Zehn Jahre Rauchverbot: Zu viel oder nicht genug?

Sebastian Frankenberger (ehemals ÖDP) trieb das bayerische Volksbegehren zum Nichtraucherschutz entscheidend voran – zur Freude vieler Nichtraucher. Doch noch Jahre später erhielt er Morddrohungen.
+
Sebastian Frankenberger (ehemals ÖDP) trieb das bayerische Volksbegehren zum Nichtraucherschutz entscheidend voran – zur Freude vieler Nichtraucher. Doch noch Jahre später erhielt er Morddrohungen.

Zum Bericht „Zehn Jahre Rauchverbot in Bayerns Wirtshäusern“ und zum Bericht „Der Mann, der die Raucher verbannte“ (Bayernteil)

:

Sehr geehrte Frau Schultejans, schon Ihr Einleitungssatz ist falsch, denn die damalige Wahlbeteiligung lag bei circa 30 Prozent, was bedeutet, dass bei circa zehn Millionen Bayern nur rund drei Millionen zur Wahl gegangen sind. Folgerichtig haben nur 1,83 Millionen Bayern, also 10,83 Prozent, für diese absurde Regelung gestimmt und ebenso folgerichtig wurde 8,3 Millionen Bayern gesagt, wie sie zu leben haben! Das ist bei einer Volksabstimmung (für die ich sehr wohl bin, aber erst ab einer Wahlbeteiligung von mindestens 51 Prozent), vollkommen inakzeptabel! Ich bin wieder einmal nicht sehr über die äußerst schlechte Grundlagenkenntnis und Recherche der Redakteure überrascht.

Werner Obermeier

Rosenheim

Auf Initiative der ÖDP stimmten vor zehn Jahren auch die Rosenheimer über ein konsequentes Rauchverbot in Restaurants, Gaststätten und Festzelten ab. Über 60 Prozent votierten dafür. Der Volksentscheid Nichtraucherschutz war das erfolgreichste Gesundheitspräventionsprojekt, das in Deutschland jemals gestartet wurde. Tabak ist „das einzige legale Produkt, das bei bestimmungsgemäßem Konsum krank macht und tötet“, so die stellvertretende Vorsitzende der Unions-Fraktion, Gitta Connemann (CDU). Aber erst jetzt schränkt der Bundestag die Werbung für das Rauchen weiter ein. Viel zu spät und zögerlich: Der Parlamentsbeschluss vom Juli 2020 verbietet ab dem nächsten Jahr Kinowerbung fürs Rauchen bei Filmen unter 18 und die Verteilung von Gratis-Proben außerhalb von Fachgeschäften. Erst ab 2022 gilt ein Werbeverbot für herkömmliche Tabakprodukte auf Außenflächen wie Plakatwänden oder Haltestellen. Für E-Zigaretten sogar erst ab 2024! Dabei meinte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), noch im Oktober 2019: Wenn die Tabakindustrie mit Liquids werbe, die nach Kaugummi und Popcorn schmeckten, „dann ist doch ganz klar, dass sich das nicht an den Erwachsenen richtet, der umsteigen will“. Hier gehe es um das Ansprechen von Jugendlichen. Dabei belegt eine Studie, dass Werbung für E-Zigaretten das Risiko für den Konsum traditioneller Zigaretten bei Schülern um bis zu 125 Prozent steigert. Bis zum Beschluss im Bundesrat können die Bundesländer das Gesetz nachbessern. Hoffnung besteht wenig. Ludwig wähnt sich „beim Tabakwerbeverbot auf direktem Weg zum Ziel“.

Georg Werner

Rohrdorf

Kommentare