen die Strecke als Schleichweg zwischen Aschau und der Autobahnauffahrt bei Ampfing.

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„Hier kommt viel Berufs- und Durchgangsverkehr durch“, erzählt Thomas Naglmeier. Autos mit Pfarrkirchner- oder Ebersberger Kennzeichen, aber auch aus Österreich, denen das Navi diese Strecke als kürzeste Route ausgibt. Zu Stoßzeiten ist auf der schmalen Gemeindeverbindungsstraße viel los, ganz besonders Freitagnachmittag. „Teilweise begegnen sich dann bis zu acht Autos gleichzeitig.“ Ein Chaos sei vorprogrammiert.

Gefahren wird bis auf den letzen Drücker

Die Straße ist nicht ausgelegt auf viel Verkehr: Einspurig führt die Gemeindeverbindungsstraße von Haigerloh nach Reit an der Staatsstraße 2091 zwischen Ampfing und Waldkraiburg – dazwischen liegt der Hof von Familie Naglmeier. Begegnen sich zwei Autos, müssen die Fahrer auf das Bankett ausweichen oder an einer der Ausweichstellen warten. Doch Letzteres machen nur die wenigsten: „Es wird meist bis auf den letzten Drücker gefahren.“

Den Verkehr auf der Straße einfach ausblenden, das funktioniert nicht. Auf der einen Seite liegt der Hof mit dem Wohnhaus und den Stallgebäuden, auf der anderen Straßenseite die Maschinenhalle. Quert Thomas Naglmeier mit seinem Traktorgespann die Straße, blockiert er sie komplett. Zum Ärgernis der Autofahrer, die sich ausgebremst fühlen. Die Arbeiten auf seinem Hof teilt er sich deshalb so ein, dass sie am Freitag zur Stoßzeit zum Beispiel nicht silieren oder allzu viel in der Maschinenhalle zu tun haben. Damit hat er sich längst arrangiert. Ärgerlich sei, dass er schon oft von Autofahrern beschimpft worden sei. „Man muss sich da abschütteln.“

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Nur noch wenige Tage, dann wird die A 94 zwischen München und Burghausen durchgängig befahrbar sein. Doch ob sich dann an der Situation vor dem Hof in Haid etwas ändern, so recht kann sich das Thomas Naglmeier nicht vorstellen. „Ich habe wenig Hoffnung, dass es weniger Autos werden.“ Bis Söllerstadt fahren und dann wieder zurück auf die Kreisstraße, das sei vermutlich vielen Autofahrern zu weit. Nicht zu vergessen das Tempolimit im Tunnel. Auf der Gemeindeverbindungsstraße geht es schneller voran: Hier ist Tempo 100 erlaubt.

Thomas Naglmeier kann es ja noch verstehen, dass die Leute auf diesem Weg versuchen, ein paar Minuten einzusparen. „Aber müssen die Leute so schnell fahren?“ Ob man sich auf diesem Weg tatsächlich Zeit spart, er kann es sich kaum vorstellen, weil auf der schmalen Straße die Autos immer wieder abbremsen und ausweichen müssen.

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Die Gemeinde Ampfing habe bereits versucht, die Situation rund um den Hof der Familie Naglmeier zu beruhigen: Straßenpfosten eingeschlagen, ein Tempolimit errichtet und Hindernissen auf der Straße, damit langsamer gefahren wird. „Aber das musste wieder weg“, sagt er. Die Straßenpfosten sind aber geblieben. „Der Gemeinde Ampfing sind die Hände gebunden“, bedauert Bürgermeister Josef Grundner.

Die Straße von Haigerloh Richtung Reit ist nun mal außerorts die einzige Ost-West-Verbindung zwischen den Autobahnausfahrten Ampfing/Waldkraiburg und Heldenstein. Eine zweite Ost-West-Trasse geht quer durch Ampfing – die offizielle Umleitungsstrecke, wenn es auf der A 94 in diesem Bereich nicht mehr weitergeht. Nach dem Abriss der Brücke über die Autobahn bei Heldenstein hat der Durchgangsverkehr weiter zugelegt. „Zu Stoßzeiten kollabiert der Ort, alle Straßen sind verstopft, weil sich jeder seinen Weg sucht“, sagt Grundner. Deshalb wurde auch die Ampel an der Manghofer-Kreuzung umgestellt, sodass die Grünphase nach Bedarf geregelt wird. „Über kurz oder lang müssen wir uns Gedanken machen über eine andere Umleitungsstrecke.“

Das Teilstück der B 12 fehlt

Erleichterung erhofft er sich dadurch, dass bei Söllerstadt die Autobahnauffahrt wieder befahrbar ist und der Verkehr der Isentalstraße nicht länger durch Ampfing führt. Doch der Umleitungsverkehr der A 94 bleibt. „Unfälle oder Tunnelsperrungen, weil die Höhenkontrolle auslöst, gibt es immer wieder. Das ist das Hauptproblem. Man hätte früher erkennen müssen, dass das nicht funktioniert“, sagt Grundner. Das Teilstück der alten B 12 ist weg, das jetzt einfach fehlt. „Es braucht eine Ost-West-Verbindung in diesem Abschnitt. Das könnte die Situation entlasten“, sagt Grundner.

Einfach wird das nicht. Viele Gespräche müssten geführt und Abwägungen getroffen werden, bevor eine neue Strecke geschaffen werden kann. Ein Prozess, der Jahre dauern kann.

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