Zweierlei Maß

Zu den Berichten über die Anschlagserie in Waldkraiburg (Regionalteil):

Medienberichte und Reaktionen von Mandatsträgern zeigten auch in diesem Fall, dass dahinter die voreilige Annahme stand, es handelt sich um eine rechtsradikale Tat. Obwohl noch keinerlei Fakten vorlagen, dominierte in den Berichten die Vokabel „rechts“. Eine Mahnwache gegen rechts sollte die Solidarität mit türkischen Mitbürgern zeigen. Dank einer aufmerksamen Zugschaffnerin wurde der Täter inzwischen gefasst. Es handelt sich um einen „Altöttinger“ beziehungsweise „Deutschen mit türkischen Eltern“.

Wenn das früher bekannt gewesen wäre, hätte es bestimmt keine Mahnwache gegeben und das überörtliche Medieninteresse wäre vermutlich sehr begrenzt ausgefallen. Das beweist auch die Berichterstattung über einen syrischen Jugendlichen, der kürzlich Betonplatten auf eine ICE-Strecke legte und einen ICE beschädigte. Es hätte Hunderte von Toten geben können. Darüber gab es natürlich keine herausgehobenen Reportagen. Das Verbrechen wurde auch kaum registriert. Zumindest die Reaktionen von zumeist linken Demonstranten haben sehr wohl etwas mit der Herkunft von Verbrechern zu tun.

Wenn „Bio-Deutsche“ – um den Begriff von Frau Angelika Graf zu verwenden – Opfer von nichtdeutschen beziehungsweise „Deutschen mit ausländischen Eltern“ Verbrechern sind, gibt es keine Mahnwachen oder Lichterketten. Auch die Anteilnahme von staatlichen oder kirchlichen Würdenträgern ist in diesem Fall eher begrenzt. An moralische Weltmeister muss man eben höhere Ansprüche stellen. Das gilt sogar für „Deutsche mit deutschen Eltern“, die vom rechten Weg abgekommen sind.

Gerhard Mania

Neumarkt-St. Veit

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