Prüfung im Verkehrsausschuss des Landtags

A94: Enttäuschung für Anwohner - Kaum Aussicht auf mehr Lärmschutz

Autos und Lkw fahren bei Dorfen über die Autobahn A94. Jahrzehntelang gab es massiven Widerstand gegen den Bau der Strecke.
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Autos und Lkw fahren bei Dorfen über die Autobahn A94. Jahrzehntelang gab es massiven Widerstand gegen den Bau der Strecke.
  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Für die Anwohner der A94 gibt es wenig Hoffnung: Im Verkehrsausschuss des Landtags wurde jetzt geprüft, ob weitere Lärmschutzmaßnahmen nötig sind.

München/Dorfen /Mühldorf – Als die Isentalautobahn A 94 bei Dorfen (Kreis Erding) im Herbst 2019 eröffnete, hagelte es sehr schnell Anwohnerproteste: Dass eine Autobahn laut ist, war jedem klar; aber so laut, das war vielen nicht bewusst. In der Hektik des Kommunalwahlkampfes versprach Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sogar ein Tempolimit, das aber nach einer Klage später wieder einkassiert wurde.

Beim Lärmschutz schon alles richtig gemacht?

Eineinhalb Jahre später schaut es nun so aus, als würde den Anwohnern letztlich nichts übrig bleiben, als mit der Autobahn im jetzigen Zustand zu leben. Im Verkehrsausschuss des Landtags stellte die Autobahndirektion gestern die Lärmmessungen und die Überprüfungen der Bauausführung vor. Ergebnis: Im Endeffekt wurde alles richtig gemacht. „Für die Verwaltung eröffnen sich keine weitergehenden gesetzlichen Handlungspflichten“, drückte es die leitende Ministerialrätin Angela Roßmann im schönsten Juristendeutsch aus. 

Lärmschutzwälle sogar zu hoch

Der Autobahndirektion kann man nicht vorwerfen, die A 94 auf dem 33 Kilometer langen Stück zwischen Pastetten und Heldenstein nicht auf Herz und Nieren überprüft zu haben. Jede Dehnungsfuge wurde begutachtet, die Lärmemissionen an fünf Messorten acht Wochen lang erforscht und selbst die Höhe von Erdwällen und Lärmschutzwänden nachgemessen. Letztlich passt alles, die Wälle sind sogar zu hoch, aber da sie sich mit der Zeit etwas absenken, ist auch das in Ordnung.

Flüsterasphalt würde 170 Millionen Euro kosten

In ihrer Stellungnahme nennt die Autobahndirektion vier mögliche Maßnahmen, die aber den Bund als Träger der A 94 etliche Millionen kosten würden. Unter anderem wäre es denkbar, die Lärmschutzwände an den Brücken zu erhöhen (19,2 Millionen Euro) oder den Waschbetonbelag auf elf Kilometern Länge mit Asphalt „schwarz“ zu machen (19,6 Millionen Euro). Die größte Investition wäre es, die gesamte Autobahn mit Flüsterasphalt zu überziehen. Das würde 170 Millionen Euro kosten.

Bund müsste freiwillig investieren

Eine juristische Handhabe, all das zu fordern, gibt es nicht. Der Bund müsste freiwillig investieren – und bedenken, dass das einen Präzedenzfall schafft. Mit Ausnahme von Grünen und SPD lehnte eine Mehrheit im Ausschuss daher nachträgliche Forderungen ab.

Besorgniserregend hohe LkW-Dichte

Das Hauptproblem ist für Roßmann die hohe Zahl der Lkw, die auf der Autobahn fahren. Ihre Zahl beträgt schon 80 Prozent des erst für 2025 prognostizierten Werts. Die Erdinger CSU-Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf nannte das „besorgniserregend“. Sie regt regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen für Laster an, die vor allem nachts zu schnell unterwegs seien.     

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