Die Eröffnung der A94: Ein stürmischer Tag der Freude für die Befürworter der Autobahn

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Stürmische Zeiten in Sachen Verkehr – Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart eröffnen die neue "Kraftader". 
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Einen großen Tag für Menschen und Wirtschaft nannte Verkehrsminister Andreas Scheuer die Eröffnung der Autobahn A94 zwischen Pastetten und Heldenstein am Montag. Hunderte feierten mit, ein knappes Dutzend protestierte.

Dorfen/Mühldorf – Tief Mortimer stürmt heftig über dem Rastplatz Fürthholz-Nord kurz vor der Autobahnausfahrt Dorfen. Er wirft Tische und Gläser um, rüttelt heftig am Festzelt, zerstreut die Notenblätter der Blasmusiker. „Es waren immer stürmische Zeiten auf der A94“, sagt Maximilian Wiget, der den Freistaat jahrzehntelang bei Auseinandersetzungen um die Autobahn zwischen Mühldorf und München vertrat. 

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Jetzt, im Ruhestand, freut er sich über „den letzten Sturm für die A94.“ Über 800 Menschen sind nach Schätzung der Polizei gekommen, um diese stürmische Eröffnung der Autobahn zu feiern, die durchgehende Verbindung zwischen München und Marktl. „Das ist ein wirklich historischer Tag, ein großer Tag“, verkündet Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer freudestrahlend. „Diese Anbindung ist uns so wichtig.“ 

Scheuer: Gelassen, weil zufrieden

Er würdigt ihre Bedeutung für die Menschen in der Region, die Wirtschaft und die Sicherheit. „Und sie ist eine gute Lösung in ökonomischer und ökologischer Hinsicht.“ Diese Ansicht teilen zwei Handvoll junge Leute nicht. Sie skandieren lautstark: „Kein Grund zum Feiern“, heben Plakate gegen die Zerstörung der Umwelt, pfeifen und schreien. Scheuer bleibt gelassen, weil er weiß, dass die Lautsprecheranlage die Proteste übertönt. „In einer Demokratie muss man Protest ertragen.“ 

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Wichtig für Bayern, Österreich und Tschechien

Polizisten bringen die jungen Leute schließlich weg und Scheuer zurück zum Thema: die Bedeutung der A94 für die Region. 1,4 Milliarden Euro finanziert der Bund mit dem Bau der A94 nach seinen Angaben in die Region, allein die 33 Kilometer zwischen Pastetten und Heldenstein hätten über 440 Millionen Euro gekostet. „Sie bringt insgesamt 170 Kilometer, die wichtig sind für Bayern, Österreich und Tschechien.“ 

Ein Großprojekt in 6 Jahren gebaut

Und das in zuletzt kurzer Zeit, darin sind sich alle Redner einig. Denn nur knapp sechs Jahre nach dem ersten Spatenstich kann die Autobahn eröffnet werden. Ein Zeitraum so kurz, wie ihn nur eine Öffentlich-Private-Partnerschaft (ÖPP) von Firmen und Staat möglich gemacht habe, sagt Bartholomäus Kalb von der Isental GmbH, die den Abschnitt im Auftrag des Bundes gebaut hat und betreiben wird. 

Nicht nur irgendein Abschnitt, eine Kraftader, wie sie Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart nennt. Wohlstand sichern, mit der B12 eine der gefährlichsten Straßen Bayerns entlasten, den Tourismus fördern: „Die Autobahn ist eine leistungsfähige Infrastruktur, die die Menschen verbindet und die Region erschließt. 

B12 überlastet 

Mehr als 23.000 Autos verkehren nach Zählungen derzeit auf der B12, so die Zahlen der Autobahndirektion. Zum Vergleich: In Bayern fahren auf Bundesstraßen durchschnittlich 10.000 Autos, weniger als die Hälfte. Pendler und Unternehmen leiden seit Langem unter den schwierigen Bedingungen auf der Straße, den ständigen Behinderungen, Staus und Unfällen. 110 Menschen starben dabei in den letzten 20 Jahren. 

Hohe Unfallzahlen sind ein ernster Grund

Der ehemalige bayerische Umweltminister Marcel Huber, seit vielen Jahren Feuerwehrmann in Ampfing, nimmt die Unfälle zum Anlass, den Gegnern ins Gewissen zu reden. Sie sollten einmal beim BRK oder der Feuerwehr arbeiten und dann auf die Meldung schwerer Unfälle warten. „Dass diese nicht mehr kommen, ist für uns heute ein Grund zu feiern.“

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100 Musiker aus acht Blaskapellen verbreiten zwischen den Reden Volksfeststimmung „Wir sind so viele“, jubelt der Präsident der Autobahndirektion Michael Kordon. „Über kaum eine Straße wurde so viel diskutiert, kaum eine andere ist so dringend notwendig.“ 

Es gibt Freibier und Leberkäs-Semmeln. In deren Duft mischt sich der Gestank von Gülle, ein letztes markantes Zeichen des Protests gegen den Bau der A94. 

Demokratischer Prozess

Von eine „Emotionalisierung der politischen Debatte“, spricht Innenstaatssekretär Stephan Mayer, die Nachbarn oder Familien gespalten hätte. Trotzdem hätten sich Vertreter der Region nicht desillusionieren oder frustrieren lassen, und stets auf ihre Notwendigkeit hingewiesen. Heraus kam das, was Marcel Huber als den „besten Kompromiss, der in einer Demokratie möglich ist“, bezeichnete. Der soll auch dazu führen, dass Gräben überbrückt werden. 

Das wünscht sich Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner: „Ich hoffe, dass ein Auseinanderzugehen möglich sein wird.“ Dass alle erkennen, um wie viel mehr die Vorteile der Autobahn die Nachteile überwiegen.

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