Zentnerweise Argumente

3000 Menschen protestierten im Februar 2020 in Rosenheim gegen die Pläne zum Neubau der Brenner-Zulaufstrecke durch das Inntal.
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3000 Menschen protestierten im Februar 2020 in Rosenheim gegen die Pläne zum Neubau der Brenner-Zulaufstrecke durch das Inntal.

Zur Berichterstattung über die Planungen für den Brenner-Zulauf (Regionalteil):

„Zentnerweise Argumente“ zum Brenner-Nordzulauf wurden bei der Regierung von Oberbayern abgegeben. Die verschiedenen Bürgermeister brauchten dazu Sackkarren, um die mindestens 10 000 Stellungnahmen bei der Regierung in München vor Ort zu bringen. Und was nützt das? Im Raumordnungsverfahren wird die Behörde nur eine „landesplanerische Beurteilung“ abgeben, die nicht rechtsverbindlich ist. Tausende und Abertausende von Bürgern haben sich geäußert. Genauso groß wird der Frust sein, wenn die Argumente nicht berücksichtigt werden, da das Verfahren bei der Regierung von Oberbayern keine unmittelbare und zwingende Wirkung hat. Hat schon mal jemand den Aufwand für die bisherigen Verfahren festgestellt? DB-Projektleiter, Versammlungsräume, Reisekosten? Ich will hier niemandem das Recht auf seine demokratische Miteinbindung in Frage stellen, aber da hätte man schon sicher einige Kilometer Tunnel verbauen können. Wie geht es aber dann in der Planfeststellung weiter? Die oben genannten Frustrierten und vermeintlich nicht zu ihrem Recht Kommenden werden Klage vor den zuständigen Gerichten erheben. Und wieder werden Kostenlawinen ausgelöst, die jahrelange Verzögerungen und die Baukosten in die Höhe treibende Geldmittel erfordern werden. Wäre es nicht besser und sicher kostengünstiger, das Inntal mit einem Volltunnel von Kiefersfelden bis in die Gegend von Rosenheim sofort auszubauen? Natürlich darf Rosenheim dabei nicht vom Fernverkehr abgeschnitten werden!

Günter Ziegler

Rosenheim

Ein tolles Bild: Viele Lkws per Bahn unterwegs. Die Bahn sieht sich auf einem guten Weg für ihre Neubaupläne!? Bahnsprecher Lindemair glaubt sogar, mit einer wohl getürkten Meinungsumfrage (Frage: Wollen Sie weniger Lkws auf der Straße haben: Antwort: ja: folglich wieder eine Stimme für dieses wahnsinnige Mammutprojekt!?) vorzutäuschen, eine Mehrheit der Menschen in der Region hinter den Ausbauplänen zu haben. Will ich mehr Lkws auf die Schiene bringen, braucht das erstens den politischen Willen (siehe Schweiz); zweitens Maßnahmen, um das Bahnfahren auch für Lkws billiger als die Benützung von Autobahnen, Bundesstraßen und Staatsstraßen (Vogtareuth-Stephanskirchen) zu machen und drittens ein intelligentes, digitales System der Nutzung der vorhandenen und zu renovierenden Gleise. Aber wie soll das eine Institution wie die Deutsche Bahn schaffen, die schon den Bau des Bahnhofes „Stuttgart 21“ völlig realitätsfern konzipiert hat und Millionen (oder Milliarden) in den Sand setzte und setzt. Weitere Rohrkrepierer können und wollen wir Staatsbürger uns nicht mehr leisten. Sonst bleiben andere wichtige Staatsaufgaben auf der Strecke. Am Rande: Wofür braucht das Büro für den Brenner-Nordzulauf Geschäftsräume in bester Innenstadtlage Rosenheims? Wir Steuerzahler zahlen es ja.

Dr. Gerhard Hackl

Stephanskirchen

Der Landkreis Rosenheim ist der einzige Landkreis in Deutschland, der unter dem Brenner-Nordzulauf viele Jahre leiden wird. Er ist aber auch der einzige Landkreis, der von der einst fertigen neuen Trasse in keiner Weise profitieren wird. Im Gegenteil, die Züge werden an Rosenheim vorbeifahren und, soviel ich weiß, wird es im Landkreis Rosenheim keinen Haltepunkt geben. Bei der Trasse, die am alten Bahnhof von Stephanskirchen vorbeiführt, könnte man einen Umsteigehalt bauen. Oder sollen auf der neuen Trasse nur Güterzüge fahren? Aus dem Basistunnel werden nur zwei Gleise kommen, im Landkreis Rosenheim werden die von Süden kommenden Züge auf vier Gleise verteilt werden. Wo werden die vier Gleise wieder in das bestehende Streckennetz integriert werden? Ist dort kein „Stau“ zu befürchten? Das viele Geld könnte auch in die Bestandsstrecke investiert werden. Die Bahn, Weltmeister im Verkaufen von Bahngrund, könnte mal versuchen, Grundstücke zu kaufen. Bei einem entsprechend hohen Angebot, würde wohl der eine oder andere lärmgeplagte Bahnanlieger verkaufen. Bei der aktuellen Planung ist der Landkreis Rosenheim der Verlierer. Cui bono?

Ludwig Karrer

Stephanskirchen

Die Regierung von Oberbayern beschäftigt sich mit dem Verlauf der Trasse. Ich finde, die Regierung sollte sich mehr damit beschäftigen, ob eine Trasse kommt. Wenn uns die Corona-Pandemie etwas lehrt, dann das: Wir sollten einen Schritt zurücktreten und uns die Lage noch einmal anschauen und dabei die wirklich wichtigen Dinge betrachten: Nutzflächen erhalten, Freizeitflächen erhalten, Gesundheit der Bevölkerung nicht aufs Spiel setzen und unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft bieten! Es sind nicht „irgendwelche Gleise“, die die Bahn AG mit Gewalt unbedingt verlegen möchte! Außerdem ist die Datenerhebung nicht mehr zeitgemäß durch die Krise. Es soll wieder mehr im eigenen Land produziert werden, Lieferketten werden sich dadurch ändern und damit haben wir einen anderen Bedarf des Transit. Zum Lärmschutz: Welcher Lärmschutz ist denn für die über zehn Jahre dauernde Baustelle angedacht? Lärm macht nachweislich krank! Und unserer Umwelt ist es schon heute zu laut. Der Baustellenlärm, all die Zubringer-Lkws und Maschinen verursachen extremen Lärm. Die Gesundheit der Bevölkerung muss davor geschützt werden. Auch Emissionen soll die neue Trasse einsparen. Sind denn die Emissionen dieser Großbaustelle überhaupt aufholbar? Ich denke nicht, dass dies alles in den Planungen für den Brenner-Nordzulauf berücksichtigt ist. Die Argumente sollte sich die Regierung daher sehr genau anschauen.

Andreas Harnisch

Großkarolinenfeld

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