198000 Kubikmeter: Bei Hochwasser kommt der Hartinger Bach in Heldenstein an seine Grenzen

Die Brücke über den Hartinger Bach und die bauliche Situation machen es schwierig, die Möglichkeiten bei einem Hochwasser in Harting zu verbessern. Stattdessen müssen Rückhaltemöglichkeiten geschaffen werden. Höpfinger

Bei einem 100-jährigen Hochwasser könnten bis zu 26 Kubikmeter Wasser den Hartinger Bach bei Heldenstein abfließen, einzelne Gebäuden würden dabei betroffen sein. Wie die Anwohner vor dem Wasser geschützt werden können, stellte Ingenieur Alexander Reindl im Gemeinderat vor.

Heldenstein – Für den Hartinger Bach hat die Gemeinde Heldenstein ein integrales Hochwasserschutzkonzept erstellen lassen. Dabei zeigt sich: Bei einem 100-jährigen Hochwasser kommt der Bach schnell an seine Grenzen. Was sich dagegen machen lässt, stellte Ingenieur Alexander Reindl dem Gemeinderat vor.

Ein Einzugsgebiet von rund zwölf Quadratkilometern hat der Hartinger Bach, hinzu kommt ein Einzugsbreich von knapp zwei Quadratkilometern vom Goldauer Graben. Ergebnisse, die Vermessungen des Ingenierubüros Behringer ergeben haben. Alexander Reindl stellte die Ergebnisse in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats vor. Entsprechend dem großen Einzugsbereich ergibt sich mit 23 Kubikmeter pro Sekunde auch ein entsprechend großes Abflussverhalten.

Brücke als Nadelöhr

In Harting würden damit einzelne Gebäude vom Hochwasser betroffen sein. „Die Brücke in Harting ist das Nadelöhr“, erklärt Reindl. Lediglich einen Durchfluss von 8,7 Kubikmeter pro Sekunde würde das Gewässer vertragen, ohne über das Ufer zu treten. Rechnet man einen Klimazuschlag von 15 Prozent hinzu, könnten bei einem 100-jährigen Hochwasser bis zu 26 Kubikmeter pro Sekunde abfließen. „Deutlich zu viel“, bilanzierte Reindl. In Harting selbst gebe es wenig Möglichkeiten, etwas zu verbessern, weil die Brücke ein Nadelöhr sei und auch die bauliche Situation nicht viel Spielraum lasse. Einzige Möglichkeit: das Wasser zurückhalten.

„198 000 Kubikmeter sind unterzubringen“, erklärte Reindl. Viele Möglichkeiten gibt es dazu aber nicht. Bei Bachham ließen sich 17 000 Kubikmeter unterbringen, beim Sportplatz gebe es ebenfalls eine Möglichkeit. Doch beides zusammen reicht nicht annähernd aus. Deshalb schlug Reindl im Taleinschnitt Richtung Lauterbach eine Rückhaltemöglichkeit mit einer Kapazität von rund 176 000 Kubikmeter vor. Ein Dammbauwerk würde den Durchfluss so regeln, dass es flussabwärts kaum Überschwemmungen gebe. Es sei zwar mit einen Rückstau bis Lauterbach zu rechnen, davon betroffen seien aber keine nennenswerten Flächen.

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Den Zufluss der Goldau zu berücksichtigen, wie es Thomas Axenbeck (CSU) vorschlug, werde keinen großen Einfluss haben. Reindl bewertete es als nicht optimal, die Rückhaltung des Wassers in mehreren Schritten aufzuteilen. „Das braucht jedes Mal ein Bauwerk und das wird teuer.“

Gespräche mit Grundstückseigentümern habe es noch nicht gegeben, sagte Bürgermeister Helmut Kirmeier auf Nachfrage von zweitem Bürgermeister Rupert Müller. „Es wird noch mehrere Gespräche brauchen.“ Auch mit dem Wasserwirtschaftsamt. Eigentümer müssten entschädigt werden, aber er habe wenig Hoffnung auf Fördermittel.

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Hochwassergefahr im Gewerbegebiet

Gefördert wird nach Aussage von Reindl nur die Planung. „Für Maßnahmen, die nciht wirtschaftlich sind, gibt es keien bauliche Förderung.“ Auch Bürgermeister Helmut Kirmeier war nach einem Termin im vergangenen Jahr frustriert über diese Aussage. „Nach dem Hochwasser 2016 haben wird das Konzept auf den Weg gebracht. Jetzt ist das Thema nicht mehr so akut, weshalb die Wirtschaftlichkeit mehr im Vordergrund steht.“ Grundlage für eine Förderung ist eine Umsetzung für ein 100-jähriges hochwasser.

Bislang nur eine grobe Kostenschätzung

Mit dem Hochwasserschutz könnte auf die Gemeinde eine größere finanzielle Belastung zukommen. Für ein großes Bauwerk und zwei kleinere Aufschüttungen kam Reindl auf eine grobe Kostenschätzung von 1,8 Millionen Euro netto. Dass sich die Kosten mit kleineren, aber mehreren Bauwerken entzerren lassen, ist nach seiner Einschätzung kaum zu machen. „Für jede Rückhaltung braucht es eine Drosselung.“ Außerdem seien auch die langfristigen Kosten nicht zu vergessen. „Bei einem Hochwasser wird es keine großen Vorwarnzeiten geben, die Systeme müssen funktionieren.“

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