100 Tage im Amt: Aschaus Bürgermeister Weyrich sieht trotz Corona viele Chancen

Nicht nur der Einbruch bei den Gewerbesteuern macht Aschaus neuem Bürgermeister Christian Weyrich Sorgen. Doch er will – auch in der Corona-Krise – vor allen die Chancen in den Blick nehmen, die sich den Kommunen bieten.  Petzi
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Nicht nur der Einbruch bei den Gewerbesteuern macht Aschaus neuem Bürgermeister Christian Weyrich Sorgen. Doch er will – auch in der Corona-Krise – vor allen die Chancen in den Blick nehmen, die sich den Kommunen bieten. Petzi

Aschau – Die Gewerbesteuern sind eingebrochen, die Arbeit der Gemeinde ist wegen Corona schwieriger geworden. Doch der neue Aschauer Bürgermeister Christian Weyrich sieht trotz der Krise viele Chancen, wie er im Interview im Rückblick auf die ersten hundert Tage Amtszeit erklärt.

Mit der hereinbrechenden Pandemie-Krise hatten alle frisch ins Amt gewählten Bürgermeister zusätzlich zu den neuen Aufgaben noch eine weitere, die nicht eingeplant war. Besonders in der Gemeinde Aschau dürfte für den neuen Bürgermeister Christian Weyrich mit Stichwahl und Bürgerentscheid über das Gewerbegebiet Thann die Lage herausfordernd gewesen sein. Dazu kommen die von Corona gebeutelten Betriebe vor Ort, mit denen der 41-jährige CSU-Mann intensive Gespräche gesucht hat. Zeit um durchzuschnaufen, die hat sich Christian Weyrich mit seiner Frau und seinen beiden Kindern – sieben und zehn Jahre alt, bei einem Südtirol-Urlaub gegönnt. Prompt zurück im Rathaus hat er uns ein Interview gegeben:

In Südtirol abgeschaut, wie Bauen und Verkehr auf wenig Platz gehen

Herr Weyrich, wie war denn Ihr Urlaub in Südtirol?

Christian Weyrich: Interessant – gerade mit Blick auf Themen, die die Gemeinde betreffen. In Südtirol kann man sich anschauen, wie Bauen und Verkehr auf wenig Platz gelingt – funktional und optisch ansprechend.

Haben Sie denn auch mal abschalten können?

Weyrich: Ja, natürlich. Und etwas Erholung war nach dem um die Stichwahl verlängerten Wahlkampf, der Corona-Pause mit dem Homeschooling zuhause und dem Bürgerentscheid auch nötig.

Amtsübernahme noch nicht bereut

Haben Sie es schon bereut, das Bürgermeisteramt übernommen zu haben?

Weyrich: Auf keinen Fall!

Was sagt eigentlich die Familie zu Ihrem Amt?

Weyrich: Bisher war sie noch nicht ganz so im Fokus. Es gibt ja wenig Abendveranstaltungen. Meine Frau geht in ihrem eigenen Business voll auf. Wobei… wenn es um ihr Einkaufsverhalten geht, ist der mögliche Event an meiner Seite schon mal im Blick… (schmunzelt)

Etikette und Kleidung spielen manchmal eben doch eine Rolle…

Weyrich: Da muss man schon darauf schauen! (lacht) Wobei: Es gab auch Situationen im Zuge kleinerer Treffen in Betrieben, zu denen ich mit Sakko und Krawatte ankam, und mich der Manager vor Ort zur Seite nahm, um mich auf die Temperatur-bedingt weniger strikten Kleidungsregeln hinzuweisen… Schon kurios. Das ist mir aber nur recht, schließlich soll es doch um Inhalte gehen.

„Das persönliche Gespräch ist durch nichts zu ersetzen“

Die technische Umrüstung der Gemeinde war Ihnen von Anfang an ein Anliegen. Wie ist hier der Stand?

Weyrich: Die ist auf dem Weg! Gerade werden die Räume des Gemeinderats auf Vordermann gebracht. Es gibt einen Infoscreen im Eingangsbereich, ein weiterer soll im Außenbereich auf dem Rathausplatz folgen.

Thema Bürgernähe. Wie klappt die in Corona-Zeiten?

