Im Würgegriff der Lobby

Zum Artikel „Warum der Solarausbau in Städten stockt“ (Wirtschaftsteil):

Energiepolitisch wäre der Solarausbau auf größeren Wohnhäusern sicherlich gewünscht und bei vernünftigen Rahmenbedingungen würde er sich auch rechnen, aber so nicht. Bei dem bürokratischen Aufwand sowie den rechtlichen und kalkulatorischen Unsicherheiten ist es kein Wunder, dass nicht investiert wird.

Das Finanzamt fehlt übrigens in dem Artikel. Ich selbst habe im letzten Jahr in eine kleine Haus-PV-Anlage investiert, und speise den überschüssigen Strom ins Netz. Steuerlich bedeutet dies, dass ich nunmehr Gewerbetreibender bin. Das FA hat mir eine neue Steuernummer zugewiesen und ich muss den Gewinn beziehungsweise Verlust aus dem Betrieb meiner kleinen 5,8- kWp-Anlage ermitteln. Der eingespeiste, und mein selbstverbrauchter Strom, sind als Einnahme anzusetzen. Anschaffungskosten und Abschreibung sind zu ermitteln, etc. Ein bürokratischer und verwaltungstechnischer Irrsinn, mit dem man für eine gute Ini tiative bestraft wird. Und unterm Strich kommt übrigens fast nichts dabei raus.

Die meisten Hauseigentümer werden für diese Gewinnermittlung einen Steuerberater benötigen, dessen Honorar dann vermutlich den erhofften Stromkostenvorteil teils oder ganz auffrisst. Die ganze Unfähigkeit der seit Jahrzehnten Regierenden zeigt sich in diesem Steuer- und Verwaltungsgestrüpp, bei dem sich jede nur erdenkliche Behörde zu Wort und wichtig meldet. Wenn schon, dann sollte eine Stelle als zentrale Melde- und Genehmigungsstelle benannt werden.

Bei kleinen PV-Anlagen muss es eine Befreiung von der Steuer geben. Kleinteilige Gesetze dieser Art sind die Regel geworden, ggf. noch gut gemeint aber in der Realität nichts anderes als Beschäftigungsprogramme für Behörden, Beamte, Steuerberater und Rechtsanwälte. Deutschland ist im Würgegriff dieser Lobbys.

Ulrich Kottmann

Nußdorf

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