Warten auf den großen Crash auf der A94 – Wie sich Feuerwehren auf neue Aufgaben vorbereiten

Mit einer Großübungbereiteten sich die heimischen Feuerwehren auf die Eröffnung der A 94 vor. Um für die Einsätze vorbereitet zu sein, haben die Wehren und ihre Kommunen in Ausrüstung und Ausbildung investiert. fib/Eß
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Mit einer Großübungbereiteten sich die heimischen Feuerwehren auf die Eröffnung der A 94 vor. Um für die Einsätze vorbereitet zu sein, haben die Wehren und ihre Kommunen in Ausrüstung und Ausbildung investiert. fib/Eß

Bisher blieb das neue Autobahnteilstück von schweren Unfällen zum Glück verschont. Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, haben sich die Feuerwehren in Schwindegg und Obertaufkirchen vorbereitet und investiert. Dabei müssen sich die Einsatzkräfte nicht nur schulen lassen, sondern auch ein dickes Fell zulegen.

Mühldorf/Oberaufkirchen – Die Wehr von Wolfgang Gill, Kommandant in Obertaufkirchen, trägt im Einsatzfall die Hauptlast, da der neue Teil der A 94 im Landkreis über Obertaufkirchner Gebiet verläuft. „Gott sei Dank gab es bisher noch keinen Einsatz“, sagt Gill.

Manche Autofahrer sind rücksichtslos

Falls es doch dazu kommt, sei seine Feuerwehr gerüstet. Schulungen, Übungen, Gespräche: „Eigentlich ist es nichts anderes als auf einer normalen Straße“, sagt er, „aber etwas gefährlicher.“ Daran ist nach seiner Erfahrung und Gesprächen mit der Autobahnmeisteri nicht nur die höhere Geschwindigkeit schuld. Genauso falle die Rücksichtslosigkeit von Autofahrern auf, die weiter fahren wollten, egal, was auf der Straße passiert. „Die drängeln sich vorbei.“

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Bereits seit zwei Jahren besitzt die Feuerwehr einen Rettungsspreitzer, die Feuerwehrautos wurden zuletzt umgebaut und ein Verkehrssicherungsanhänger angeschafft. Etwa 70 000 Euro hat das gekostet.

Geld, dass die Feuerwehren und ihre Gemeinden aufbringen müssen, berichtet der Chef der Schwindegger Wehr, Simon Hendrych. 28 000 Euro nahm seine Wehr in die Hand, um Autos umzurüsten und Ausrüstung zu kaufen. „Der Staat argumentiert, dass er die Autobahn baut, sich Firmen ansiedeln und deshalb mehr Gewerbesteuer fließt.“ Damit sollten die Kommunen die Kosten tragen.

Spediteur stellt Lastwagen zum Üben zur Verfügung

Die Feuerwehr Schwindegg konnte außerdem auf einen örtlichen Spediteur setzen, der einen Lastwagen zur Verfügung stellte. Damit konnten die Aktiven einen Auffahrunfall mit LKWs simulieren und die Bergung von Mensch und Auto üben. „Denn Auffahrunfälle von Lastwagen kommen sonst nicht vor“, sagt Hendrych

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Die Feuerwehr in Weidenbach hat schon sechs Jahre Erfahrung auf der Autobahn, Kommandantin Nicole Schwenk rechnet aber durch die Eröffnung Richtung München mit Mehrarbeit. Die Rolle ihrer Aktiven sei die Sicherung des Verkehrs. „Wir sind eine kleine Feuerwehr, aber ohne uns könnten die großen Feuerwehren nicht richtig arbeiten“, sagt sie selbstbewusst. „Wir halten ihnen den Rücken frei.“ Wenn ihre zwei Fahrzeuge ausrücken, um die Autobahn oder einzelne Fahrspuren zu sichern, machen die Aktiven die immer selbe Erfahrung: „Die Autofahrer zeigen Dir auch schon mal den Vogel oder beschimpfen Dich.“ Sie nennt das „schon fast normal“, das passiere nicht nur auf der Autobahn.

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Die Vorbereitung der Feuerwehrler durch interne und externe Schulungen und die Aufstockung der Ausrüstung sind eine Seite. Die andere ist das vorhandene Personal. Acht Mann müssen mindestens ausrücken, wenn es kracht, besser sind zehn, wie Wolfgang Gill sagt. „Die Verkehrsabsicherung 200 Meter vor Unfallstelle von zwei Leuten machen zu lassen, ist schwierig.“

Er und sein Schwindegger Kollege Hendrych sind überzeugt, dass genügend Leute zur Verfügung stehen. Es gebe Einsatzkräfte, die auch während der Arbeitszeit von ihren Arbeitgebern freigestellt würden, dazu kommen in beiden Kommunen Schichtarbeiter, die auch am Tag Freizeit hätten.

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Auch Weidenbachs Kommandantin hat wenig Personalsorgen: „Wir sind sehr ländlich, die meisten Feuerwehrler sind Landwirte“, sagt sie und ergänzt: „Und natürlich kann ich mich auch auf meine Frauen verlassen.“

Mit einem gespendeten Lastwagen konnte die Feuerwehr Schwindegg einen schweren Unfall auf der A 94 simulieren.

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