Weyrich: Nun, abgesehen von unserem Online-Auftritt, der gerade komplett überarbeitet wird, sowie den Social Media Kanälen, die weiter ausgebaut werden, darf ich als Bürgermeister die Menschen wieder zuhause besuchen. Wenn ein runder Geburtstag oder sonstige Jubiläen anstehen. Und das macht mir am meisten Spaß. Das persönliche Gespräch kann einfach nichts ersetzen!

Kommen wir zu den anstehenden Themen: Der Bürgerentscheid ging für das Gewerbegebiet aus. Wie könnte man alle Bürger mit ins Boot holen?

Weyrich: Wir sind noch dabei, die Vorbereitungen für die Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative zu treffen. Die unterschiedlichen Gutachten zu Verkehr, Lärm, Umwelt etc. müssen erst vorliegen, dann gibt es einen neuen Anlauf für einen offenen Austausch mit allen Beteiligten.

Und die Eindrücke aus dem Urlaub fließen auch mit ein?

Weyrich:(lacht) Ja, das sicher auch!

Gewerbesteuer um ein Drittel eingebrochen

Was bewegt ansonsten die Gemeinde derzeit?

Weyrich: Die Corona-Krise hat uns getroffen. Die Gewerbeeinnahmen brechen um ein Drittel ein. Dennoch gibt es auch viele Chancen – gerade in Sachen Ortsentwicklung. Eine Klausurtagung ist bis zum Herbst angedacht. Wo wollen wir mit unserem Ort hin? Das betrifft alle Lebensbereiche!

Aschau setzt auf neue Fördermöglichkeiten

Sie haben von Chancen gesprochen – welche könnten das sein?

Weyrich: Denken Sie an die neuen Fördermöglichkeiten! Auch genehmigungsrechtliche Hürden sind derzeit gesenkt, Preise für Grundstücke günstig. Und wir haben die entsprechenden Konzepte, die noch vertraulich sind, schon längst in der Schublade. Firmen wollen sich neu in der Krise aufstellen. Auch hier ergeben sich Synergien mit der Gemeinde.

Firmen setzen auf Zusammenarbeit mit Gemeinde

Apropos Wirtschaft. Wo drückt den Gewerbetreibenden der Schuh am stärksten?

Weyrich: Grundsätzlich sind die Firmen gut aufgestellt. Auch solche, die Arbeitsplätze abbauen, blicken optimistisch in die Zukunft. Man setzt auf die Zusammenarbeit mit der Gemeinde.

Kommen wir zur Stimmung im Rathaus. Sie wollten umstrukturieren. Kam das gut an?

Weyrich: Die Dellen haben wir schon hinter uns (schmunzelt)! Manche mussten aus ihrer Komfortzone raus. Aber es geht um die Kompetenzen und Motivation unserer Mitarbeiter. Da sind wir auf einem sehr guten Weg.

Es fehlt ein Wirtshaus in Aschau

Abschließend noch ein Blick auf das große Ganze: Welche Themen werden in Zukunft relevant sein?

Weyrich: Am Gewerbegebiet Thann werden wir gemessen werden. Was auf uns zukommt, sind Bauen und Wohnraumentwicklung, Schule, Kita-Betreuung am Nachmittag, Wohnen im Alter. Aber was vielen Leuten auf der Seele liegt: Es fehlt ein Wirtshaus mit einem Saal für größere Veranstaltungen. Momentan kann von einem Aufblühen der Wirtshauskultur ja keine Rede sein. Aber auch hier schafft die Corona-Krise vielleicht ein Umdenken – und neue Chancen.

Interview: Nicole Petzi

Statement des Geschäftsstellenleiters

Stefan Kirchbuchner (32), seit 2015 Leiter der Geschäftsstelle, zu den Veränderungen im Rathaus: „Neue Strukturen schafft man nur gemeinsam. Wir versuchen im Team vieles zu erreichen und den Mitarbeitern die entsprechenden Kompetenzen und Entscheidungen zu überlassen, damit jeder seine Stärken ausspielen kann, um das Beste zu erreichen. Ich persönlich schätze den offenen Austausch mit dem Bürgermeister, der fair und ehrlich ist.“

Geschäftstellenleiter Stefan Kirschbuchner Foto Petzi

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