Zwischen Nachverdichtung und Naturschutz

Die Abholzung auf einem Grundstück an der Töginger Straße sorgt für Aufregung in Mühldorf.
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Die Abholzung auf einem Grundstück an der Töginger Straße sorgt für Aufregung in Mühldorf.

Zum Bericht „Nach Rodung an Töginger Straße in Mühldorf: Grüne fordern Baumschutzverordnung“ (Lokalteil) und zu „Naturschutz außer Acht gelassen“ (Leserbriefe) sowie zum Bericht „Mehr Autos in Engelsberg wegen Neubaugebiet Am alten Kirchenweg?“ (Lokalteil):

Es ist eigenartig, dass genau Die Grünen/Bündnis 90 und deren Sympathisanten die Abholzung auf dem Grundstück an der Töginger Straße beklagen und eine Siedlungsverdichtung befürchten. Bei den Gegnern dieser Baupolitik handelt sich jedoch genau um jene, die eine Flächenzersiedlung und -versiegelung auch nicht haben möchten – andererseits jedoch penetrant die grenzenlose Zuwanderung nach Deutschland einfordern. Wo sollen denn alle diese Neubürger wohnen? Diese Leute brauchen bezahlbare Wohnungen, genau wie die hier lebenden „Altbürger“. Was ist also besser? Die Verdichtung der Innenräume von Städten oder die Versiegelung der die Stadt Mühldorf noch umgebenden Natur, wie es zum Teil im Mühldorfer Norden und Süden geschieht. Haben die Gegner der Bebauung an der Töginger Straße womöglich Angst, plötzlich „Neubürger“ als Nachbarn zu haben und nehmen den Umweltschutz nur als Vorwand? Und was genau bedeutet die Baumschutzverordnung, die durch die Grünen vorangetrieben wird? Die Grünen betrachten sich hier als Vordenker. Aber denkt über die Folgen so einer Verordnung auch jemand nach? De facto bedeutet eine Baumschutzverordnung die Enteignung der Grundbesitzer. Diese können nicht mehr darüber bestimmen, welchen Baum sie fällen möchten. Als Folge werden diese Grundstücke an Wert verlieren, da kein Investor ein Interesse an Grundstücken haben dürfte, auf denen er nicht mehr so bauen darf, wie er möchte. So schade es um den Baumbestand und dieses Kleinod an der Töginger Straße auch sein mag, die Rodung und Bauverdichtung ist alternativlos, damit bezahlbarer Wohnraum durch Investoren entstehen kann.

Franz Xaver Reichenberger

Mühldorf

Für wen wird da in Engelsberg ein Baugebiet erschlossen? Damit Bauern ihre Äcker teuer verkaufen können? Wer von den Neubewohnern wird dann in Engelsberg auch arbeiten? Welche Kinder werden dort länger als bis zur vierten Klasse Schüler sein? Dort ein Neubaugebiet und an den Straßen nach Trostberg, Rosenheim, Wasserburg oder Waldkraiburg kommen dann Klagen über steigende Verkehrsbelastung. Deshalb sollte man in Orten mit einem Auspendlerüberschuss keine neuen Wohnungen bauen! In Orten mit Einpendlerüberzahl sollten dagegen keine neuen zusätzlichen Arbeitsstätten entstehen!

Wolfgang Schönfelder

Mühldorf

„Mama, die verwunschene Villa und der Zaubergarten sind weg!“ Mit diesen Worten des Entsetzens kamen meine beiden Töchter vom Spaziergang nach Hause. Wie erklärt man ein solches Vorgehen seinen Kindern? Wir, die tagtäglich von Werteerhalt und Umweltschutz für deren Zukunft reden und versuchen, bestmöglich danach zu handeln. Wir, die unsere Kinder ermahnen, wenn sie nicht entsprechend agieren. Immer mit den Worten: „Die Natur ist eines der wichtigsten Dinge, die wir schützen müssen, damit ihr gut in eure Zukunft gehen könnt.“ Wir, die in der Nachbarschaft der Villa in unserem eigenen Garten ein dynamisches Biotop schaffen. Mit blühenden Pflanzen, einem Teich, Insektenhaus, Bäumen, Vogelhäuschen und Laubhaufen im Winter. All dies damit mitten in der Stadt die Natur noch eine Chance zum Überleben bekommt und unsere Kinder sich an Schmetterlingen, Libellen, Igeln und dem eigenen Gemüsegärtchen erfreuen können. Wir, die versuchen unsere Kinder mit Büchern, Filmen, Ausflügen und Gesprächen zu sensibilisieren, damit sie sich nicht den umweltzerstörischen Gewohnheiten der vergangenen Generationen hingeben, sondern ihr Handeln immer überdenken. Natürlich brauchen wir Wohnraum. Aber zu welchem Preis? In Zeiten, in denen wir wissen, dass unser Ökosystem auf wackeligen Beinen steht und genau dieses aber unser aller Lebensgrundlage bildet, muss sich im Umgang mit Natur und Flächennutzung in einer Stadt einiges ändern. Kurzfristig gedachte Radikalmaßnahmen und Gewinnmaximierungen müssen endlich aufhören. Die gesamte Bevölkerung und besonders die Entscheider auf den kommunalen Ebenen müssen endlich anfangen, langfristig zu denken und auch danach zu handeln. Wenn die Stadt nicht anfängt, langfristige Visionen zu entwickeln, und diese in kurzfristige, erreichbare Ziele umsetzt, wie wird dann die Zukunft unsere Kinder in dieser Stadt aussehen?

Stephanie Nömeier

Mühldorf

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