Grüne wollen, dass die Gemeinde Ampfing 7.000 Bäume pflanzt – billig wird das Projekt nicht

Die Idee, für jeden Ampfinger einen Baum zu pflanzen, kam gut an im Bauausschuss. Doch wo macht eine Bepflanzung Sinn? Die Gemeinde hat in dieser Hinsicht schon einiges unternommen, wie zum Beispiel die Streuobstwiese in Stefanskirchen. Stettner

Für jeden Bürger in den nächsten zehn Jahren einen Baum pflanzen. Bei rund 7000 Einwohnern in Ampfing ist das ein großes Vorhaben. Dennoch haben Andrea Weiner und Rainer Stöger (beide Grüne) in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses einen entsprechenden Antrag eingebracht.

Ampfing – . Eine Möglichkeit sehen die beiden im Anpflanzen eines Bürgerwaldes. Auch ist angedacht, für abgestorbene oder abgeholzte Bäume Ersatz zu pflanzen, die Bäume auf Streuobstwiesen zu platzieren oder sie an Straßen oder auf Plätzen zu setzen. Das Landratsamt Mühldorf hat fachliche Hilfe bei der Standortsuche zugesagt.

Baumpatenschaften denkbar

Um die Aktion zu finanzieren, können von Ampfinger Bürgern Baumpatenschaften übernommen oder private Flächen zur Verfügung gestellt werden. Geldspenden von Privatpersonen oder Ampfinger Firmen würden die Finanzierung unterstützen. Billig wird das Projekt nicht: Bei 200 Euro pro Baum kalkuliert komme man bei etwa 7000 Einwohnern auf 1,4 Millionen Euro, wie Bürgermeister Josef Grundner (CSU) vorrechnete. Pro Jahr seien dies dann 140 000 Euro.

Bürgermeister Josef Grundner (CSU) fand die Idee prinzipiell gut. Man müsse aber auch erst sehen, wo eine solche Bepflanzung Sinn mache. Die Gemeinde habe in dieser Hinsicht schon viel unternommen: Es wurden Streuobstwiesen in Stefanskirchen und Straß angelegt, entlang der Ostumgehung, in Hiebl und im Ampfinger Holz wurden viele Bäume gepflanzt. Dazu kommen die Kurzumtriebsplantage, wo relativ schnell Hackschnitzel gewonnen wird, und die Ersatzpflanzungen in der Mühldorfer Straße.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Rainer Stöger ergänzte den Antrag: „Bäume sind wichtig, sie sind Kohlendioxidspeicher und spenden Schatten, was beides im Zuge des Klimawandels sehr wichtig ist.“

Seine Parteikollegin Andrea Weiner sieht vor allem rund um die Ampfinger Lagune einen guten Standort. CSU-Gemeinderat Hans-Peter Kohlschmid wollte wissen, ob der Bürgerwald Nutzholz oder Erholungsgebiet sein soll. Rainer Stöger denkt an eine Waldfläche von ein bis zwei Hektar, wo Bäume wachsen sollen, zu denen die einzelnen Bürger einen Bezug haben, die sie später einmal ihren Enkeln zeigen können.

Auch die zweite Bürgermeisterin, Gabi Herian (CSU) findet die geplante Aktion gut, wandte aber ein: „7000 Bäume sind mir zu viel. Wo sollen die Bäume hin, wer pflegt sie?“ Sie erinnerte auch an die häufigen Beschwerden, die es mit Bäumen gibt, zum Beispiel im Herbst mit dem Laub.

Lesen Sie auch:

Nicht länger im Dunkeln

Ampfing im Wandel

Aufregung um „Kundenservice“: Gemeinde Ampfing wegen Passbildautomaten im Rathaus in der Kritik

Geschäftsstellenleiter Hans Wimmer brachte den Aspekt der Verkehrssicherungspflicht in die Diskussion ein: Alle Bäume der Gemeinde Ampfing werden in ein Kataster eingetragen und jährlich kontrolliert. Verursacht ein Baum einen Schaden, muss die Gemeinde haften.

Stefan Gillhuber (CSU) schlug vor, zukünftigen Bauherren die Bäume zur Verfügung zu stellen, um sie in ihren Gärten zu pflanzen.

Helga Kaiser (SPD) regte an, dass die Gemeinde für jedes neugeborene Kind einen Baum spendiert. In Ampfing gebe es, so Hans Wimmer pro Jahr 60 bis 70 Geburten. In dem Punkt wollte die Mehrheit des Bauausschusses an den bisherigen Windelspenden festhalten.

Auf Freiwilligkeit setzen

Stefan Gillhuber setzt in dieser Hinsicht auf die Freiwilligkeit, um nicht immer Ge- und Verbote erlassen zu müssen. Rudolf Sickinger (CSU) gab zu bedenken, dass es Privatleute gibt, die 50 Euro für einen Anteil an einer Streuobstwiese bezahlen. Zahlten sie 100 Euro für einen neuen Baum, hätten zwei oder drei Generationen etwas von dieser Investition.

Letzten Endes stimmte das Gremium geschlossen für den Vorschlag vom Bürgermeister, dass die Verwaltung zunächst ein Konzept über die Baumpflanzaktion erarbeitet soll. Dann werde man weitersehen.

Kommentare