700.000 Euro sollen Rottalbahn sicherer machen

Derzeit geht auf der Rottalbahn ab Neumarkt-St. Veit nichts. Die Bahn saniert Brücken auf der Strecke, deshalb fahren Busse. Noch heuer soll das Bahnfahren dort sicherer werden, die SOB rüstet die Strecke für 700000 Euro technisch nach.
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Derzeit geht auf der Rottalbahn ab Neumarkt-St. Veit nichts. Die Bahn saniert Brücken auf der Strecke, deshalb fahren Busse. Noch heuer soll das Bahnfahren dort sicherer werden, die SOB rüstet die Strecke für 700000 Euro technisch nach.

In diesem Jahr investiert die Südostbayernbahn in die Strecke von Neumarkt-St. Veit bis Passau – dabei geht es vor allem um die Überwachung der Strecke. Bisher geschieht das allein durch den Fahrdienstleiter und per Telefon. Trotzdem hält die Bahn die Strecke schon jetzt für sicher.

Mühldorf/Neumarkt – St. Veit – Die Rottalbahn soll heuer sicherheitstechnisch aufgerüstet werden. Das sagte ein Bahnsprecher gestern auf Anfrage. Nach seinen Angaben hat die Südostbayernbahn (SOB) 2019 Pläne für eine entsprechende Verbesserung erarbeitet. Die Erhöhung der Sicherheit kostet nach Angaben des Bahnsprechers etwa 700 000 Euro.

Überwachung ohne technische Mittel

Die Rottalbahn, die von Neumarkt-St. Veit bis Passau führt, ist eine von 53 Strecken in Deutschland, die eingleisig sind und mit einer sogenannten mechanischen Leit- und Sicherungstechnik ausgestattet sind. Diese Technik gehört seit Beginn des Eisenbahnverkehrs in Deutschland zum Sicherheitsstandard, wurde aber auf allen anderen Bahnstrecken durch technische Sicherungen ergänzt oder ersetzt.

Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) hat diese Liste erstellt und die Bahn aufgefordert, für bessere Sicherheitsmaßnahmen zu sorgen.

Auf der Rottalbahn prüft wie auf andern eingleisigen Strecken der Fahrdienstleiter, ob der nächste Streckenabschnitt frei ist, und informiert dann den nächsten Fahrdienstleister über das bahneigene Telefonnetz, dass er den nächsten Zug abfahren lässt. Danach gibt er dem Lokführer grünes Licht. Der Lokführer hat nach Angaben des Bahnsprechers die Aufgabe, die Strecke während der Fahrt zu kontrollieren.

Auch der Lokführer schaut hin

Der Bahnsprecher nennt das „Sicherheits-Redundanz“ durch Fahrdienstleiter und Lokführer, die gemeinsam dafür verantwortlich sind, dass die Strecke frei ist. Noch in diesem Jahr soll als drittes Element eine technische Prüfung dazukommen, ob der Streckenabschnitt auch tatsächlich frei ist.

Auf moderneren Strecken, die von elektronischen Stellwerken gesteuert werden, übernimmt die Technik die Überprüfung der Strecken, überwacht durch einen Fahrdienstleister. So auch zwischen Mühldorf - München und auf anderen Strecken der SOB.

Drei Stunden Fahrzeit für 100 Kilometer

Für die Bahn sei Sicherheit das wichtigste Anliegen, betonte der Bahnsprecher. Um die zu gewährleisten gebe es „reglementierte Verfahren“, zu denen auch die telefonische Abstimmung der Fahrdienstleister gehöre. Auf der Rottalbahn sei es in den vergangenen 20 Jahren weder zu Zusammenstößen noch zu Fastzusammenstößen gekommen, betonte er. „Die Bahn ist das sicherste Landverkehrsmittel in Europa“, betonte er, „das gilt auch für die Rottalbahn.“

Strecke stand schon kurz vor dem Stillstand

Die knapp 100 Kilometer lange Strecke zwischen Neumarkt-St. Veit und Passau, die zum Mühldorfer Linienstern gehört, hat eine wechselvolle Geschichte. 1879 eröffnet, sollte sie vor etwa 20 Jahren stillgelegt werden. Im Rahmen des Programms „Bahnland Bayern“ wurde sie zu neuem Leben erweckt. Seitdem fahren die Züge im Zweistundentakt, die Fahrt nach Passau dauert lange drei Stunden. „Der Zug hält an jeder Milchkanne“, spottet der Volksmund, die 20 Haltepunkte sind Teil der Philosophie, ein engmaschiges Verbindungsnetz zu erstellen. Nach Angaben der Südostbayern in Mühldorf nutzen jährlich 2600 Fahrgäste die Züge, vor allem Schüler.

In diesem Frühsommer hatte Verkehrsministerin Kerstin Schreyer die Modernisierung dieser und anderer Bahnstrecken angekündigt. „Mein Ziel ist, dass wir überall in Bayern ein attraktives Angebot im öffentlichen Nahverkehr haben, damit mehr Menschen ihn nutzen“, erklärte sie. Deshalb werde die Bahn in Bahnhöfe, Gleise und Signale investieren – auf der Rottalbahn in zusätzliche Sicherungstechnik.

Ertüchtigung soll heuer fertig werden

Zustimmung dazu kam aus der heimischen Politik. So erklärte Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber: „Die Ertüchtigung und Beschleunigungen, die für diese Strecke vorgesehen sind, sind ein langes und berechtigtes Anliegen aus der Region.“

Die Ertüchtigung der Sicherungstechnik wird nach Angaben des Bahnsprechers auch heuer abgeschlossen werden. Die Planung und Umsetzung vollziehe sich im Rahmen eines Pilotprojekts der SOB.

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