Altöttinger Landrat Schneider rastet bei A94-Eröffnung aus und verteidigt Beleidigung von Demonstranten

Auseinandersetzung:Altöttings Landrat Erwin Schneider attackierte die Demonstranten verbal, die „Kein Grund zum Feiern“ skandierten.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
    schließen

Den großen Freudentag zur Einweihung der Autobahn konnten nicht alle genießen: Zwei Handvoll Demonstranten protestierten gegen die Straße, Alötttings Landrat Erwin Schneider beleidigte die jungen Leute heftig. Und rechtfertigt sein Vorgehen.

Dorfen/Mühldorf – Zwei Handvoll junge Leute machten ihrem Unmut während der Eröffnung der A94 bei Dorfen Luft und skandierten „kein Grund zum Feiern“. Vor der Bühne störten sie lautstark die Rede von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. 

Kommentar zu Landrat Schneiders Entgleisung bei der A94-Eröffnung: „Entschuldigung fällig“

Der blieb gelassen, setzte auf die größere Lautstärke der Mikrophonanlage und setzte seine Rede einfach fort. Polizisten brachten die jungen Leute schließlich weg. „In einer Demokratie muss man Protest ertragen“, sagte Scheuer.

Lesen Sie auch: Die Eröffnung der A94: Ein stürmischer Tag der Freude für die Befürworter der Autobahn

Das sah Altöttings Landrat Erwin Schneider ganz anders, er verlor völlig die Fassung und beschimpfte die Demonstranten unflätig als „Arschlöcher“ und „Menschenverachter“. Selbst die Ermahnungen Scheuers ignorierte Schneider komplett, mehrfach versuchte der Minister, den Landrat zu stoppen. Fast ein Dutzend Mal rief er den Vornamen des CSU-Politikers von der Bühne herab über das weite Areal des Rastplatzes Fürthholz-Nord bei Dorfen, von der Mikrophonanlage kräftig verstärkt, sodass es bis in den letzten Winkel zu hören war: „Erwin, Erwin, Erwin...“

Für Schneider „unerträglich“

Altöttings Landrat verteidigte: „Vor dem Hintergrund vieler schwerer und schwerster Verkehrsunfälle auf der ,Todesstrecke B 12‘, bei denen es in den letzten 20 Jahren zwischen München und Passau 350 Todesopfer und noch mehr Schwer- und Schwerstverletzte gegeben hat, finde ich es unerträglich, wie man derart kaltschnäuzig und mit dem Touch eines Gaudiums gegen mehr Verkehrssicherheit, die mit der Eröffnung der A 94 verbunden ist, protestieren kann“, schreibt er auf Anfrage der Heimatzeitung.

Zustimmung: Wie bei vielen Veranstaltungen rund um die Autobahn zeigten A 94-Befürworter ihre Zustimmung demonstrativ.

„Hinzu kommt noch, dass es den Demonstranten offensichtlich im Wesentlichen nur darum ging, einen möglichst großen Effekt zu erhaschen. Nur so ist es zu erklären, dass sie sofort nachdem die Fotos und Videos im Kasten waren, abgezogen sind, ohne sich einer Diskussion zu stellen.“ Schneider fordert in seiner Stellungnahme: „Die Demonstranten täten gut daran, sich mit den Angehörigen der Verunglückten und den Mitgliedern von Feuerwehren und Rettungsdiensten zu unterhalten, die Hunderte von Toten und Verletzten aus zerstörten Fahrzeugen bergen mussten. Die A94 ist ein lange gefordertes und nun endlich realisiertes Straßenbauprojekt, das unsere Region endlich wirklich an München anbindet. Einige pseudoelitäre großstädtische Zirkel inklusive einer gewissen Medienlandschaft hätten uns diese Anbindung gerne vorenthalten.“

So sind Feuerwehren und Notdienste vorbereitet: Busunglück als Unglücks-Szenario: Hilfskräfte simulieren Katastrophenfall auf der A94

Ermittlungen gegen Landrat Schneider wegen Beleidigung gibt es derzeit nicht, wie der Leiter der Verkehrspolizei Gerhard Meier auf Anfrage mitteilte, der auch die Autobahnpolizei zugeordnet ist. Bei mutmaßlichen Beleidigungen ermittelt die Polizei nur, wenn die Beleidigten Anzeige erstatten; es sei kein sogenanntes Offizialdelikt, bei dem die Polizei von sich aus tätig werden müsse. Bis gestern Nachmittag ist laut Meier allerdings keine Anzeige gegen Schneider eingegangen.

Platzverbot für Demonstranten

Die Demonstranten ließen sich schließlich friedlich von den Polizisten wegführen. Sie erhielten einen Platzverweis, die Isentalautobahn GmbH hatte laut Meier von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht. Die jungen Leute durften anschließend im Polizeibus über die noch gesperrte Autobahn bis zur Abfahrt Dorfen mitfahren. Mit einer Anzeige müssen sie nach Angaben des Leiters der Verkehrspolizei nicht rechnen.

+++Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion.Jetzt Newsletter ausprobieren !

Kommentare