Im Bau befindlicher Abschnitt der A94 "Wochen vorher" fertig

Hätte nicht mit so einem Ansturm gerechnet – Günther Knoblauch sichtlich erstaunt über den großen Andrang an Interessierten.

Noch immer gibt die „Isental Autobahn GmbH“ den Fertigstellungstermin für die A94 nicht bekannt. Sie soll aber Wochen vor dem geplanten Termin fertig sein. Das sagte Geschäftsführer Stangassinger bei einer Infoveranstaltung.

Mühldorf – Spätestens in viereinhalb Monaten soll der Abschnitt der A94 zwischen Pastetten und Heldenstein eröffnet werden. „Und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir alles termingerecht übergeben können. Wir liegen sehr gut in der Zeit. Eventuell werden wir sogar schon ein paar Wochen eher fertig“, sagt Geschäftsführer Stangassinger auf einer der letzten Informationsveranstaltungen des Vereins „Ja zur A 94“. 50 Teilnehmer wollten sich auf Einladung des Vereins „Ja zur A 94“ über den Stand der Bauarbeiten informieren. Den genauen Eröffnungstermin nannte Stangassinger nicht.

Brücke musste abgerissen und neu gebaut werden

Stangassinger ging ausführlich um die Probleme rund um die Ornautalbrücke ein. Die Brücke hatte Anfang 2018 für Aufsehen gesorgt, nachdem sie aufgrund statischer Mängel abgerissen und noch mal gebaut werden musste. „Das ist natürlich nicht gut gelaufen, aber die Ausbesserung hat uns im Terminplan nicht zurückgeworfen“, so Stangassinger.

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Die Brücke wurde im sogenannten Taktschiebeverfahren gebaut. Dabei wird am einen Ende der Brücke immer ein Brückenteil aus Beton gegossen. Sobald dieses vollständig ausgehärtet ist, wird es in Richtung der anderen Seite der Brücke geschoben. Dann wird das nächste Teil hergestellt. Das macht man so lange, bis die gesamte Fahrbahn einmal auf die andere Seite geschoben wurde. Der Brückenabschnitt, der als erstes hergestellt wurde, ist also zum Schluss auf der gegenüberliegenden Seite des Tals.

Rücksicht auf Fledermauspopulation

Und genau bei diesem Herstellungsverfahren ist der Fehler passiert. Die Brücke hat von der einen Seite zu anderen nämlich eine leichte Steigung. Das Taktschiebegerät war aber um ein paar Millimeter in die andere Richtung, also zum Boden hin, ausgerichtet. Dadurch kam es zu kleinen Spannungen in der Betonkonstruktion. Bevor man die Brücke in einigen Jahren deswegen dann sanieren muss, war es einfacher und vor allem billiger sie gleich noch einmal neu zu bauen.

Aber nicht nur die Ornautalbrücke bereitete Kopfzerbrechen. So musste beispielsweise wegen einer Fledermauspopulation in Schwindkirchen eine spezielle Brücke gebaut werden. Die Brücke ist auf beiden Seiten mit Bäumen bepflanzt, um so eine natürliche Einflugschneise für die Fledermäuse zu gewährleisten und ihnen den Weg zu weisen. Auch der Kopfsburger Forst sorgte für einige schlaflose Nächte. Oder besser gesagt ein dort nistender Schwarzstorch. Zwei Monate kam es dort zu einem Baustopp, weil der Bereich von dem Storch für Flugversuche genutzt wurde und deshalb nicht befahren werden konnte. Letztendlich schaffte man es aber, den Storch erfolgreich umzusiedeln.

3,7 Millionen Kubikmeter Erdreich abgebaut

Um die enormen Dimensionen des Bauprojekts zu veranschaulichen, warf Stangassinger ein paar Zahlen in den Raum. 3,7 Millionen Kubikmeter Erdreich mussten abgetragen und 3,1 Millionen an anderer Stelle wieder aufgeschüttet werden. So entstanden bis zu 20 Meter tiefe Einschnitte und Dämme mit einer Höhe von bis zu 18 Metern. Wem diese Zahlen jetzt noch nicht viel sagen, für den hat der Geschäftsführer auch gleich noch einen Vergleich parat.

„An einem guten Tag haben wir es geschafft, 35000 Kubikmeter Erde zu bewegen. Bei einem größeren Einfamilienhaus fallen insgesamt ungefähr 500 Kubikmeter Erdreich an. Nur, um die Dimensionen einmal etwas zu verdeutlichen.“ Im Gegensatz zu den letzten Malen, konnte die Besuchergruppe um Günther Knoblauch dieses mal nicht direkt auf die Autobahnbaustelle. Aufgrund abschließender baulicher Maßnahmen. „So interessant ist es aber auch nicht mehr. Die Arbeiten sind an vielen Stellen fast abgeschlossen. Da sieht man nicht mehr viel Interessantes.“

Seit Februar 2016 wird zwischen Pastetten und Heldenstein gebaut. 33 Kilometer Autobahn sollen bis 31. Oktober 2019 entstehen. Die Kosten des Bauabschnitts belaufen sich auf rund 440 Millionen Euro.

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