Auch, wenn der Autobahnabschnitt der A94 fertig ist: Pendler bleiben der Bahn treu

7.32 Uhr morgens am Bahnhof in Mühldorf, Abfahrt nach München: Pendler Jürgen Wöls wird nicht auf die Straße wechseln, auch wenn jetzt durchgängig auf der A 94 bis München gefahren werden kann. Er gibt dem Komfort der Bahnreise den Vorzug. Enzinger

Die OVB Heimatzeitungen haben nachgefragt: Sehen die Zugreisenden die durchgehende Autobahn als eine Alternative zur Bahn und werden Sie aufs Auto umsteigen? Eher nicht, so die Antwort. Nur das Votum der Handwerker ist eindeutig.

Mühldorf – Zeitunglesen, ab und zu ein Hörbuch, zwischendrin ein Nickerchen oder E-Mails beantworten – das sind die Freiheiten die der Mühldorfer Dieter Aigner genießt, wenn er in aller Hergottsfrüh in den Zug steigt, um an seine Arbeitsstelle in München zu gelangen. „Die Zeit im Zug ist die meine – und auch ein Stück Luxus“, meint der 48-Jährige. Die Autobahn als Alternative? „Mei, wenn es mal pressiert oder ich den Zug verpasst habe. Aber sonst: Nein!“

Mit der A94 zehn Minuten eher am Stau

Bei dieser strikten Ablehnung spielt nicht nur die Tatsache eine Rolle, dass er in Münchens Westen arbeitet und sich in der Landeshauptstadt angekommen mit dem Auto durch den frühmorgendlichen Münchener Stadtverkehr quälen müsste. „Die nun ausgebaute Autobahn verkürzt die Fahrt nach München vielleicht um zehn Minuten. Das heißt aber nur, dass man zehn Minuten früher am Stau am Autobahnkreuz zur A 99 ist!“

Nach Ansicht Aigners blieben die Einfallstraßen nach München ein Problem, „das Nadelöhr wird nicht kleiner, sondern wird sich sogar noch vergrößern, wenn zukünftig die Autobahn als Alternative genutzt wird“, prognostiziert der IT-Projektmanager.

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Vor acht Jahren, als er bei BMW im Osten Münchens gearbeitet habe, sei er noch mit dem Auto gefahren. „Doch man wird älter und schätzt das passive und sichere Reisen ohne Stress.“ Zumal die Zugfahrt in eineinhalb Stunden mit dem Auto nie zu schlagen wäre. Einziges Manko: Ökologisch sollte die Bahn nachbessern, weg vom Diesel, hin zur Elektrifizierung.

Mehr Verkehr aus Dorfen befürchtet

Ab Markt Schwaben ist die Verkehrslage jetzt schon schwierig, „wenn jetzt noch Dorfen und das weitere Münchener Umland durch die zusätzlichen Autobahnanschlüsse dazu kommen, wird das Nadelöhr noch kleiner“, findet Jürgen Wöls, Projektleiter bei der Allianz in München.

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Wöls pendelt seit 2008, war zwischenzeitlich ein Jahr lang auf das Auto umgestiegen, aber reumütig zur Bahn zurückgekehrt. Im Auto könne er nicht entspannen und auch der ökologische Aspekt spiele eine Rolle, begründet er die Vorzüge der Bahn. Nur vereinzelt steige er heute ins Auto, wenn es absehbar sei, dass der Arbeitstag mal wieder etwas länger dauert. „Dann nämlich wird das Zeitfenster der Züge nach Mühldorf größer, man hat längere Wartezeiten, mit dem Auto ist man dann flexibler.“

Zubringer sollten drei- oder vierspurig sein

Für den Berufsverkehr hält der 44-Jährige die Autobahn für nicht mehr zeitgemäß, „solange die Zubringer vor den Toren Münchens den Verkehr nicht weiterbringen. Um die Vorteile der Autobahn komplett zu nutzen, müssten diese Straßen mindestens drei-, optimalerweise sogar vierspurig ausgebaut werden“, so Wöls.

Von der Haustür zur Bürotür eineinhalb Stunden mit der Bahn

„Mein Büro liegt zu Fuß etwa fünf Minuten vom Hauptbahnhof in München entfernt. Ich brauche von Haus- zu Bürotür circa eineinhalb Stunden – mit dem Auto geht es zu den Stoßzeiten nicht schneller“, berichtet auch der Mühldorfer Klaus Schröter, der eine Anwaltskanzlei in München hat. „Selbst wenn ich mir durch die Autobahn 20 Minuten spare, wiegt das für mich den Komfortverlust nicht auf. Außerdem arbeite ich im Zug“, sagt der 48-Jährige ab. Aus eigener Erfahrung weiß er: „Ab Hohenlinden steht man im Auto nur noch!“

Hohenlinden ist ein rotes Tuch für die Handwerker

Das Nadelöhr Hohenlinden ist auch für Unternehmer Sepp Wastlhuber ein rotes Tuch, vor allem, wenn es auf der bisherigen Bundesstraße 12 nach getaner Arbeit in Richtung Heimat geht. „Zwei Kreisverkehre, dazu die Ampelanlage. Auf dem Heimweg sind da 20 Minuten zusätzlich keine Seltenheit. Eine einzige Stopslerei!“

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Umso mehr freut sich der Geschäftsführer der Schreinerei Wastlhuber, die vom Gewerbegebiet Nord nur einen knappen Kilometer zur Autobahnauffahrt in Frixing hat, wenn seine Mitarbeiter nun bis München und zurück lückenlos auf der Autobahn fahren können. „Vor allem wenn es Richtung Feierabend geht! Das ist auf alle Fälle positiv“. Doch weiß Wastlhuber auch: Die Staus, die sich im morgendlichen Berufsverkehr im Osten Münchens bilden, werden wohl kaum weniger. Ab Markt Schwaben und vor dem Autobahnkreuz Ost verdichte sich schon jetzt täglich der Verkehr. Die Praxis werde zeigen, inwiefern die Autobahnverbindung von Dorfen für ein noch höheres Verkehrsaufkommen sorgen werde.

Nach Feierabend auf der A94 schneller daheim

Die Zeitersparnis liege auf der Strecke. „Denn auf der Hinfahrt haben wir nun keine Lastwagen mehr vor uns.“ Auch werde er es nicht mehr vermissen, wenn das Befahren der kurvigen B 12 mit ihren Kreisverkehren mit den 3,5- und 5-Tonnern der Firma nun der Vergangenheit angehört.

Oktoberfest als Nagelprobe für neuen Autobahnabschnitt

Aktuell seien seine Angestellten ein bis drei Stunden unterwegs, wenn sie für Montagearbeiten und Serviceleistungen in die Landeshauptstadt beordert werden. Es sei spannend, wie sich die Anfahrtszeiten verkürzen werden. Die nächsten beiden Wochen lässt er bei seinen Erwartungen jedoch noch außen vor: „Autobahneröffnung und zeitgleich Oktoberfest – das wird die erste Nagelprobe für die A94!“

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