Zu viele Reiter, Radler und Rollerblader auf der A94: Betreiber kündigt Kontrollen an

Der Abendsonneentgegen: Einsamer Reiter auf dem Autobahnabschnitt bei Obertaufkirchen. Damit ist jetzt Schluss. Der Betreiber muss sich bei den Bauarbeiten ranhalten, um den Fertigstellungstermin zu schaffen.
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Der Abendsonneentgegen: Einsamer Reiter auf dem Autobahnabschnitt bei Obertaufkirchen. Damit ist jetzt Schluss. Der Betreiber muss sich bei den Bauarbeiten ranhalten, um den Fertigstellungstermin zu schaffen.
  • Josef Enzinger
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Eine Autobahn ist kein Freizeitgelände, warnt das Betreiberkonsortium Isentalautobahn A94: Warum Fußgänger, Reiter, Rollerblader und Radfahrer die Baustelle ab sofort nicht mehr betreten sollen.

Mühldorf – Herrliches Wetter lockte am vergangenen Wochenende die Hobbysportler auf den Autobahnabschnitt von Heldenstein nach Pastetten. Neugierige nutzten die Möglichkeit, den 33 Kilometer langen Bau zu inspizieren, bevor ab dem 1. Oktober die Kraftfahrzeuge den Lückenschluss nach München nutzen. Damit soll jetzt Schluss sein: Weil der Betreiber des Autobahnabschnitts, die Isentalautobahn GmbH, das schöne Wetter nun ebenso ausnutzen will, um die Markierungsarbeiten sowie Messfahrten durchzuführen, weist er darauf hin, dass die Baustelle aus Sicherheitsgründen von Unbefugten nicht betreten werden darf.

Betreiber kündigt Kontrollen an

Man habe auch die Polizei gebeten, verstärkt auf unbefugtes Betreten zu kontrollieren und Verstöße gegebenenfalls mit einem Bußgeld zu ahnden. „Wir haben natürlich gesehen, dass der Autobahnabschnitt ein beliebtes Ausflugsziel ist. Bislang haben wir auch beide Augen zugedrückt. Aber jetzt drängt die Zeit, es muss sogar am Wochenende gearbeitet werden und wir wollen keine Privatpersonen gefährden“, begründet Oliver Lauw, Geschäftsführer der Isentalautobahn GmbH, das nun ausgesprochene Verbot für Radler, Wanderer und Rollerblader.

+++ Der Festakt zur Eröffnung der A94 findet am Montag, 30. September, ab 15 Uhr statt. Wie wird gefeiert? Was sagen die Besucher? Mobilisieren die Gegner des A94-Neuabaus ein letztes mal? Wir sind ab 14 Uhr für unsere Leser vor Ort und berichten live. Schauen Sie einfach vorbei auf OVB-Online.de. +++

Nichts wird es also aus einem Radlsonntag, so wie ihn der Mühldorfer Dieter Aigner in den sozialen Netzwerken gefordert hatte. „Es wäre super, wenn man den neuen Autobahnabschnitt Pastetten – Heldenstein der A 94 vor seiner offiziellen Freigabe für einen Tag an einem Wochenende den Radfahrern öffnen würde.

Aus einer Idee des SV Schwindegg wird nichts

Beim Streckenabschnitt Heldenstein – Neuötting war dies auch der Fall!“, erinnert sich Aigner. Nicht die einzige Forderung danach, die noch nicht freigegebene Schnellstraße für Freizeitmaßnahmen zu nutzen. Der SV Schwindegg spielte mit dem Gedanken, seinen erst vor zwei Jahren initiierten Sechs-Stunden-Lauf im Jahr 2019 auf die Autobahn zu verlegen. Eine entsprechende Ankündigung um die Bemühungen des Sportvereins ist auf der Internetseite des SV zu lesen.

Endspurt aufdem Autobahnabschnitt von Heldenstein nach Pastetten: Die Isentalautobahn GmbH will am Wochenende das wetter dafür nutzen, Markierungsarbeiten durchzuführen. Deshalb wird erneut darauf hingewiesen, dass die Baustelle aus Sicherheitsgründen von Unbefugten nicht betreten werden darf. Isentalautobahn GmbH

Die Zusage von Betreiber oder Autobahndirektion ist aber bis heute ausgeblieben. Warum das so ist, erklärt Josef Seebacher, Pressesprecher der Autobahndirektion. „Wir haben erst Mitte August erfahren, dass die Autobahn früher fertig wird.

Bürgerfest auf der A94? Nicht zu organisieren

In diesem Zeitrahmen von nur sechs Wochen war es nicht mehr möglich, etwas auf die Beine zu stellen!“ Ein Bürgerfest etwa habe man im Hinterkopf gehabt. Das wäre aber auch ohne Zeitdruck eine gigantische Herausforderung gewesen, sagt Seebacher. „Immerhin sprechen wir von einem der längsten Autobahnschnitte, der jemals am Stück gebaut wurde. Das sind Tausende Menschen, die bei so einem Bürgerfest zu berücksichtigen gewesen wären.“

Logistisch gesehen kaum zu bewältigen, sowohl was die Auflagen seitens der Behörden betrifft, als auch die Bewerkstelligung der Sicherheit von Festen solcher Größenordnung: „Die Sicherheitskräfte sind zum größten Teil auf dem Oktoberfest eingespannt!“

Bürgerfest logistisch nicht zu realisieren

Ein Bürgerfest hätte Summen im hohen fünfstelligen Bereich bedeutet, „dafür haben wir kein Budget.“ Anfragen bei der Regierung um finanzielle Unterstützung seien abgeschmettert worden. Schon die Organisation des Festaktes zur Eröffnung der Autobahn am 30. Oktober, unter anderem mit Verkehrsminister Andreas Scheuer, sei eine Mammutaufgabe gewesen, schließlich seien 800 Festgäste eingeladen.

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Aber warum selbst organisieren, wenn sich andere dazu bereit erklären? Seebacher bestätigt Anfragen von Radfahrvereinen, die die Autobahn gerne für eine Veranstaltung genutzt hätten. „Grundsätzlich verschließen wir uns von der Autobahndirektion auch nicht vor solchen Vorschlägen, schließlich bauen wir für die Menschen.“

Nicht nur die Haftungsfrage spielt eine Rolle

Doch bei diesem Autobahnabschnitt ist nicht die Autobahndirektion zuständig, sondern das Konsortium, das jetzt in den verbleibenden zwei Wochen vor der Eröffnung ordentlich auf die Tube drücken will, um die Fertigstellung bis zum 1. Oktober zu gewährleisten. Nicht nur die Haftungsfrage bei Unfällen steht hier im Raum. „Da spielt auch Geld eine große Rolle“, erklärt Seebacher.

Von einer „Beschleunigungsvergütung“ spricht Seebacher, rund 700 000 Euro, die dem Betreiber als Bonus zustünden, wenn er tatsächlich am 30. September bis Mitternacht die Fertigstellung verkündet.

Autobahntourismus bremsen

Aber auch nach der Fertigstellung ist Sensibilität gefragt. Nur schrittweise wird die Autobahn am 1. Oktober freigegeben, verkündet Seebacher. Damit will man den Übermut etwas bremsen, den der Autobahntourismus so mit sich bringt. Ein, zwei Wochen wird es dauern, bis sich die Nutzung der Schnellstraße eingespielt haben wird, prognostiziert Seebacher. „Aus Erfahrung wissen wir, dass es am Anfang kritisch ist, weil alle die neue Autobahn kennenlernen wollen. Und manche geben dann zu viel Gas!“

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