A94: Beim Lärmschutzgipfel diskutieren 200 Betroffene - Politik gibt ein Versprechen

Der Verkehr rollt auf der A94, doch ist der Lärmschutz ausreichend? Nun versprechen die Regierung von Oberbayern und die Autobahndirektion mehr Transparenz. Bereits ab kommender Woche sollen die entsprechenden Daten online abrufbar sein.
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Der Verkehr rollt auf der A94, doch ist der Lärmschutz ausreichend? Nun versprechen die Regierung von Oberbayern und die Autobahndirektion mehr Transparenz. Bereits ab kommender Woche sollen die entsprechenden Daten online abrufbar sein.
  • vonTimo Aichele
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Alle Fakten kommen auf den Tisch, Das ist die wichtigste Botschaft des A94-Lärmschutzgipfels, zu dem Innenstaatssekretär Stephan Mayer und CSU-Landtagsabgeordneter Marcel Huber am Freitag ins Bürgerhaus Rattenkirchen eingeladen hatten.

Rattenkirchen – „Sie können sämtliche Unterlagen bei uns einsehen“, erklärte Regierungspräsidentin Maria Els vor dem überfüllten Saal. Als sich Protest regte, lenkte Els noch weiter ein und versprach: „Wir können auch alles ins Internet stellen.“ Sie werde das gleich am Montag veranlassen.

A94-Anwohner fordern Zugang zu Daten

Das Bürgerhaus war am Nachmittag mit gut 200 Besuchern übervoll. Draußen wachten die Polizei und ein Sicherheitsdienst, Protestplakate waren zu sehen, die Feuerwehr regelte den Verkehr.

Im Saal sahen sich Behördenvertreter scharfer Kritik ausgesetzt. Claudius Siebert aus Dorfen hatte sehr vehement Transparenz eingefordert, bevor die Regierungspräsidentin ihr Angebot machte. „Wir müssen die Lärmberechnungen nachvollziehen können“, erklärte Siebert. Daher bräuchten die Bürger nicht nur eine Pressemitteilung, sondern alle Daten. Els stellte schließlich auch zur Erläuterung der komplizierten Fakten und Daten Termine mit Mitarbeitern ihrer Behörde in Aussicht.

Zuhörer quittieren Aussage mit lautem Protest

Auch seine Behörde könne die Daten veröffentlichen, sicherte Michael Kordon, Präsident der Autobahndirektion Südbayern, zu. Der Kritik, dass bei der Änderung des Planfeststellungsbeschlusses im Jahr 2015 eine Verschlechterung des Lärmschutzes auf Brücken eingetreten sei, trat Kordon entgegen. Die gläsernen Spritzschutzwände seien vollwertiger Schallschutz. „Es ist nicht so, dass das eine Billiglösung ist.“ Das quittierten einige Zuhörer mit lautem Protest.

Das Tempolimit thematisierte Dr. Marcel Huber. „Glauben Sie ja nicht, dass das so einfach war“, rief er den Zuhörern entgegen. Die angekündigten Geschwindigkeitsbeschränkungen würden weit über die Regeln hinausgehen, die sonst in Deutschland gelten. „Das hat Präzedenzfallwirkung.“ Unter den Bürgern, die sich zu wort meldeten, war Josef Platschka, der in Pfaffenkirchen 600 Meter von der Autobahn entfernt wohnt. 

Erst die Hälfte der prognostizierten Belastung auf der A94

„Es kann doch nicht sein, dass wir 2019 eine Straße mit einem Standard von 1970 in Betrieben nehmen“, klagte er über den schlechten Lärmschutz und forderte einen „vernünftigen Belag“ auf der ganzen Strecke. Mit derzeit 20 000 Fahrzeugen pro Tag sei ja auch erst die Häfte der prognostizierten Verkehrsbelastung erreicht.

Zugegen war auch Oliver Lauw – eine Besonderheit, denn der Geschäftsführer der Isentalautobahn GmbH hatte sich seit Eröffnung des Streckenabschnitts nicht mehr öffentlich geäußert. Nun stellte er sich gegen die Kritik, seine Firma arbeite nicht transparent. Alle geforderten Messungen seien bis auf eine durchgeführt worden. „Die bisherigen Zahlen haben wird der Autobahndirektion mitgeteilt.“

Kommt ein Flüsterasphalte? Lärmmessung auf der A94

Zur Kritik von Erdings Landrat Martin Bayerstorfers Kritik, das Konsortium habe angebotene Flächen für zusätzliche Lärmschutzwälle nicht in Anspruch genommen, sagte Lauw: „Es wurde in der Bauphase ein intensiver Dialog mit den Anwohner geführt.“ Stephan Mayer verwies auf das „enorme Potenzial der A 94 für den südostbayerischen Raum“. Für den sogenannten Flüsterasphalt werde es im Frühjahr eine Lärmmessung geben. Eine erste Messung habe bereits am Freitag stattgefunden.

„Das Tempolimit kann aus meiner Sicht maximal sechs Monate bestehen“, erklärte Mayer. Dem widersprach wiederum Erdings Landrat Bayerstorfer. „Ich bin der Meinung, dass man es nicht bei sechs Monaten belassen kann.“ Es müsse vielmehr so lange gelten, bis wirksamer Lärmschutz nachgebessert worden sei. Beim Tempolimit von 120 seien Lkw nicht berücksichtigt, kritisierte Bayerstorfer. Daher müsse für Lastwagen Tempo 60 verhängt werden.

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